Horror aus Frankreich, oder: Man sollte keinen gesperrten Kletterparcours betreten.

High Lane (Vertige) und Die Horde eilt ein gewisser Ruf voraus, Richtung „harte Schocker“ der entsprechenden französischen Schule.

High Lane DVD Cover

Der Hinweis „ungekürzte Fassung“ bei High Lane lässt Genrefans entsprechend den Puls höher schnellen. Doch dann der Schock: FSK-Freigabe ab 16. Unter den Hardcore-Fans fast ein Ausschlusskriterium. Für alle anderen vielleicht ein Hinweis, dass es sich nicht nur um ein Werk für die harte Kernzielgruppe in den Videotheken, sondern um einen ambitionierteren Kinofilm handelt.
Tatsächlich kommt High Lane in der ersten halben Stunde im besten Sinne altmodisch und jugendfrei daher. Eine Gruppe junger Erwachsener möchte noch ein letztes kleines Abenteuer miteinander verleben, ehe sie das Leben nach dem Studium auseinanderreißt. Der auserkorene Kletterparcours ist allerdings gesperrt – aus gutem Grund. Die fünf müssen Gefahren und Hindernisse überwinden, in bester Lohn der Angst-Manier. Dann jedoch ist das Kraxeln vorbei, und die Horrorfans kommen auf ihre Kosten.

Die Horde von Yannick Dahen und Benjamin Rocher ist ebenso zweigeteilt. Vorbilder gibt es reichlich, vor allem in den Neunzigern wurde gewildert, von Wes Cravens Haus der Vergessenen (The People Under the Stairs, 1991) über den Tarantino-Rodriguez-Mix From Dusk Till Dawn (1996) bis hin zu Killers (Real Killers, 1996) von Mike Mendez. Alles Konstruktionen, in denen sich die ursprüngliche Gefahr als kleinstes Übel erweist. Ähnlich ergeht es den Polizisten Aurore, Jimenez, Quessem und Tony. Sie wollen ihren Kollegen rächen und stürmen dafür das oberste Stockwerk eines recht skurril isolierten Hochhauses. Doch schon während sie ihre Feinde konfrontieren, zeigt sich, dass noch andere Gefahr im und vor dem Haus lauert.
Auch wenn sich die Regisseure im Making-of von Romero distanzieren, schütten sie ihren Film geradezu voll mit Subtexten, ganz im Stile der frühen Zombie-Filme. Sicherlich ist der Horrorfilm grundsätzlich das allegorischste Genre überhaupt. Und Zombie-Streifen der Romero-Schule geben sich gerne als ganz direkte politische Allegorien.
Die Horde ist nun allerdings ein ganz besonders postmoderner Bastard. Sein Zeichensystem ist überdeterminiert, und am Ende ist es schwer, das hybride Ergebnis irgendwie lesbar zu machen. Geradezu verstopft ist der Stoff mit Anspielungen und Verweisen. „Das erinnert mich an Falludscha“, raunt einer der Protagonisten inmitten des Kampfgetöses, das übrigens insgesamt recht zurückgenommen daherkommt. Dahen und Rocher konzentrieren sich ganz auf ihr aufgeladenes Personal, an dessen symbolträchtiger Spitze eine Schwangere steht. Ansonsten treffen nur Männer aufeinander, die allerdings betont unterschiedlichster Ethnien und Religionen. Neben der Religion ist von Familie die Rede, von Heimat, auch Märtyrer gibt es. Gepaart mit allerlei martialischen Sprüchen. Das ist alles sehr aufgebläht und nicht unbedingt sympathisch, aber vielleicht ist es der einzig adäquate Weg, heute mit dem Genre umzugehen.In der auf der DVD enthaltenen französischen Tonspur wirkt Die Horde um einiges pointierter und subtiler. Neben diesem Standard weist der Silberling aber noch einige Extras auf, von denen eines empfohlen sei: Im Kurzfilm Rivollan wird die Vorgeschichte von La Horde erzählt, gleichzeitig war dies Bewerbungsvideo und Feuertaufe der Regisseure. Interessant ist, die aus dem Hauptfilm bekannten Akteure jetzt in neuen Rollen zu sehen. Vor allem die Schauspielkunst Jo Prestias wird so deutlich.

High Lane (Vertige, Frankreich 2009)
Koch Media
DVD-Verleih ab: 21.05.2010
DVD-Verkauf ab: 25.06.2010

Die Horde (La Horde, Frankreich 2009)
Kinowelt
DVD-Verleih ab: 18.05.2010
DVD-Verkauf ab: 01.07.2010

Kommentare zu „Horror aus Frankreich, oder: Man sollte keinen gesperrten Kletterparcours betreten.“


iudas

Bei La Horde werde ich eher an den Carpenter-Streifen Assault on Precinct 13 erinnert, der auch ein passenderer Vergleich wäre, als People under the stairs.


sk

ja, Bezüge zu Carpenter gibt es auch - wie gesagt, die beiden lassen fast nichts aus.






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