Minimalistisch, leicht und leise: Sebastian Fritzschs Der Wald in mir ist eine sorgfältige und berührende, maus- und marderhafte Studie über die Entwicklung eines Studenten zu einem Wahrnehmer von Tieren, Stimmen und Geräuschen. Besondere Highlights: das eigenwillige Schauspiel des Hauptdarstellers und die superbe Tonspur. Filmkritik
Eine von Todesvisionen heimgesuchte Teenagerin, eine geheimnisvolle Kostümparty und ein verwunschener Wald: Meine letzte Nacht mit einem Vampir verbindet Motive aus Schauerromantik und Young-Adult-Literatur. Dabei geht es dem Film vor allem um die sinnliche Wirkmacht seiner Bilder. Filmkritik
In ihrem Spielfilmdebüt − einer Adaption von Lukas Rietzschels Roman "Mit der Faust in die Welt schlagen" – zeigt Regisseurin Constanze Klaue gradlinig und ohne KIischees das Aufwachsen zweier Jungs in einer westernhaften Ost-Landschaft, die zwar Weite suggeriert, doch keine Möglichkeiten bietet. Filmkritik
Geschult an 1980er-Romanzen und den Gangsterepen Martin Scorseses zielt Gilles Lellouches Beating Hearts auf großes Gefühlskino. Auf der Drehbuchebene ist der Film ein wenig holprig geraten – aber letztlich geht es darum, sich, begleitend von Popsongs, ins Flammenmeer einer alles verzehrenden Liebe zu stürzen. Filmkritik
Eine österreichische MMA-Kämpferin bringt in Kurdwin Ayubs Mond drei jungen jordanischen Frauen das Kämpfen bei. In der Brutalität des Kampfsports prallt dabei patriarchale Unterdrückung gegen das Versprechen der Emanzipation. Filmkritik
Gia Coppolas The Last Showgirl singt ein schwebend-trauriges Lied über das in die Jahre gekommene Venue „Le Razzle-Dazzle“ in Las Vegas, dessen Ende Shelley (Pamela Anderson) und Annette (Jamie Lee Curtis) die Herzen bricht. Filmkritik
In seinem ersten Spielfilm seit 12 Jahren erzählt Walter Salles die Zeit der Militärdiktatur in Brasilien als Familiengeschichte. Für immer hier macht das Private zum Ort des Widerstands gegen staatliche Willkür – und bekam dafür den Oscar als Bester Internationaler Film. Filmkritik
In Ido Fluks Köln 75 geht es um Keith Jarretts legendären Jazzauftritt und die junge Konzertveranstalterin Vera Brandes, die ihn gegen alle Widerstände möglich machte. Leider tritt der Jazz aus Gründen in den Hintergrund in diesem zwar mitreißend, aber allzu gängig inszenierten Film. Filmkritik
Im zweiten Teil seiner Banlieue-Trilogie dröselt Regisseur Ladj Ly den Klassenkampf an der Wohnfrage auf und setzt Hoffnung auf die Politisierung seiner jungen Heldin. Im Mittelpunkt von Die Unerwünschten - Les Indésirables stehen ein Gebäude und eine jahrzehntelange systematische Ausgrenzung. Filmkritik
Verbote sind dazu da, überschritten zu werden. In Alain Guiraudies Misericordia gerät ein Heimkehrer in einen Krimiplot, der auch mal ins boulevardkomödienhafte ausschert. Filmkritik
Die Kunst eröffnet in Greg Kwedars Sing Sing Möglichkeiten, die das Leben oftmals nicht bietet. Das Schauspiel kann, hofft dieser Film, einen Ausweg anbieten aus der Welt des Strafvollzugs, in der unmenschliche Bedingungen unmenschliche Handlungen gebären. Filmkritik
Tollpatschig wie eh und je wirft sich die Titelheldin in Bridget Jones 4: Verrückt nach ihm ins Liebeschaos. Doch in den romantischen Überschwang mischen sich diesmal auch dunklere Noten von Trauer, Verlust und der Last des Älterwerdens. Filmkritik
Berlinale 2025 – Perspectives: Die junge Touristin Blandine stürzt sich nach einer Trennung ins Getümmel der Olympischen Spiele in Paris. That Summer in Paris ist eine sommerliche Tragikomödie voller unangestrengt eingefangener Emotionalität. Filmkritik
In Alex Russells Lurker schleust sich ein obsessiver Fan in das Umfeld eines aufstrebenden Popstars ein. Die Geschichte von Freundschaft und Macht ist am stärksten, wenn sie die Motivationen ihrer Figuren behutsam in der Schwebe lässt. Filmkritik
Berlinale 2025 – Wettbewerb: If I Had Legs I’d Kick You macht das Unwohlsein seiner Hauptfigur, einer dauergestressten Mutter, physisch erlebbar. Mary Bronsteins Film hält die Balance zwischen ernsten Themen und Humor, ist aber streckenweise zu mechanisch konzipiert. Filmkritik
Die junge Pia ist umgeben von der Normalität des saturierten Bildungsbürgertums, das – so die These in Florian Pochlatkos How to be Normal – krankhafte Normverletzungen überhaupt erst hervorbringt. Filmkritik
In The Ugly Stepsister entwirft Regie-Debütantin Emilie Blichfeldt eine großartige Body-Horror-Variante von Aschenputtel – und rückt dabei tradierten Schönheitsidealen mit dem Hackebeil zu Leibe. Filmkritik
Mutter-Tochter-Konflikt unter der glühenden Sonne Spaniens, Vicky Krieps in einer Schlüsselrolle und „Queer Coming of Age“ als Tagline. Klingt verführerisch, führt aber leider zu nichts. Stattdessen ähnelt Rebecca Lenkiewiczs Hot Milk einer hölzernen und klischeebeladenen Telenovela. Filmkritik
In ihrem düsteren Märchen Herz aus Eis spielt Regisseurin Lucile Hadžihalilović gekonnt auf der Klaviatur des Unheimlichen. Vor lauter Schönheit wird jedoch auch der Plot manchmal von einer allzu eisigen Starre erfasst. Filmkritik
Drei, vier, fünf Filme stecken in Bong Joon-hos neuem Streich Mickey 17. Dazu ein ziemlich superer Robert Pattinson als Nr. 17 seiner von einer Art Sonnenbank ausgedruckten Inkarnationsreihe. Und süße Aliens mit weise in die Welt blickenden Äuglein: Sonderbar und sympathisch ungelenk, wie eine provisorisch zusammengeleimte Laubsägearbeit, kommt das daher. Filmkritik
Berlinale 2025 – Wettbewerb: In einer unaufgeregten, souveränen, wenn auch ein wenig mechanisch anmutenden Bildsprache erzählt Michel Franco in Dreams von der komplizierten Liebesbeziehung zwischen einem Ballettänzer und Migranten aus Mexiko und einer US-amerikanischen Kulturmäzenin. Filmkritik