Der Knef beim Denken und unaufgeregten, klugen Sprechen zuschauen: Schon dafür lohnt sich Luzia Schmids Doku Ich will alles. Hildegard Knef, die, auch wenn zuweilen irritierend, die nonchalante Künstlerin faszinierend porträtiert. Filmkritik
Gelebte Kleinstadtsolidarität in Sepia gegen die matte Traurigkeit der Gegenwart. In Patrizia Fonts Der Lehrer, der uns das Meer versprach über einen freigeistigen Dorfpädagogen während des spanischen Bürgerkriegs sind die Gegensätze etwas arg grob gezeichnet. Filmkritik
Mit Maria vollendet Pablo Larraín nach Jakie und Spencer seine Trilogie über ikonische Frauenfiguren mit Glamour-Faktor. Maria Callas, gespielt vom kongenial gehetzten Superstar Angelina Jolie, bleibt darin ein Rätsel. Nur ihre Stimme ist herzzerreißend. Filmkritik
Die wahre Geschichte von Nicholas Winton, der jüdische Kinder vor dem Holocaust rettete. One Life besticht mit stilistischem Understatement und Figuren, die den Ball flach halten. Aber am Schluss erwischt es einen doch. Filmkritik
Eine große Pop-Oper schaut zwar anders aus, dafür aber dominiert der Spieltrieb in Morgan Nevilles aus animierten Legosteinen gebauten Pharrell-Williams-Biopic Piece by Piece ziemlich famos. Filmkritik
Watergate und Reagonomics: Am Beispiel von Donald Trump und seinem Lehrmeister Roy Cohn wird The Apprentice zum Porträt einer Zeitenwende, in der die Welt eines kalten Machtmenschen von etwas noch Perverserem abgelöst wird. Filmkritik
Halb als persönliche Erinnerung, halb als pädagogische Handreichung widmet sich Martin Scorsese den bis ins Abgründige schillernden Filmen von Michael Powell und Emeric Pressburger. Made in England feiert ein Kino, das sich selbst genug liebt, um sich auszustellen. Filmkritik
Neu bei Mubi: Selbstfindung eines Napoleons. Kevin Macdonald porträtiert den Modedesigner John Galliano und lässt dabei auch den Pariser Eklat um seine rassistischen und antisemitischen Ausfälle nicht außen vor. Filmkritik
Neu auf Amzaon Prime: Hindernissen ausweichen, Kollateralschäden vermeiden. Michael Manns Ferrari ist ein Action-Melodram über einen, der die Technik beherrscht, von Gefühlen aber überfordert ist. Filmkritik
Männer, die auf Baustellen starren. Aslı Özge zeigt ihren Vater als Gentrifizierungsbetroffenen in Istanbul und stellt dabei verschiedene Formen des Kontrollverlusts gegenüber. Filmkritik
Im Dokumentarfilm Joan Baez: I Am a Noise über die berühmte US-Sängerin wird nicht nur in Rock-’n’-Roll-Nostalgie geschwelgt. Die Künstlerin ringt vor der Kamera mit falschen Wahrheiten und alten Dämonen. Filmkritik
Apple TV+: In Ridley Scotts Biopic ist Napoleon auf dem Schlachtfeld ein windiger Hanswurst, im Bett jedoch weniger begabt. Sein Film ist gut gelaunte Majestätsbeleidigung – und giftiges Melodram über zwei Menschen, die keinen Ausdruck für ihre Zuneigung finden. Filmkritik
Machtspiel vor prunkvollen Kulissen: In ihrem Biopic konzentriert sich Margarethe von Trotta ganz auf Ingeborg Bachmanns Beziehung zu Max Frisch und die Verarbeitung ihres Scheiterns bei einer Reise in die Wüste. Und macht es sich dabei ziemlich einfach. Filmkritik
Oppenheimer, der Titan: Man mag Christopher Nolan die Überambition vorwerfen, mit der er seinem Helden Göttlichkeit aufbürdet. Doch dass wir uns wohl oder übel auf seine Seite stellen, liegt weniger in der Biopic-Dramaturgie begründet als in Nolans Ethos. Filmkritik
In Ben Afflecks Film über den ikonischen Basketballschuh spielt Matt Damon einen Apostel mit Plauze, der in Michael Jordan seinen Messias findet. In der religiösen Erweckungsgeschichte zwischen MTV und Adam Smith schwingt dabei stets eine ironische Note mit. Filmkritik
VoD: Sissi als Feminist Icon in der Midlife Crisis. Marie Kreutzer lockert die Schnüre von Kaiserin Elisabeths Korsett und spinnt damit Geschichte neu zusammen. Corsage ist Dekonstruktion, aber zugleich eine ernstgemeinte Liebeserklärung. Filmkritik
Netflix: Prostituierte, Zuhälterin, Drogenbaronin, Sexarbeit-Aktivistin – Sanjay Leela Bhansali macht aus dem Leben der mythischen Figur Gangubai Kathiawadi einen wilden Genre-Mix aus Gangsterepos, Musical und Italo-Western voller Pointen und Pathos. Filmkritik
Eine Kamera mehr auf Nawalny: Daniel Roher rekonstruiert die Geschichte des russischen Oppositionellen und seiner mutmaßlich staatlich verordneten Vergiftung. Neues fördert er dabei nicht zutage, aber spannend bleibt es allemal. Filmkritik
VoD: Der goldene Käfig ist zum Kotzen. Pablo Larraíns Spencer macht aus der Weihnachtsfeier der britischen Monarchie rund um Prinzessin Diana ein Paranoia-Kammerspiel. Filmkritik
Benedatta hat Körperkontakt mit Jesus und saugt an der Brust einer Marienstatue. Paul Verhoevens Schlüssellochblick hinter Klostermauern des 17. Jahrhunderts schielt auf ein Arthouse-Publikum, lässt sich aber das Bürgerschreckhafte nicht nehmen. Filmkritik
Albrecht Schuch gibt den Schriftsteller Thomas Brasch als hibbeligen Querulanten zwischen DDR und BRD. Dem Biopic Lieber Thomas geht es dabei mehr um das Subjekt als um die Welt, in die es eingenlassen ist. Filmkritik