Edward II
Standesdünkel und Stonewall: Edward II (1991) ist Derek Jarmans kongeniale Adaption des elisabethanischen Bühnendramas von Christopher Marlowe.

Zweifelsohne ist der Stoff um Leben und Sterben von König Edward II., der sich aufgrund seiner Sexualität und der Begünstigung seiner Liebhaber den Zorn der eigenen Gefolgschaft zuzog, wie für Jarman gemacht. Die Handlung verortet er in kahlen, artifiziellen Räumlichkeiten, die durch visuelle Zitate, Kostüme und Props das England des Sechzehnten und Zwanzigsten Jahrhunderts zugleich evozieren. Edward II ist eine wütende, am Ende trauervoll ruhige Anklage an die repressive und klassenbewusste britische Gesellschaft, ob an eine schon lang vergangene oder eine zur Entstehungszeit des Films noch aktuelle – das Großbritannien der Thatcher-Jahre. (kst)
Seite druckenFoto: © Arte F / ARD/Degeto
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Kommentare zu „Edward II“
Peter Grasl
Sehr gute Informationen über die filmischen Arbeiten habe ich in der Monographie von Martin Frey gefunden, die 2008 erschienen ist. Martin Frey untersucht die von Jarman erprobten Aufnahmetechniken und dessen Arbeitsweise. Ausführlich besprochen werden zahlreiche Super-8-Filme sowie die Filme The Last of England, In the Shadow of the Sun und The Angelic Conversation. Einflüsse aus Malerei und Literatur, wie von Allen Ginsberg, Robert Rauschenberg, David Hockney und Yves Klein werden analysiert.
Martin Frey:
Derek Jarman - Bewegte Bilder eines Malers.
Home Movies, Super-8-Filme und andere kleine Gesten
Mehr Infos unter:
www.derekjarman-filmbuch.info
Martin Z.
Das Drama um den schwulen englischen König nach Vorlage von Marlowe hat Derek Jarman in eine zeitlose Tragödie um Liebe und Macht, Zuneigung und Sexualität und Treue und Verrat verarbeitet. In einer kahlen, monumentalen Ausstattung arbeitet er mit starken Verfremdungseffekten aus der Jetzt-Zeit: es wird geraucht und man ist modisch gekleidet. Es gibt kleine Spielroboter und Erschießungskommandos, Schwulendemos und echte Fotos. Der angenehme Höhepunkt dieser V-Effekte ist der Song von Annie Lennox und das Überraschendste der Weihnachtsbaum von Rocher. Daneben gibt es groteske Ballettszenen, in denen man ein Streichquartett sieht, aber eine Hammondorgel hört. Die abgewiesene Ehefrau (wunderschön Tilda Swinton) schmiedet eine Dreieropposition. Mit dem Heerführer teilt sie Thron und Bett - vorübergehend und den Bruder des Königs beseitigt sie mit einem Vampirbiss. Den wahren Tod dieses Königs deutet Jarman nur im Traum an. Es ist dies die härteste Bestrafung für einen Homosexuellen und sie hinterlässt äußerlich keine Spuren. Von Marlowe bleiben eigentlich nur noch einige Dialoge. Zeitlos genial, Arthouse total.