Ein apathischer Tim Roth lässt seine Familie nach einem Trauerfall im Stich, um in der Sonne Mexikos zu verweilen. Auch Michel Francos neuer Film will sich nicht erklären, fordert uns dafür aber umso stärker heraus. Filmkritik
Mauerblümchen Suzu beginnt auf einer Virtual-Reality-Plattform ein neues Leben als schöner Megastar. Dabei geht es Mamoru Hosodas Belle nicht um richtige und falsche Identitäten, sondern um introvertiertes und soziales Leben und wie schön und grauenvoll beides sein kann. Filmkritik
VoD: Im philippinischen Dschungel setzt ein japanischer Guerillakämpfer den Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang im Alleingang fort. Seine verworrenen Welterklärungsversuche zeigt Arthur Hararis Film Onoda als ein Beispiel für Fake-News-Logik. Filmkritik
Neu auf MUBI: Im Spätsommer 2020 haben Miguel Gomes und Maureen Fazandeiro mit drei Schauspielern gegen die Pandemie angedreht. The Tsugua Diaries bekämpft die Monotonie und feiert den Zusammenbruch. Filmkritik
Neu auf DVD: Der Irre vom Zombiehof (aka Die Totenschmecker, 1979) handelt von Bauern, die in einem surrealen Heimat- und Gewaltwahn eine Roma-Familie auslöschen wollen. Seine schäbige Machart spricht nicht gegen den Film, sondern unterstreicht nur die Abscheulichkeit des Geschehens. Filmkritik
Cannes 2022 – Quinzaine des Réalisateurs: Alice Winocour zeichnet angenehm unsubtil das Trauma der Überlebenden eines Terroranschlags nach. Paris Memories handelt von gelingender Heilung und der Unmöglichkeit, weiterzumachen. Filmkritik
Untote Wiederkehrer: Joseph Kosinskis Top Gun: Maverick verwandelt den Kinosaal in das Cockpit eines Kampfjets und macht den militärischen Konflikt zum Stellvertreterkrieg für den Kampf mit der eigenen Vergangenheit. Filmkritik
VoD: Nüchterner Kapitalismus und mafiöses Copacabana. Ein aufstrebender US-Journalist ermittelt im Vergnügungsviertel Kabukicho zwischen Yakuza und korrupten Cops. Michael Mann baut in der Pilotfolge von Tokyo Vice eine Welt, der sich seine Regie-Nachfolger nicht mehr entziehen können. Filmkritik
Netflix: Die besten Teeniekomödien handeln genauso von ihren Figuren wie von den Menschen, die sie schauen. Metal Lords wirft einen nuancierten Blick auf drei Highschool-Außenseiter, die auf eigene Faust eine Subkultur ergründen. Filmkritik
VoD: Immer eine Hand am Wagen. Bastian Günther widmet sich in seinem neuen Film einer eigentümlichen texanischen Ausdauerchallenge. One of These Days sprüht vor Fiktionslust, offenbart aber auch einen sehr deutschen Blick auf Texas. Filmkritik
VoD: Einmal mehr begeben sich Kinder auf Schatzsuche. Statt einem reinen Abenteuer erwartet uns im iranischen Film Sun Children aber auch ein Schuldrama, das die Frage aufwirft, was der tatsächliche Schatz ist. Filmkritik
Ein Baustellengeräusch wird für Tilda Swinton zum Ruf der Natur. Memoria lässt sich als klassische Sinnsuche verstehen, und doch beantwortet in Apichatpong Weerasethakuls Achtsamkeitskino keine Einstellung die Fragen der vorangegangenen. Filmkritik
Donnie Darko in Thüringen. Arboretum zeigt eine abgefuckte Dorfjugend im Sommer vor 9/11 wie in einer Milieustudie mit fantastischer Ebene. Filmkritik
Politisches Porträt eines Porno-Posers: Auch in Red Rocket bewegt sich Regisseur Sean Baker jenseits der langweiligen Debatten über die ach so gespaltenen Staaten von Amerika. Und versucht sich an einer Teufelsaustreibung. Filmkritik
Netflix: Ein Spaziergang durch einen 60er-Jahre-Erinnerungspark, moderiert von Jack Black. Doch Richard Linklaters Animationsfilm ist trickreich und ambivalent genug, um nicht zum Nostalgieprogramm zu werden. Filmkritik
Ein dunkler Spalt unterm Bett gebiert Ungeheuer. Der norwegische Horrorfilm The Innocents taucht in die Erfahrungswelt von Kindern in einer Hochhaussiedlung ein und findet das Schauerliche auf den kleinsten, taktilsten Ebenen. Filmkritik
Niemand inszeniert den Abendhimmel so schön und gruselig wie Peter Brunner. Das düstere religiöse Schauermärchen Luzifer betört mit Landschaftsaufnahmen rund um eine einsame Alm. Filmkritik
Das Blut des Tabus. In ihrer Verfilmung eines Buchs von Annie Ernoux erzählt Audrey Diwan von einer jungen Frau, die abtreiben will, aber nicht darf. Das Ereignis ist ein einziger Wettlauf gegen die Zeit und zugleich von einer schrecklichen Einsamkeit durchzogen. Filmkritik
VoD: Mit dem Zug von Moskau nach Murmansk. Bei Lauras Trip durchs karge Russland der späten Jelzin-Jahre bleibt die Vergangenheit auf der Strecke, dafür weckt Juho Kuosmanens Abteil Nr. 6 Hoffnung auf ein Ende des Winters. Filmkritik
VoD: Ein Gefangener, der nach einer Heldentat auf eine Begnadigung hofft, kann seiner kleinen Notlüge nur noch beim Eskalieren zusehen. In Asghar Farhadis A Hero geht es wieder um das Wahre, das Richtige und das Gute. Filmkritik
Neu auf Netflix: Feuer und Wasser, Gut und Böse, ein teddybäriger und ein scharfkantiger Hauptdarsteller. In RRR ist das eine Mischung wie TNT. S.S. Rajamouli zeigt einmal mehr, dass er eine Bank ist, wenn es um aberwitziges, kreatives Kino geht. Filmkritik