Frei nach dem gleichnamigen Stefan-Zweig-Roman erzählt Ungeduld des Herzens von der Begegnung zwischen einem Soldaten und einer querschnittsgelähmten jungen Frau. Hinter der scheinbar gefühlvollen Liebesgeschichte verbirgt sich die nuanciert ausgestaltete Charakterstudie einer Kontrollsucht. Filmkritik
Die Wunden Christi werden zur Vulva und auch sonst sprießt die Sexualität in Urška Djukićs Little Trouble Girls in alle Richtungen. Ein Coming-out-oder-zumindest-of-Age-Film, der sich, zwischen verführerischen Mitschülerinnen, begehrten Bauarbeitern und Olivenbäumen gelegentlich auch im Kitsch verirrt. Filmkritik
In Minsk sucht die junge Masha nach einer Zukunftsperspektive. Mit einem genauen Blick für die Dinge und Gesten des Alltags erzählt White Snail vom Leben in der Diktatur und der permanenten Spannung zwischen Selbstinszenierung und Selbstauslöschung. Filmkritik
In einer verschneiten, südkoreanischen Küstenstadt trifft eine junge Frau auf einen stoischen französischen Maler. Winter in Sokcho erzählt von unverhoffter menschlicher Nähe, von kleinen Verwandlungen und der Last idealisierter Körperbilder. Filmkritik
Zwischen Sexfilmwelle und Feminismus: Im München der Siebzigerjahre flieht ein junges Mädchen aus dem Erziehungsheim und landet auf dem Strich. Gustav Ehmcks "Die Spalte" ein Film aus der harten Republik, voll rauer Präsenz und unmittelbarer Körper. Filmkritik
Chloé Zhao erkundet in Hamnet die tragischen Hintergründe von Shakespeares „Hamlet“. Dem Schmerz des Verlustes ringt sie teils berückend intime Bilder ab, überschätzt dabei aber die heilende Kraft der Kunst. Filmkritik
Kaouther Ben Hania setzt in Die Stimme von Hind Rajab der Titelfigur, einem 5-jährigen Mädchen, das sich im Gaza-Krieg stundenlang vor Soldaten der israelischen Armee versteckt hielt, ein Denkmal. Der Film ist nicht subtil und will es auch nicht sein. Filmkritik
Nach dem Tod ihres Partners findet eine Sozialarbeiterin in der BDSM-Sexarbeit unerwarteten Halt. Madame Kika erzählt nüchtern und einfühlsam von modernen Arbeitswelten und vom Kampf, der eigenen Trauer Raum zu geben. Filmkritik
Wohin schauen und wie lange? In der New Yorker Vorstadt der 1990er führt ein verdeckter Ermittler, der auf cruisende Schwule angesetzt wird, selbst ein Doppelleben zwischen Zweifel, Angst und unterdrückter Lust. Leider misstraut Plainclothes der Spannung, die schon allein in diesem Zwiespalt liegt. Filmkritik
Nore, die ihre Sexualität hedonistisch auslebt, trifft in einer Kneipe auf eine alte Schulkameradin. Hille Norden erzählt in ihrem Debütfilm Small Town Girl nuanciert, was es bedeutet, sich und seine eigene Vergangenheit akzeptieren zu können. Filmkritik
Ein Franzose steht in Algerien für den Mord an einem Araber vor Gericht – und für die eigene Gefühlskälte. François Ozons Adaption von Der Fremde ist voller atmosphärischer Bilder, die aber nicht immer zur nüchtern-philosophischen Grundhaltung von Albert Camus’ Romanklassiker passen. Filmkritik
Auf dem schmalen Grat zwischen stilisierter Satire und schablonenhafter Komödie nimmt Alison Kuhns Debütfilm Holy Meat die katholische Kirche, das ländliche Dorfleben und die zeitgenössische Kunst ins Visier. Filmkritik
Fatima beobachtet viel und schweigt viel. Hafsia Herzi verfilmt und verdichtet in Die jüngste Tochter gekonnt einen Roman über das lesbische Begehren einer jungen Frau, die in der Banlieu aufgewachsen ist. Filmkritik
Eva Victor macht in ihrem Regiedebüt Sorry, Baby mit ganz wenig ganz viel. Ein wenig irritierend ist die Marketingkampagne rund um den Film, die versucht, sich von gängigen dramaturgischen Mustern im filmischen Umgang mit sexueller Gewalt zu emanzipieren. Filmkritik
Pandora glimmt nur noch vor sich dahin. James Camerons zweite Blockbusterfortsetzung Avatar: Fire and Ash lockt mit feurigen Ambivalenzen, aber wirkt im Ganzen doch nur wie eine Resterampe seiner Vorgänger. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Yves Boissets Kopfjagd – Preis der Angst schlägt eine Brücke von den Paranoia-Erzählungen der 70er zum Blockbuster-Actionkino der 80er. Michel Piccoli hat als schmieriger Showmaster, der eine tödliche Menschenjagd präsentiert, eine seiner denkwürdigsten Rollen. Filmkritik
Neu auf Netflix: Auch im dritten Teil der Knives-Out-Serie um den Meisterdetektiv Benoit Blanc gibt es wieder zahlreiche Leichen und einen ausufernden Cast in Starbesetzung. Dennoch ist Wake Up Dead Man konzentrierter als seine Vorgänger und setzt weniger auf grelle Satire als auf entspannte Ironie. Filmkritik
Akkurate Metaschleifen, die nur sehr gelegentlich Sehgewohnheiten herausfordern. Ulrich Köhler begibt sich mit Gavagai an ein afrikanisches Filmset und damit in ein autobio- wie autofilmografisches Spiegelkabinett. Filmkritik
Frostige Landschaften, migrantische Lebenswelten. Angesiedelt im winterlichen Süddeutschland erzählt das Road Movie Im Rosengarten eine betont menschliche Geschichte um Fragen nach Heimat, Herkunft und Identität. Filmkritik
In einem nächtlich leeren Flughafengebäude begegnen sich gestrandete Reisende verschiedener Gesellschaftsgruppen. Das Drehbuch ist provisorisch, die Inszenierung spontan, die Kamera lebendig-energetisch: Hannelore Elsner erklärte Will Trempers Die endlose Nacht zu ihrem Lieblingsfilm. Filmkritik
14 Films Festival: Alexandre Koberidzes prekär unscharfes, archaisch gestriges Fußball-Roadmovie Dry Leaf schlägt sich wie ein Pyro-Fan auf die Seite der Vernebelung. Und lernt vom trockenen Laub und vergeistigten Superkickern, wie man mit minimaler Kontrolle Tore schießt. Filmkritik