In Matthias Glasners multiperspektivischem Familienepos ringt jede Figur auf ihre Weise damit, Schmerz in Sinn zu verwandeln. Der ausgestellte Intellektualismus des Films wird dabei immer wieder von absurdem Humor und exzessivem Chaos durchbrochen. Filmkritik
Eskalierende Konfrontationen und Kissenschlachten. Die Schule ist im neuen Film von Schauspielerin Hafsia Herzi ein Ort, an dem man mit der eigenen Identität ringt, aber auch ein hierarchischer Hofstaat mit Machtkämpfen. Filmkritik
Nach vorne preschender Coming-of-Age-Film und nachdenkliches Familiendrama: Catherine Corsinis Film über die Reise einer Frau und ihrer beiden Teenagertöchter wird umso besser, je mehr sich beides in die Quere kommt. Filmkritik
Michelle Williams bastelt so geduldig an ihren Skulpturen wie Kelly Reichardt an ihrem Film über Kunst als niemals endenden Prozess inmitten der Verunsicherungen des Lebens. Showing Up ist sanftes Kino, das sich großzügig um seine Figuren kümmert. Filmkritik
Neu auf Amzaon Prime: Hindernissen ausweichen, Kollateralschäden vermeiden. Michael Manns Ferrari ist ein Action-Melodram über einen, der die Technik beherrscht, von Gefühlen aber überfordert ist. Filmkritik
Die subversive Kraft der Zärtlichkeit: In seinem Debütfilm schenkt der Belgier Zeno Graton zwei Häftlingen dort Freiheit, wo sie ihnen genommen wurde. Le paradis lenkt die unbändige Kraft dieser Jungen in etwas Stolzes und Schönes um. Filmkritik
Neu auf MUBI: Existenzialistischer Krimi oder verschrobener Spaß? Shujun Weis Film um eine Mordserie und einen obsessiven Cop besteht aus den Zutaten eines klassischen Noir-Thrillers, entwickelt sich aber zunehmend zum surrealen Albtraum. Filmkritik
VoD: In ihrem Film über eine ambulante Palliativpflegerin buchstabiert sich Regisseurin Eva Trobisch formal noch immer sehr frei durch die Berliner Schule - und hat den Hang zum gleichen Musikgeschmack. Filmkritik
Berlinale 2024 – Generation: Zwei Jugendliche brechen nach Sizilien auf und suchen das unbeschwerte Leben. Carlo Sironis My Summer with Irène ist ein Sommerfilm, der von Beginn an unter einem Schatten steht. Filmkritik
Margherita Vicarios Film über eine katholische Musikschule für Waisenmädchen 1800 in Venedig ist nicht vom Bild, sondern von der Musik aus gedacht. Trotzdem bleibt Gloria! in einem filmischen Sicherheitsnetz hängen. Filmkritik
Neue globale Verflechtungen, geerdet in der Sinnlichkeit des Tees. Abderrahmane Sissako stellt der ökonomischen Globalisierung eine libidinöse zur Seite. Filmkritik
Die Büroangestellte Misa und ihren Schreibtischnachbarn eint das Gefühl, in einer aufs Funktionieren fixierten Gesellschaft nichts wert zu sein. All the Long Nights erzählt die simple Geschichte ihrer Annäherung voller Sanftmut und urteilsfreier Neugier. Filmkritik
Eine Rentnerin sucht nach Nähe, Liebe und Sex – im Iran. Ein kleines Stück vom Kuchen ist eine Romantic Comedy, bei der einem immer wieder das Lachen im Halse steckenbleibt. Filmkritik
Berlinale 2024 – Forum: Roman Bondarchuk begann seinen Film um einen Biologen in einer unseriösen Zeitungsredaktion vor der russischen Invasion in Cherson, stellte ihn nach Besetzung und Befreiung der Stadt fertig. The Editorial Office zeigt in skurrilen Episoden eine Gesellschaft, an der man verzweifeln möchte. Filmkritik
Berlinale 2024 – Forum: Die Künstlerin, Choreographin und Romanautorin Keren Cytter hat einen Langspielfilm gedreht, mit Drohnen, Influencer und Crack. The Wrong Movie dekonstruiert spielerisch die Genres und erforscht mal wieder den Einfluss sozialer Medien auf menschliche Beziehungen und Gefühle. Filmkritik
Berlinale 2024 – Panorama: In Real- und Animationsszenen erzählt Jérémy Clapin von einer jungen Frau mit Bruderkomplex, der eine Stimme aus dem All mit ziemlich dreisten Forderungen in den Ohren liegt. Das setzt nicht nur ihr körperlich zu. Filmkritik
Alonso Ruizpalacios serviert einen ambitionierten Film über eine berühmte Restaurantküche in New York – die bietet eine allzu perfekte Metapher für US-amerikanische Einwanderungspolitik. Filmkritik
In seinem Regiedebüt spielt Dennis Moschitto einen Arzt, der nach Entzug seiner Approbation in der Kölner Unterwelt arbeitet. Trotz des Titels sind nicht die blutigen Szenen das Krasse am Thriller Schock, sondern die Atmosphäre einer anhaltenden Niederlage. Filmkritik
Tina Satters Film über die Whistleblowerin Reality Winner ist kein Biopic, sondern audiovisuelle Aufbereitung ihrer Entlarvung durch das FBI. Die Bilder knirschen dabei gewaltig – bis Reality schließlich komplett mit seiner „Objektivität“ bricht. Filmkritik
Neu auf MUBI: Mit viel stilistischem Eigensinn, teils brutal eindrücklichen Szenen und einem einzigartigem Setting in rauer Natur erzählt der Neo-Western Colonos von der Grausamkeit, mit der der Süden Lateinamerikas kolonialisiert wurde. Filmkritik
Neu auf Disney+: Unmöglich zu sagen, ob die zarte Liebesgeschichte zwischen Adam und Harry eine Chance hat. Vor allem weil Adam zeitgleich beginnt, seine verstorbenen Eltern zu besuchen und sie aufzuklären darüber, was es heißt, heute schwul zu sein. Filmkritik