Agathe Riedinger folgt in ihrem Regiedebüt Liane, die eine Reality-TV-Show zur Flucht aus den Verhältnissen nutzen will. Im aufgerauten Look eines Sozialdramas erzählt Wilder Diamant von einer jungen Frau, die zum Phänomen wird und zunehmend die Kontrolle verliert. Filmkritik
Regisseurin Klaudia Reynicke entfaltet ein Familiendrama vor dem Hintergrund des zerrütteten Peru im Sommer ’92. Das politische Chaos als Brandbeschleuniger für private Konflikte wird in Reinas dabei eher behauptet als gezeigt. Filmkritik
Vom beinharten Kartell-Boss zur einfühlsamen Kämpferin für Gerechtigkeit: Die Heldin von Jacques Audiards melodramatischem Gangster-Musical wechselt zwar Milieu, Identität und Geschlecht, muss jedoch feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Filmkritik
Staatsfernsehen oder Instagram? Der inzwischen aus dem Iran geflohene Regisseur Mohammad Rasoulof zeigt, wie die persische Diktatur Generationen spaltet und Familien zerreißt. Die Saat des heiligen Feigenbaums ist ein politisches Familiendrama, das zu einem rasanten Thriller wird. Filmkritik
Twists wie in griechischen Dramen: Schließe mich in deine Arme (1954) ist ein klassisch mexikanischer Rumbera, ein atemloses Melodram, in dem eine Frau ins Unglück gestürzt wird, von dort aber die Flucht nach vorn antritt und zum Filmstar aufsteigt. Filmkritik
Apple TV+: Funkelnd schöne Italien-Fiktionen und mausgraue Londoner Wahrheiten. Alfonso Cuaróns episch-elegante Miniserie um die Geschichte hinter einem rachsüchtigen Enthüllungsroman macht mal wieder deutlich, dass Fantasien aufregender sind als die Realität. Filmkritik
Sterben in Primärfarben: Pedro Almodóvar lotet das Thema Euthanasie aus, nähert sich dabei aber auch der Intimität einer langen Freundschaft. Manche Dimensionen des Todes überschminkt The Room Next Door aber auch. Filmkritik
Dank einer Hypnose kommt Vera in Ernst De Geers Spielfilmdebüt zu sich selbst, und zwar so richtig. Wie ihre anarchische Impulsivität auf das pseudoauthentische Getue eines Workshops für Start-ups prallt, ist unangenehm anzusehen, lustig ebenfalls – und sieht so kalt und kontrollierend wie eine Werbung aus. Filmkritik
Überlebensgroße Gefühle werfen Martha hin und her, manchmal gleichzeitig in beide Richtungen, sodass es sie zerrreißt. Kida Khodr Ramadans Haltlos ist eine kaputte, kleine Ballade mit einer schwebend spielenden Lilith Stangenberg. Filmkritik
Watergate und Reagonomics: Am Beispiel von Donald Trump und seinem Lehrmeister Roy Cohn wird The Apprentice zum Porträt einer Zeitenwende, in der die Welt eines kalten Machtmenschen von etwas noch Perverserem abgelöst wird. Filmkritik
MUBI: Ein Haunted House bereitet sich auf eine Familienfeier vor. Im Abschluss der Tier-Trilogie dreht Ramon Zürcher nochmal richtig auf. Der Spatz im Kamin ist Familienhorrorkino par excellence, lässt aber auch ein wenig wehmütig werden. Filmkritik
Neu auf MUBI: Liebe und Einsamkeit auf drei Zeitebenen, Incel-Videos und die Angst vor dem Ende, das nicht kommt. Bertrand Bonellos The Beast assoziiert frei zu einer Kurzgeschichte von Henry James und lädt zum freien Assoziieren ein. Filmkritik
Filmfest Hamburg 2024: Schatten tanzen wie Teufel über die Bäume, Wind und Kälte bedrohen ein behagliches Familienleben: Tyler Taorminas Christmas Eve in Miller’s Point ist ein Schwellenfilm, in dem die Bilder stets kippen können. Filmkritik
Regisseur Todd Phillips entzieht sich der Sequel-Eskalationslogik: Joker 2: Folie à Deux ist ein sich erwachsen gebendes und ziemlich zähes Gerichtsdrama geworden. Nur wenn Joaquin Phoenix und Lady Gaga singen, ist für einen Moment alles anders. Filmkritik
Im Italien der 1930er Jahre taucht eine junge Schneiderin in eine aufregende Künstlerwelt ein. Der schöne Sommer lässt queeres Begehren aufflammen und seziert schmerzhaft präzise patriarchale Gewalt, bleibt aber frustrierend unentschlossen, wenn es darum geht, dieser etwas entgegenzusetzen. Filmkritik
Emotionale Sackgassen: Treasure erzählt von einer US-Amerikanerin, die mit ihrem Vater – einem Auschwitz-Überlebenden – nach Polen reist. Die deutsche Regisseurin Julia von Heinz will mit ihrem Film die Erinnerung an den Holocaust wachhalten. Mit viel Gefühl. Filmkritik
VoD: Mehr als eine (fast) 18-Jährige aushält. Hazal reißt von Berlin nach Istanbul aus und findet weder hier noch dort Zugehörigkeit. Ellbogen ist ein Coming-of-Age-Film in der postmigrantischen Gesellschaft, aus einer dezidiert migrantischen Perspektive erzählt. Filmkritik
Im Auftakt seiner sympathisch größenwahnsinnigen Western-Tetralogie Horizon widmet sich Kevin Costner einer Nation im Werden. In dem verästelten Epos über die Grenzen der Freiheit und die Herausforderungen menschlichen Zusammenlebens finden sich immer wieder große Momente, aber es hapert beim Format. Filmkritik
Der Umzug von der Innenstadt in die Vorstadt heilt keine Zivilisationskrankheit, sondern führt erst recht in den Wahnsinn. Gakuryū Ishiis Klassiker Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb (1984) ist ein so absurd komisches wie gruseliges Manifest der Entrücktheit – und kommt jetzt zurück in die Kinos. Filmkritik
Locarno Film Festival 2024: In Hong Sang-soos neuestem Film webt eine Künstlerin an Flüssen großformatige Werke, während ihr Onkel an die Uni zurückkehrt, um ein Theaterstück zu inszenieren. By the Stream ist für Hong-Verhältnisse geradezu episch lang geraten – und trägt so dick auf wie die Natur. Filmkritik
Neu auf MUBI: Nehmt Kotztüten mit. In The Substance wagt eine alternde TV-Moderatorin eine experimentelle biomedizinische Verjüngungskur. Coralie Fargeats Film kombiniert deftigen Body Horror mit enormer Kinetik und klaustrophobischen Effekten. Filmkritik