Thor

In der vierten Eigenproduktion lässt es Marvel wieder ordentlich am Computer krachen.

Thor 09

Nach Der unglaubliche Hulk (The Incredible Hulk, 2008), Iron Man (2008) und Iron Man 2 (2010) bringen die Marvel Studios mit Thor den dritten Helden des hauseigenen Comic-Universums auf die große Leinwand. Die Handlung orientiert sich dabei größtenteils an der klassischen Vorlage und an den neueren „Marvel-Ultimate“-Comics. Thor (Chris Hemsworth), ein mächtiger und kriegerischer Gott, will sich an den Frostgiganten rächen, die in Asgard, das Himmelsreich seines Vaters Odin (Anthony Hopkins), eingedrungen sind, um eine geheimnisvolle Energiequelle zu stehlen. Als er mit verbündeten Göttern und seinem Bruder Loki (Tom Hiddleston) über die Himmelsbrücke Bifröst in das Eisreich Jotunheim einfällt, bricht er den langjährigen Frieden mit den Frostgiganten. Zur Strafe für Thors eigenmächtiges Handeln werden ihm von Odin seine Kräfte genommen, und er wird nach Midgard, der Erde, verbannt. Dort finden ihn die Astrophysikerin Jane Foster (Natalie Portman) und ihre Kollegen. Gemeinsam versuchen sie Thor dabei zu helfen, seinen Hammer Mjölnir und somit seine Kräfte wiederzuerlangen. Dabei werden sie von den Agenten der S.H.I.E.L.D.-Organisation (bekannt aus Iron Man) und anderen Gefahren verfolgt.

Thor 07

Auch wenn die letzten Marvel-Produktionen grüne Testosteronmonster oder Waffenfabrikanten in Hightech-Exoskeletten thematisierten – Der unglaubliche Hulk und Iron Man sind beide in einer dem Zuschauer bekannten Welt angesiedelt. Die „The Mighty Thor“-Comics verbinden dagegen die irdische Realität mit den Fantasiewelten von Asgard und Jotunheim. Die Herausforderung, das Fantastische mit dem Alltäglichen zu verbinden, wird schnell zum Hauptproblem des Films.

Thor 06

Bereits im ersten Viertel feuert der Regisseur Kenneth Branagh alles ab, was das Genre an Bombast hergibt. Durchaus in der Logik des modernen Blockbusterkinos werden die Sinne des Zuschauers mit Eindrücken überhäuft. Neben einer wilden Schlacht sorgt die gigantische CGI-Welt Asgard für Staunen im Kino: Eine in Bronze- und Goldtönen schimmernde Stadt türmt sich inmitten des Universums auf, an ihren Ausläufern tobt die Brandung eines stürmischen Meeres. Die vom Set-Designer Bo Welch entworfene Welt wird eingefangen von schnellen Kamerafahrten und untermalt von dramatischer Musik. All das taugt fraglos zur kurzweiligen Unterhaltung, doch indem sich der Film auf die Wirkung dieser Technikschau des Animationshandwerks verlässt, unterschätzt er sein Publikum. Dessen Aufmerksamkeitsspanne steigt in Asgard ebenso schnell, wie sie nach Thors unsanfter Landung auf dem blauen Planeten wieder sinkt. Ohne all den Glanz und die Glorie der Götterwelt wirkt der Film verloren.

Thor 01

In der „Marvel-Ultimate“-Vorlage scheint Thor zunächst verwirrt und unfähig, mit der Situation umzugehen. Zwar tendiert der Film ebenfalls in diese Richtung, hält sich aber auch nicht ewig am Motiv des gefallenen Helden auf. Ohne seinen Hauptcharakter vollständig der Lächerlichkeit preiszugeben, entlockt er der buchstäblich großen Fallhöhe Thors einiges an Komik – etwa als Thor in eine Zoohandlung stürmt und nach einem Pferd verlangt. Dass es dennoch nicht gelingt, die beiden Welten schlüssig zu verbinden, scheint sich der Film in einer Szene selbst einzugestehen. Ein S.H.I.E.L.D.-Agent kommentiert Thors herannahende Götterfreunde mit den Worten „Sir, Xena, Jackie Chan and Robin Hood have arrived“.

Thor 02

Worüber in Asgard noch durch die schiere Wucht des Vortrags in den Dialogen zwischen Odin, Thor und Loki hinweggetäuscht wird, wird auf der Erde ohne Heldenpathos überdeutlich: Die Figuren haben sich nicht viel zu sagen. Natalie Portman wird gar dazu degradiert, ein schmachtendes Naivchen zu spielen, dessen Rolle im Schatten des übermächtigen Thor unweigerlich verblasst. Der mit enormer Präsens und Körperlichkeit agierende Chris Hemsworth passt nicht nur durch seine tiefe Stimme, sondern auch durch seinen durchtrainierten Körper in die Rolle des wütenden Kriegers Thor. Die Glorifizierung dieses Körpers in der Halbnahen beherrscht Thor ganz im Stile des Action-Blockbusterkinos der letzten Jahre. Allerdings muss man zugestehen, dass der Film hier seiner Vorlage treu bleibt.

Gerade wenn man sich auf ein gigantisches Action-Spektakel freut, sollte man sich auf längere Durststrecken gefasst machen. Durch seine extreme Unausgewogenheit könnte Thor neben Marvel-Fans auch die Liebhaber reinen Action-Kinos enttäuschen.

Trailer zu „Thor“


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Kommentare


Gemain

Leider kann ich dieser Kritik nur zustimmen. Komme gerade aus der Vorpremiere und neben einigen guten Szenen schwankt der Film vor allem in der 2. Hälfte zwischen Komik und Lächerlichkeit sowie künstlich wirkenden, stockenden und nicht wirklich mitreißenden Dialogen in einem gefühlten Klima der Belanglosigkeit. Der Auftritt der "Götterfreunde" von Thor, welcher in der Kritik schon erwähnt wird, wird auch nicht durch den Kommentar eines Mannes entschärft, der auf einem Dach sitzend seinen Kollegen frägt: "Ist hier irgendwo ein Mittelalter-Festival?"
Ganz und gar ungöttlich wie die Asgardter in dieser Szene durchs Bild stürzen.

Gegen Ende verliert sich der Film dann in immer schwülstigeren Dialogen und die Szenen werden im Schnelldurchlauf richtung absehbares Ende getrieben.
Auch die musikalische Untermahlung wirkt manchmal unpassend. (z.b. lieblich säuselnd, wenn Dramatik angesagt ist....)






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