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Harry Potter und der Halbblutprinz

Dumbledore rät Harry Potter, sich zu rasieren: Die Filme der Fantasy-Reihe und ihre Protagonisten werden erwachsen. Hormonelle Schwankungen inklusive.

Harry Potter und der Halbblutprinzzoomicon

Harry (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) sind für weitere gut zweieinhalb Stunden Kino-Erlebnis vereint: Die sechste Harry Potter-Verfilmung rückt Lord Voldemort und seine dunkle Vergangenheit in den Mittelpunkt. Die Bilder sind düster, die Kamera entfesselt. Die Musik ist perfekt, aber ermüdend gleichförmig orchestriert, die Zaubersprüche (fast) immer wirkungsvoll und die Flüche tödlich – Letzteres zumindest in einem Fall. So viel zu den hard facts. Doch wo bleibt der Thrill, der angesichts des überbordenden production value auch dem Nicht-Fan das Verlangen gibt, auf die beiden Verfilmungen des siebten Buchs zu warten? Oft sucht man diesen Thrill in der zweiten Regiearbeit von David Yates für die Harry Potter-Reihe vergeblich.

Für die zahllosen Charaktere der Harry Potter-Welt werden ganze Enzyklopädien gebraucht, um sie zu beschreiben. Spätestens seit Märchen literaturwissenschaftlich analysiert werden, ist klar, dass diese Figuren bestimmte Aufgaben oder Funktionen haben, die sich in Variationen immer und immer wiederholen: der (falsche) Held und sein Gegenspieler, Opfer, Helfer und Verräter. Grob lässt sich das auch auf die Harry Potter-Filme übertragen: Trotz hunderter Filmminuten bleiben nicht so viele interessante Charaktere übrig, die über dieses Schema hinausgehen.

Harry Potter und der Halbblutprinzzoomicon

Einer davon ist Severus Snape (Alan Rickman), bis zum fünften Teil der Erzählung Lehrer für Zaubertränke, der den Schülern in Hogwarts nun die Verteidigung gegen die dunklen Künste vermittelt. Das scheint er zu können, ist er doch selbst eine Figur, deren Sympathie sich zwischen Harry Potter und seinem Gegenspieler Lord Voldemort aufteilt. Gut und Böse werden hier nicht nur kontrastiert oder künstlich in einer Person zusammengeführt, sondern immer wieder gegeneinander ausgespielt. Vielleicht ist Snape eine der wenigen Figuren, deren literarische Komplexität in die filmische Adaption gerettet wurde. Manch andere Figur ist nach fünf Filmen zwar noch Teil des langen Entwicklungsroman-Karussells, in Harry Potter und der Halbblutprinz (Harry Potter and the Half-Blood-Prince) aber leider nur noch eine blutleere Kopie ihrer selbst. Oft mangelt es an inszenatorischem Witz und Einfall: Wenn Ron unter einem Liebeszauber leidet, wird die Figur fast ironiefrei der Lächerlichkeit preisgegeben – und darf sich zwar über die eigene Dummheit ärgern, aber kaum über sich lachen.

Harry Potter und der Halbblutprinzzoomicon

Auch fehlt es dem sechsten Teil an Detailversessenheit, die die Vorlage von Joanne K. Rowling im Überfluss liefert – und die in früheren Verfilmungen ihren Platz fand. Alfonso Cuarón interessierte sich in Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Harry Potter and the Prisoner of Azkaban, 2004) auch für die magischen Wesen wie den Hippogreif und setzte die Musik mit eher selten zu hörenden Instrumenten differenziert ein. Auch der vierte Teil von Mike Newell legte Wert auf die Illustration des Fantastischen und Übersinnlichen und nahm sich Zeit, um mit der Kamera halsbrecherisch den fliegenden Drachen zu begleiten, gegen den Harry während des Triwizard-Wettbewerbs in Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire, 2005) kämpfte. Überhaupt ist den Filmen ein wenig der Spaß am visuellen Erzählen abhanden gekommen. Die Szene, in der Professor Horace Slughorn in die Zaubererschule Hogwarts zurückgeholt wird und er sich aus einem gestreiften Polstersessel in seine gleichfalls gut gepolsterte menschliche Gestalt verwandelt, lässt daran erinnern. Vieles andere bedient sich jedoch in simplem copy-and-paste-Schema der vorangegangenen Teile und ist damit weder neu noch besonders fesselnd.

Harry Potter und der Halbblutprinzzoomicon

Das immer wiederkehrende Quidditch-Spiel ist ein Beispiel dafür, wie ein ursprünglich dramaturgisch wichtiges Element schlicht abgepaust wird: Diente es in den ersten Filmen dazu, das Verhältnis zwischen den Hogwarts-Häusern Gryffindor und Slytherin zu beschreiben, die Feindschaft zwischen Harry Potter und Draco Malfoy (Tom Felton) zu illustrieren oder auch anderen Charakteren Facetten hinzuzufügen, ist es jetzt nicht mehr als die eine überamerikanisierte Variante seiner selbst, um dem Wallen der weiblichen Hormone eine Grundlage zu geben, sich nach gewonnenem Spiel dem ebenfalls hormonell überquellenden siegreichen Quarterback – pardon: Hüter – an den Hals zu werfen. Und nein, die Opfer der Hormone sind nicht Hermine und Ron, noch nicht.

Die Harry Potter-Welt ist eine geworden, in der Harry Potter zwar noch alles gelingt, illustriert mit solidem filmischem Handwerk, dafür mit immer weniger Esprit seitens des Drehbuchs und der Regie. Ein wenig verschenkt Harry Potter und der Halbblutprinz die Chance, das coming of age der Protagonisten zu begleiten – die Verliebtheits-Plänkeleien sind weder eine ernst zu nehmende Frage noch ein Problem, sondern nur ein Spiel. Dafür ist jedoch keine Zeit, dramaturgisch wollen die Abschluss-Doppelepisode und der Abschlusskampf vorbereitet werden, denn auch Daniel Radcliffe wird nicht jünger.

Kritik von Andreas B. Krüger

Fotos: © Warner Bros.

Veröffentlicht am 12.07.2009



Film-Angaben:

Titel: Harry Potter und der Halbblutprinz (Harry Potter and the Half-Blood Prince)
Alternativer Titel: Harry Potter 6; HP 6; HP and the HBP (Informelle Titel)
USA, Großbritannien 2008
Laufzeit: 153 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: David Yates
Drehbuch: Steve Kloves
Basierend auf Harry Potter und der Halbblutprinz (Harry Potter and the Half-Blood Prince) von: Joanne K. Rowling
Produktion: David Heyman, David Barron
Darsteller: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, Helena Bonham Carter, Robbie Coltrane, Warwick Davis, Michael Gambon
Kamera: Bruno Delbonnel
Musik: Nicholas Hooper
Schnitt: Mark Day

Kinostart: 16.07.2009

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Kommentare

 

der Schwarze Lord aus berlin

Mittwoch, 24-02-10 22:33

Hier Grüßt der schwarze Lord Harry Potter ich werde dich kriegen und umbringen.Meine leute warten auf dich.Wenn wir dich kriegen bringen wir dich um und rasieren dein Bart.Ich bin entäuscht vom Film Harry potter.

Paul

Samstag, 06-02-10 22:27

in den filmen wird immer eine ganz andere stimmung erzeugt als im buch... der ganze film wirkt wie ein trailer mit kurzen dialogausschnitten. zum glück habe ich kein geld dafür ausgegeben den film zu sehn! ich glaub nicht, dass jemand der das buch nicht gelesen hat den film verstehen kann...die harry potter filme sind eine beleidigung für die bücher und ich verstehe nicht warum j. rowling sich mehr ...

Lena

Sonntag, 03-01-10 20:21

Ich habe mir den Film zum Glück auch nicht im Kino angesehen! Welch eine gute Entscheidung. Grundsätzlich und insgesamt ist der Film einfach schlecht. Das muss man einfach mal sagen. Natürlich kann der Film nicht komplett dem Buch entsprechen, aber mal ehrlich Dumbledores Auftreten wurde jawohl total beschmutzt. Dumbledore würde doch nie sagen, dass Harry sich rasieren sollte, oder? Oder fragen mehr ...

switch

Sonntag, 13-12-09 00:12

achja und auch wenns euch nicht gefällt aber der David Y. war dem Buch bis jetz am treusten das müsst ihr zugeben

switch

Sonntag, 13-12-09 00:02

Ich weis garnich was ihr hab klar isses schade das der film anders is als erwartet ....... aber trotzdem fand ich ihn toll ! ich find die bücher zwar auch bessere aber wenn mann jedes wichtige detailrein machen würde dann würde der Film 4 stunden gehen..... ich fands z.B. auch schade das im 4. HP harry das kraut fürs atmen unter wasser von neville bekommen hat und nich von dobby aber trotzdem mehr ...

Cuplepott

Dienstag, 24-11-09 20:50

Gut das ich es nicht geschafft habe, ins Kino zu gehen. Das Geld hätte mir wirklich leid getan. Habe den Film gestern auf DVD gesehen und bin sooo entäuscht. Was für eine Farce. Die wichtigsten Sachen, die einfach wichtig für die Aufklärung der kompletten Geschichte sind, fehlen einfach. Auch die Turmszene steht ander geschrieben. So war Dumbledore doch schon arg angeschlagen, im Film kam das mehr ...

Harry-Potter-Fan

Dienstag, 17-11-09 10:48

David Yates ist einfach ein schlechter Regisseur. Der verstümmelt alle Harry Potter Filme! Fand die ersten 4 richtig gut. 5. ging noch und der 6. war schon echt enttäuschend. Find das ne Katastrophe, dass dieser Nichtskönner nun auch noch den letzten Film verfilmen darf.

luke

Sonntag, 11-10-09 12:45

o mann was für ein Film,der schlechteste den ich je gehsehen habe!! [..]

lucvhvbh

Sonntag, 11-10-09 12:39

Ich schwärme von ihm [..]

Das ist blöd!

Montag, 07-09-09 09:50

Also irgendwie hat mir das buch ja schon gut gefallen sogar sehr gut und dann kommt dieser Film...In mir kommt Enttäuschung und Angst vor dem nächsten Film auf! Soll der nächste Film auch so werden wie dieser?Wenn ja dann werde ich NIEWIEDER ein Buch lesen oder den Film anschauen! Also wenn ihr diesen Film als Harry Potter Fan mögt dann weiss ich nicht mehr was ich noch glauen soll

 

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