7 Brüder

Oft misst sich die Qualität eines Dokumentarfilms an dem Charisma der Personen, die zu Wort kommen und an dem Thema, über das sie berichten. Und obwohl zunächst das Thema des Films, einer Familiengeschichte von Talking Heads in einem schlichten Studiosetting geschildert, nichts allzu Spektakuläres vermuten lässt, ist dieser Film einer der unterhaltsamsten und spannendsten deutschen Dokumentarfilme der letzten Jahre.

7 Brüder

Wie wird man zu dem, was man ist? Was ist das, ein Bruder, eine Familie? 7 Brüder erzählt von den individuellen Wahrnehmungen des gemeinsam Erlebten, vom Gleichen und Ungleichen, das aus den familiären Wurzeln hervorgegangen ist. Im Spannungsfeld von Geschichte und Eigensinn, Gemeinsamkeit und Selbstbehauptung zeugen sieben Lebenswege von einer Generation, deren Kindheit zur Stunde Null endete bzw. gerade erst begann. Ihre Biographien entwickeln sich in eigene Richtungen: Kaufmann, Bäcker, Musikprofessor, Schauspieler, Manager und Lehrer. Zugunsten des Überraschungseffekts wird hier nicht verraten, was aus Nummer 7 geworden ist.

7 Brüder

Mit den sieben Brüdern der Familie Hufschmidt, geboren in Mülheim an der Ruhr zwischen 1929 und 1945, wurden an sieben Tagen nacheinander Einzelinterviews geführt. Dabei sitzen die Protagonisten auf einem Stuhl, dunkel gekleidet vor dunklem Hintergrund. Der Fußboden hat ein Schachbrettmuster auf dem die Brüder vom Ältesten bis zum Jüngsten eine klare Position zugewiesen bekommen. So einfach und wirksam das Setting gehalten ist, um so beeindruckender ist, was darin passiert. Die Montage ist unaufdringlich und den durchweg sympathischen Brüdern wird aller Raum gelassen, einfach nur zu erzählen. Dabei sind die Einzelinterviews thematisch sortiert und so gegenüber gestellt, dass sich die Erzählungen der Brüder ergänzen und sie sich aufeinander zu beziehen scheinen. Keine Fotos, keine authentischen Filmaufnahmen untermalen das Gesagte. Alleine die lebhaften und nachdenklichen Schilderungen verweben sich zu einer faszinierenden Familiensaga, in der sich über das Private hinaus auch deutsche Zeitgeschichte erzählt.

7 Brüder

Regisseur Sebastian Winkels gab seinen Protagonisten für diesen Hochschul-Abschlussfilm keine Themen vor und stellte keine Fragen. Allein der freien Erzählung, der unbedrängten Erinnerung der Brüder gilt die Aufmerksamkeit, die sich aus einer Atmosphäre der absoluten Stille entwickelt. Aus den sieben Einzelporträts wird ein Austausch unter Brüdern, in dem sich Gesagtes und Nicht-Gesagtes zum Bild einer großen, gemeinsamen Erzählung verbindet.

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