Alice im Wunderland

Tim Burtons recht freie Adaption von Lewis Carrolls Klassikern bezaubert mit visuellen Effekten, Witz und Charme – auch wenn sich Carroll-Puristen ärgern dürften.

Alice im Wunderland

Nachdem 20th Century Fox mit Camerons Avatar – Aufbruch nach Pandora (Avatar, 2009) Ende letzten Jahres am Box Office den weltweiten Durchbruch bei 3-D-Filmen feiern konnte, legt Disney nun nach. Nicht dass die Filmschmiede aus Burbank nicht bereits auf dem 3-D-Aminationsmarkt agieren würde, doch was bislang fehlt, ist eine Kombination aus Real- und Animationsfilm, die mit derartig wuchtigen Bildern daherkommt, dass sich – bei Einsatz entsprechender Werbemittel – ein ähnlicher Hype bewirken lässt wie bei Camerons Film.

Alice im Wunderland

Bei solchem Ansinnen liegt der Rückgriff auf den Meister der visuell skurrilen Narration, Tim Burton, nahe. Burton, der selbst als Zeichner und Animationsfilmer seine Anfänge bei Disney nahm, hat in seinen Filmen wie Beetlejuice (1986), Edward mit den Scherenhänden (Edward Scissorhands, 1990), Sleepy Hollow (1999) oder Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche (Tim Burton’s Corpse Bride, 2005) mehrfach sein Gespür für eigenwillige, teilweise recht morbide Sujets bewiesen und eine einzigartige visuelle Signatur hinterlassen. Nimmt man noch einen Star dazu, der wie kein anderer für schräge Figurenzeichnungen bekannt ist und zudem in sechs Burton-Filmen als Hauptdarsteller agierte – Johnny Depp nämlich –, dann hat man aus Sicht eines raffiniert rechnenden Produzenten ein nahezu sicheres Erfolgspaket geschnürt. Und die Rechnung geht auf.

Alice im Wunderland

Lewis Carrolls Geschichten von Alice und ihren Abenteuern in der wundersamen Unterwelt, in die man durch einen Kaninchenstollen gelangt, scheinen eigentlich wie für Burton und dessen überbordende visuelle Fantasie geschaffen zu sein. Wer aber nun glaubt, Burton beschränke sich auf eine lineare Adaption von Carrolls Büchern, der irrt. Denn Alice im Wunderland (Alice in Wonderland) ist keine Adaption im technischen Sinne, sondern vor allem die Visualisierung von Unterland, also der Welt tief unter der Erde, die Alice infolge eines Verhörers als Wunderland bezeichnet. Die Konflikte, die in diesem Film ausgetragen werden, hat Drehbuchautorin Linda Woolverton (Der König der Löwen; The Lion King, 1994) mit genauer Materialkenntnis aus beiden Carroll-Geschichten Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln herausdestilliert. Was sich also in Burtons Film zuträgt, findet sich so in keinem der Bücher. Das mag Puristen ärgern, schmälert aber den Reiz in keiner Weise.

Alice im Wunderland

Alice Kingsleigh (Mia Wazikowska) begegnet uns auch nicht mehr als Kind, sondern als junge Frau im heiratsfähigen Alter. Und sie soll heiraten. Nicht aus Liebe, sondern aus standesgemäßer Vernunft, um später nicht zu enden wie Tante Imogene (Frances de la Tour), die als alte Jungfer immer noch auf den richtigen Prinzen wartet. Der Film gibt sich zunächst wie eine Jane-Austen-Verfilmung, jedoch taucht – bereits ziemlich irritierend – auf dem schnöseligen Adelsfreiluftbankett das weiße Kaninchen auf, das Alice mit Fingerzeig auf seine Taschenuhr daran erinnert, dass es Zeit wird, ihm zu folgen. Alice lässt die versammelte Gesellschaft und den ihr zugedachten Bräutigam stehen und verkündet aufmüpfig-lakonisch, sie brauche noch einen Augenblick – um sich sogleich in Kaninchenloch und Abenteuer zu stürzen. Denn in Unterland – wo Alice schon mehrfach als Kind war – warten bereits ihre ehemaligen Gefährten Grinsekatze, der verrückte Hutmacher (Johnny Depp), der Märzhase, Tweedledee und Tweedledum (Matt Lucas) und andere bekannte Carroll-Gestalten, damit Alice ihrer Bestimmung gemäß der Regentschaft der furchtbaren Roten Königin (Helena Bonham Carter) ein Ende bereitet.

Alice im Wunderland

Wie sich die anfänglich zögerliche Alice auf die ihr zugedachte Mission einlässt, Unterland rettet und der rechtmäßigen Herrscherin (Anne Hathaway) zu ihrer Krone verhilft, wird in einem soghaften Ideen- und Bildrausch erzählt, der an Witz und Charme nichts zu wünschen übrig lässt.

Die Lust am Spiel der Darsteller ist sichtlich spürbar, und Burton arbeitet – bedenkt man, dass es sich natürlich um typisierte Märchenschablonen handelt – aus seinen Figuren interessante Ticks, Macken, ironische Brüche und Subtexte heraus. So steht sich zum Beispiel die eigentlich gütige Weiße Königin (Hathaway) mit ihrer Hochnäsigkeit und manieriertem Gehabe selbst im Weg, die böse Rote Königin (Bonham Carter) indes leidet in Wahrheit an schlimmen Komplexen, und dergleichen mehr.

Alice im Wunderland

Interessanterweise setzt Alice im Wunderland die 3-D-Technik behutsam und nicht als Selbstzweck ein, so dass einem – bei aller visuellen Kraft – überladenes Effekt-Kino erspart bleibt und der Film auch in einer 2-D-Variante absolut bestandskräftig sein dürfte.

Nur – und das mag ein Manko von Burtons Film sein – sollte man die literarischen Vorlagen kennen, um sich im quietschbunten Universum zurechtzufinden. Wobei es schon in den Büchern Carrolls nicht eigentlich ums Verstehen ging. Denn für das literarische Oeuvre des viktorianischen Mathematikers, Fotografen und Geistlichen ist die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten, Assoziativen und Proto-Absurden kennzeichnend. Und das ist etwas, was Tim Burton durchweg beherrscht und kongenial visualisiert hat.

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Kommentare


Minge

Ich möchte der Kritik och meine Wahrnehmungen hinzufügen, als einer der die Bücher im Detail nicht kennt, aber wohl die Geschichten.
Ich bin der Meinung es hätte noch etwas "schräger" zugehen können. Die geradlinige Geschichte, einzig die Mission vor Auge, ist mir etwas zu eindimensional. Auch bin ich nicht der Meinung das 3D unaufdringlich wirkt. Ich denke das der Film in 2D und HD im Heimkino ein noch größeres Potential hat.
Trotzdem ein faszinierendes Bilderspektakel.


Dr. Andreas Jacke

Diese Verfilmung schliesst ziemlich nahtlos an ähnliche Projekte wie "Der Goldene Kompass" und "Der Herr der Ringe" an, bei denen sie sich reichlich bedient hat.
Und Burton zitiert sich dann auch noch selbst. Was fehlt ist ein bisschen Orginalität - zuviel bereits Gesehenes.

Gegenüber der Vorlage bleibt er weit zurück -wäre da nicht der Sprachwitz, der für einige sehr skurrille Momente sorgt. Das der König - aus der Vorlage - nun exikutiert wurde wundert echte Burton Fans sicher kaum. Die Sache mit dem Kopf verlieren - war bei "Sleepy Hollow" schon einmal ganz ähnlich ein Thema. Nun aber hat dieswe Film
etwas zuviel Action und wie Johanna von Orlean den Drachen tötet kommt auch aus einem anderen Märchen - oder war das eine deutsche Sage? Aber das Ganze ist sehr unterhaltsam ... wenn man Carolls Vorlage vergisst an die die Verfilmung nie und nimmer heranreicht- aber dennoch zuweilen illustiert. Eine "echte" Verfilmung wäre schon besser gewesen. Schade eigentlich. Aber Märchen dürfen so sein.


Flüge

Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass der Film leider nicht meine Erwartungen erfüllt hat! Ich finde ihn zwar gut aber nicht sonderlich beeindruckend! Außerdem ist es meiner Meinung nach auch nicht unbedingt notwendig den Film in 3D zu sehen wie vergleichsweise bei Avatar! Allerdings ist Johnny Depp wieder einmal perfekt in seiner Rolle!


F

Ich für meinen Teil war ziemlich beeidruckt von dem Film. Allen voran die besondere Beziehung zwischen Alice und dem Hutmacher bringt Emotionen in den Film. Eine Meisterleistung auf Seiten Johnny Depps und auch die junge Alice überzeugt auf ganzer Linie. Tim Burton nimmt uns einmal mehr mit auf eine Reise in eine Welt, die man nur mit Fantasie erreichen kann.


Ciprian David

Ich war sehr enttäuscht nach dem Kinobesuch am Dienstag. Ich denke es lag daran, dass Burtons Filme Variationen von Alice im Wunderland sind, und das nciht funktionieren kann, wenn er zum Ursprung zurückkehrt, ohne den Anspruch es radikal an seinem darauf aufbauendem Stil anzupassen.
Habe etwas dazu geschrieben, das Sehen im Mittelpunkt:
http://negativ-film.blogspot.com/2010/03/alice-im-wnderland-3d-ein-lamento.html


Armin Götzke

Der Film ist für mich bis auf wenige Momente eine Enttäuschung. Schubladen-Konflikte ärmlich herausgearbeiteter Charaktere langweilen mich, und die "Held muss sich überwinden dem grossen Bösen Irgendwas die Rübe abzuhauen, was am Ende auch gelingt"-Logik kann ich einfach nicht mehr sehen, ohne Übelkeit zu empfinden. Schade; von Tim Burton hätte ich mehr erwartet.


Jannis

Eine Unverschämtheit, diesen Film in 3D anzubieten. Burton hat überwiegend Kameras mit geringer Tiefenschärfe benutzt, so dass in 3D viele Ebenen einfach unscharf sind. Permanent bemühen sich die Augen, das Ganze irgendwie scharf zu kriegen, Kopfschmerzen sind vorprogrammiert. Nach 20 Minuten habe ich mir sehnsüchtig gewünscht, den Film lieber in 2D gucken zu können. 3D-Effekte lassen sich ja auch kaum herausholen, wenn alles verschwimmt, sobald es sich der Kamera zu sehr nähert. Selbst die 3D-Macher scheinen die Sinnlosigkeit ihrer Arbeit eingesehen zu haben und gaben sich entsprechend wenig Mühe: Immer wieder waren einige Bilder schlicht doppelt zu sehen. Hätte mir vor diesem miesen Erlebnis eine deutliche Warnung gewünscht. Ansonsten schien es ein ganz netter Film zu sein, den man sich in normalen Kinos wahrscheinlich gut angucken kann.


classless

In dieser Situation nimmt Bürgertum-Alice dann doch mal die prophezeite Rolle an und bricht mit der Gewaltlosigkeit. Da das feige Bürgertum sich immer noch im Rechtfertigungszwang für die Guillotine zu befinden scheint, wird das “Off with the head!” dann nicht an der Tyrannin vollstreckt, sondern an ihrer Massenvernichtungswaffe Jabberwocky, dem Monster, das sie gegen Alice in die Schlacht schickt.

http://www.classless.org/2010/03/16/alice-the-jabberwocky-slayer/


frankb

Enttäuschend. Versucht anarchisch zu sein, ist aber von einer Spießigkeit die einfach nur nervt und langweilt. lewis carroll dürfte sich im grabe umdrehen. Und die latent wahnsinnige Alice umzumodeln zur visinär begabten Unternehmerin - hallo??? Der einzige Lichtblick: HB Carter als zickige Königin.


Manu

Ganz meine Meinung, die Geschichte ist viel zu geradlinig erzählt - keine Überraschungen, zu wenige Verrücktheiten, die Figuren haben zu wenig Eigenheiten (bzw. wurden diese ungenügend herausgearbeitet). Der Kampf von Alice gegen den Jabberwocky war einfach unglaublich unpassend inszeniert (alice in der rüstung?!) und vor allem vorhersehbar & LANGWEILIG. Insgesamt leider eine Enttäuschung, von Tim Burton und Johnny Depp hätte ich mehr erwartet.


shayshay

also ich fand den superklasse! ich weiß garnicht was ihr alle habt aber anscheinend seit ihr keine tim burton fans^^
ich find den einfach klasse und die animierten tiere sind total süß^^
ich kann kaum die DVD erwarten^^
das einzige was mich gestört hat war das ende... also irgendwie lief das nicht so ab wie es schien. naja egal aber es war trotzdem super!^^
meiner meinung nach habt ihr einfach keinen geschmack, genießt doch mal den film und kritisiert nicht immer dran rum XP
nicht bös gemeint aber wieso seit ihr alle auf den film so negativ zu sprechen?
der war doch super^^ ich liebe alle filme von tim burton^^


marco b

@shayshay: weil sich ein "kritiker" lieber der negativen kritik annimmt als der positiven. wär ja sonst langweilig, wenn man nicht sein pseudo-film-intellektuelles gelaber rauslassen kann.
warum ist der film denn eurer meinung nach so "schlecht"? weil IHR ihn schlecht gemacht habt mit eurer ewig gigantischen erwartung. oh ja, burton inszeniert Alice im Wunderland - das muss spektakel des jahrtausends werden! und wehe er erfüllt nicht die erwartungen, dann wird er runtergemacht bis sich alle einig sind, dass burton auf einmal nichts mehr drauf hat, blablabla...

ich habe diesen film genossen, einerseits weil er von burton ist, andererseits weil johnny depp und mrs. carter dabei sind, und zuletzt, weil sich da endlich mal jemand gedanken um das drumherum in wunderland gemacht hat. so viel hintergrundwissen, dass dazugesponnen wurde - wunderbar! dass dieser hintergrund nur sporadisch erklärt wird, vielmehr als gegeben und bekannt gezeigt wird, finde ich spitze. da muss sich der zuschauer endlich mal selbst gedanken machen und muss nicht nur das maul aufreisen, um gefüttert zu werden.

danke, burton


Matt

Ich fand den Film klasse, da ich sowieso auf Tim Burton filme stehe^^.
Das der Film nicht verrückt genug ist, finde ich nicht so schlimm, ich denke er ist verrückt genug und nicht so schrecklich wie die Zeichentrick version von Disney, die war viel zu verrückt, schon fast wieder schwachsinnig (als ob eine jede Figur zu viel LSD geschluckt hat) und in Carolls Büchern ist es auch nicht so dargestellt, dort liegt die verrücktheit eher in den Gedanken von Alice und der Ausprache der Protagnisten (mal abgesehen davon, das es schon verückt genug sein dürfte, das die Protagnisten zu meist Tiere sind, die sich wie Menschen benehmen).
Man darf auch nicht vergessen, das Carolls Bücher nur indirekt eine Vorlage für den Film boten, Tim Burton hat die Geschichte weitergefürt und nicht einfach nacherzählt, das allein finde ich schon originell genug =).
Den Film hätte ich allerdings auch leiber in 2-D gesehen und nicht in 3-D, den von den 3D effekten habe ich rein gar nichts mitbekommen, außer die Räumlichkeit und das obwohl meine Brille inordnung war und meine Freunde auch meinten sie sehen die Effekte (das etwas auf sie zukommt und bla) aber naja, jedenfalls habe ich den Film jetz in 2_D auf DVD und bin rundum Glücklich damit =)


Sunny

Also ich für meinen Teil fand den Film sehr gut.
Er ist nicht ganz so wie man Alice im Wunderland eigentlich kennt, aber dennoch greifen sie ab und zu an dem ,,normalen" Alice im Wunderland zurück.
Gut es stimmt hier und da sind Szenen wo das Ende vorraus zu sehen ist, aber in welchem Film gibt es sowas nicht?
Johnny Depp ist natürlich wieder hervorragend, aber hat man was anderes erwartet?
Mein Fazit...Der Film ist sehr gut, aber nicht unbedingt ein Film in der Reihe den man UNBEDINGT schauen muss.


greeenday

ich hab den film gesehen und ich muss sagen dass ich ihn richtig gut find obwohl es nur die verfilmung von einem kinderbuch ist und johny depp sieht in dem film echt komisch aus aba trotzdem cool und am ende des films die musik von avril lavigne einfach nu rgeil






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