Berlinale 2025 – Wettbewerb: If I Had Legs I’d Kick You macht das Unwohlsein seiner Hauptfigur, einer dauergestressten Mutter, physisch erlebbar. Mary Bronsteins Film hält die Balance zwischen ernsten Themen und Humor, ist aber streckenweise zu mechanisch konzipiert. Filmkritik
Die junge Pia ist umgeben von der Normalität des saturierten Bildungsbürgertums, das – so die These in Florian Pochlatkos How to be Normal – krankhafte Normverletzungen überhaupt erst hervorbringt. Filmkritik
In The Ugly Stepsister entwirft Regie-Debütantin Emilie Blichfeldt eine großartige Body-Horror-Variante von Aschenputtel – und rückt dabei tradierten Schönheitsidealen mit dem Hackebeil zu Leibe. Filmkritik
Mutter-Tochter-Konflikt unter der glühenden Sonne Spaniens, Vicky Krieps in einer Schlüsselrolle und „Queer Coming of Age“ als Tagline. Klingt verführerisch, führt aber leider zu nichts. Stattdessen ähnelt Rebecca Lenkiewiczs Hot Milk einer hölzernen und klischeebeladenen Telenovela. Filmkritik
In ihrem düsteren Märchen Herz aus Eis spielt Regisseurin Lucile Hadžihalilović gekonnt auf der Klaviatur des Unheimlichen. Vor lauter Schönheit wird jedoch auch der Plot manchmal von einer allzu eisigen Starre erfasst. Filmkritik
Drei, vier, fünf Filme stecken in Bong Joon-hos neuem Streich Mickey 17. Dazu ein ziemlich superer Robert Pattinson als Nr. 17 seiner von einer Art Sonnenbank ausgedruckten Inkarnationsreihe. Und süße Aliens mit weise in die Welt blickenden Äuglein: Sonderbar und sympathisch ungelenk, wie eine provisorisch zusammengeleimte Laubsägearbeit, kommt das daher. Filmkritik
Berlinale 2025 – Wettbewerb: In einer unaufgeregten, souveränen, wenn auch ein wenig mechanisch anmutenden Bildsprache erzählt Michel Franco in Dreams von der komplizierten Liebesbeziehung zwischen einem Ballettänzer und Migranten aus Mexiko und einer US-amerikanischen Kulturmäzenin. Filmkritik
Berlinale 2025 – Classics: Eine Waisenhausgeschichte in Moll erzählt die estnische Regisseurin Leida Laius in Lach doch mal (1985). Das Figurenensemble um die 16-jährige Mari ist darin engmaschig in gewaltförmige Verhältnisse verstrickt. Filmkritik
Tom Tykwer macht in Das Licht, was er kann. Und noch einiges mehr. Das Drehbuch hat er vorher offensichtlich niemandem zu lesen gegeben, der oder die ihn hätte stoppen können. Filmkritik
Gelebte Kleinstadtsolidarität in Sepia gegen die matte Traurigkeit der Gegenwart. In Patrizia Fonts Der Lehrer, der uns das Meer versprach über einen freigeistigen Dorfpädagogen während des spanischen Bürgerkriegs sind die Gegensätze etwas arg grob gezeichnet. Filmkritik
Mit Maria vollendet Pablo Larraín nach Jakie und Spencer seine Trilogie über ikonische Frauenfiguren mit Glamour-Faktor. Maria Callas, gespielt vom kongenial gehetzten Superstar Angelina Jolie, bleibt darin ein Rätsel. Nur ihre Stimme ist herzzerreißend. Filmkritik
Ein Film, der ständig vor dem Kollaps steht: Johannes Grenzfurthners Found-Footage-Horror Solvent erzählt, wie die NS-Ideologie auf einem österreichischen Bauernhof wieder an die Oberfläche sickert und gibt sich dabei ganz dem Wahnsinn hin. Filmkritik
Die wahre Geschichte von Nicholas Winton, der jüdische Kinder vor dem Holocaust rettete. One Life besticht mit stilistischem Understatement und Figuren, die den Ball flach halten. Aber am Schluss erwischt es einen doch. Filmkritik
Das Rauschen des Windes, das Rauschen der Drohnen: Mo Harawes erster Langfilm erzählt vom Leben in einer Welt, deren Härten keine greifbaren Urheber haben. Resignativ ist The Village Next to Paradise dabei keineswegs, vielmehr erzählt er von einer Gemeinschaft, die sich im Gegenwind behauptet. Filmkritik
Wenn auch ein safe word nichts mehr retten kann: Nicole Kidman und Harris Dickinson stürzen in Halina Rejns Babygirl in eine wilde SM-Affäre, die von einem beständig hin und her kippenden Machtgefälle befeuert wird. Die Mischung aus Kink und Cleverness ist dabei zugleich mutig und frustrierend. Filmkritik
Dreieinhalb Stunden lang, gegliedert wie eine Oper und konstruiert wie eine Kathedrale: Brady Corbets Der Brutalist ist ein Period Piece, das seine epochalen Fragen nicht nur auf die Architekturgeschichte projiziert, sondern vor allem auch auf Adrien Brodys expressives Gesicht. Filmkritik
Absurder Reigen und theaterpädagogische Übung: Amos Gitai zwängt in Shikun die israelische Gesellschaft in einen Wohnblock inmitten der Negev-Wüste. Essayistische Offenheit und thematische Buzzwords geraten dabei in einen ständigen Konflikt. Filmkritik
MUBI: Charles Dickens trifft David Lynch. Magnus von Horns Film erzählt von einer berüchtigten historischen Serienmörderin, stellt sie aber keineswegs als durchgeknallte Perverse dar. Vielmehr übersetzt sich die Brutalität, die Arbeiter im Kopenhagen des frühen 20. Jahrhunderts tagtäglich erfahren, in den Mord an Kleinstkindern. Filmkritik
VoD: In seinem neuen Polizeiruf lässt Dominik Graf das Münchner Ermittlerduo durch die Welten der Internetpornografie und der Upperclass stolpern. Jenseits des Rechts will ziemlich viel auf einmal, bringt mit seiner Eskalationslust aber auch ein bisschen Kino in den ÖRR. Filmkritik
Finding Love in Hopeless Places: In ihrem fantastischen zweiten Film folgt Payal Kapadia drei Frauen, die in einem Mumbaier Krankenhaus arbeiten, von der Stadt ans Meer. All We Imagine as Light ist ein Film, der Trost spendet, ohne etwas schönzureden. Filmkritik
Wo Urwald war, wird Wohnzimmer: Was wäre, wenn über Jahrzehnte hinweg eine Kamera am gleichen Platz kontinuierlich glasklare Bilder aufgenommen hätte? In Here schleudert Robert Zemeckis sein Publikum durch die Geschichte amerikanischer Häuslichkeit des 20. Jahrhunderts. Filmkritik