Kes
Nach einigen BBC-Produktionen und dem Debüt Poor Cow (1967) war es Kes (1969), der Ken Loach schlagartig auf der internationalen Filmbühne bekannt machte.

Mit seinem kontrollierten Naturalismus brachte Loach frischen Wind in den britischen Sozialrealismus, obwohl sich Kes auf den ersten Blick nahtlos in diese Tradition einreiht. Auch hier befinden wir uns in einem englischen Industrieort, Barnsley in Yorkshire, in dem die Perspektiven für junge Menschen nicht gerade mannigfaltig sind: Der Schuljunge Billy (David Bradley) richtet sich jetzt schon vehement gegen die vorbestimmte Zukunft als Bergarbeiter, was seinen Außenseiterstatus nur verstärkt. Billys Familie, sämtliche soziale Netze und Institutionen versagen, greifen nicht. Bleibt die Realitätsflucht, und so verbringt Billy die meiste Zeit mit einem Falken namens Kes, den er in freier Wildbahn selbst abrichtet.
Dank Loachs zurückhaltender Regie verkommt Kes nie zu einer sentimentalen Geschichte über Sinngebung – zumal es bei ihm oft auch um den sich anschließenden Entzug dieser geht. Loachs Figuren, entliehen der Romanvorlage von Barry Hines, entziehen sich leichten Kategorisierungen, um ihre Wertung geht es in der Milieustudie schon gar nicht. Und als Porträt eines eigenwilligen Heranwachsenden muss Kes den Vergleich mit einem so stilbildenden Werk wie Sie küssten und sie schlugen ihn (Les quatre cents coups, 1959) nicht scheuen. (kst)
Foto: © ARD Degeto
Sendetermine
Nacht von So auf Mo, 19.10-20.10.2008, 02:25 Uhr, ARD
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
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