Ein Schicksalsschlag lässt in Christian Petzolds Miroirs No. 3 eine Gemeinschaft voller glücklicher Zufälle entstehen, die vielleicht gar keine sind. Das Drama um Verlust und neue Vertrautheit entspinnt sich nicht in emotionalen Ausbrüchen, sondern in kleinen Verschiebungen. Filmkritik
Streaming: Leidenschaft, superbes Schauspiel, exquisite Pracht. Die TV-Serie Versailles ist ein mit Esprit komponiertes, episches Juwel. An jeder Ecke muss man sich hier neu verlieben. Filmkritik
Neu auf Apple TV+: Ein eindrucksvoller Thriller ist Spike Lees Highest 2 Lowest schon auch. Aber noch besser funktioniert das Kurosawa-Remake als Film über einen Mann, der es nur in wohlbekannten Mustern zu leben versteht. Filmkritik
Streaming-Tipp: In seinem halluzinatorischen, lange Zeit als Trash abestempeltem Regiedebüt Glen or Glenda erzählt Edward D. Wood Jr. von einem Transvestiten und seiner heimlichen Vorliebe für Angorapullover – und verarbeitet darin auch seinen eigenen inneren Kampf Filmkritik
Elektrische Feen: Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi folgt in ihrem 1989er Debüt zwei zeitgleich mit der Glühbirne geborenen Zwillingsschwestern durch das entstehende 20. Jahrhundert. Filmkritik
Eine Renterin misstraut sich selbst: In Wenn der Herbst naht verbindet François Ozon angenehm subtil den klassischen Krimi mit einer gefühlvollen Meditation über das Älterwerden. Dabei spielt er gekonnt mit dem Wissen und Empfinden seines Publikums. Filmkritik
Jahrhundert in psychischen Innenräumen: Mascha Schilinskis brillantes Filmgedicht In die Sonne schauen inszeniert auf einem Bauernhof ein Spiegelkabinett der Geister und Echos, das von der Gewalt kündet, die im patriarchalen System steckt. Filmkritik
Das Verblühende und das Kommende. Luchino Visconti verabschiedet sich in seiner Nebelsymphonie Ludwig II. – gemeinsam mit Helmut Berger und Romy Schneider – von der deutschen Romantik. Filmkritik
Ein Zauberer übernachtet in einem abgeschiedenen Hotel und kann es plötzlich nicht mehr verlassen. Willkommen um zu bleiben ist eine surreale Reflexion über Freiheit, Einsamkeit und die Sehnsucht nach einer Welt, in der man keine Entscheidungen mehr treffen muss. Filmkritik
Regisseur Trương Minh Quý verarbeitet in Việt und Nam die Traumata seines Landes als Liebes- und Geistergeschichte. Ein Film voll dunkler Zwischenräume und rauer Intimitäten, durchsetzt mit Momenten subtilen Horrors. Filmkritik
Neu auf Mubi: Mit strengem Formbewusstsein folgt Dea Kulumbegashvili (Beginning) einer Gynäkologin, die in der georgischen Provinz heimlich Abtreibungen durchführt. April verbindet dabei Naturgewalten mit patriarchaler Gewalt, und denkt den Kinobesuch als körperliche Erfahrung mit. Filmkritik
Nowe Horzyzonty Festival: Erleben statt verstehen. Bi Gans Resurrection reist durch Epochen und Genres der Filmgeschichte und entwirft dabei traumwandlerische Bilder, die man nicht immer begreifen muss, um sie zu genießen. Filmkritik
Viktor Jakovleski und Nikias Chryssos verdichten in Rave On ihre Club-Erfahrungen zu einer tragisch-komischen Odyssee – Ecstasy, Ketamin-Koma und Erleuchtung inklusive. Filmkritik
Geheimniskrämerei soll Bedeutung erzeugen in Mike Flanagans Stephen-King-Adaption The Life of Chuck. Tatsächlich jedoch läuft der assoziativ erzählte Film auf ein Lob der simplen, allzu tröstlichen Schönheiten hinaus. Filmkritik
Mubi: Endzeit-Roadmovie mit verwegenen Laiendarstellern. Nach einem vom Militär gestürmten Rave in der marokkanischen Wüste schöpft Oliver Laxes Sirāt sein Sprengpotenzial als abstrahiert-metaphysische Grenzerfahrung voll aus. Filmkritik
Nowe Horyzonty Festival: Das Spektakel des Fleisches in maximaler Größe. Nach Raw und Titane bleibt Julia Ducournau dem Body Horror treu. Alpha vermischt eine globale Pandemie mit dem privaten Leiden an einer Drogensucht. Filmkritik
Heranwachsende Töchter in einer italienischen Bauernfamilie während des 2. Weltkriegs: Vermiglio richtet mit kühler Bildsprache den Blick darauf, wie sich die gesellschaftliche Ordnung und die Notwendigkeit des Weitermachens in Körper einschreiben. Filmkritik
Pinky's Pity-Pit – Der Name ist Programm. Mal tränenreich, mal komisch ist die Knetwelt voller skurriler Figuren, auf deren Leben Adam Elliots Memoiren einer Schnecke vom Garten aus blickt. Filmkritik
Die surrealistische Künstlerin Leonora Carrington wollte nicht Muse, sondern Subjekt des Blicks sein. Leonora im Morgenlicht macht es sich teilweise auf konventionellem Künstler-Biopic-Terrain bequem, entlässt uns aber dann doch versöhnt aus dem Kino. Filmkritik
Aus Duisburger Gullis dringt Dampf, als wären wir in New York. Damian John Harper hat mit Frisch einen deutschen Gangsterfilm gedreht, dem der Balanceakt zwischen Realismus und Stilisierung nicht immer gleich gut gelingt. Filmkritik
Ein alter Hund auf der Rennstrecke: Brad Pitt brilliert in Joseph Kosinskis erstklassigem Rennfahrerspektakel F1 - Der Film mit lässiger Eleganz. Lauter als die Motoren dröhnt hier nur der Hans-Zimmer-Score. Filmkritik