Iron Man

Selbst ist der Mann: Tony Stark baut sich in dieser Comicverfilmung eine Rüstung mit Düsenantrieb und schützt fortan die Welt vor seinen eigenen Waffen.

Iron Man

Er ist ganz schön cool, dieser millionenschwere Tony Stark, wie er da im Humvee der amerikanischen Armee durch die afghanischen Berge gefahren wird und unerschrocken, in seinem Whiskyglas klirren die Eiswürfel, mit einer Soldatin schäkert. Kurz darauf explodieren Raketen und krachen Gewehrsalven, und Stark erfährt die Wirksamkeit der Waffen, die seine Firma herstellt, am eigenen Leibe.

Einen Menschen, der sein Geld mit Waffen verdient, ins Zentrum eines Films zu stellen, eröffnet moralisch unebenes Gelände. Andrew Niccol hat das 2005 mit Lord of War - Händler des Todes (Lord of War) versucht, in dem Nicolas Cage als Waffenschieber konsequent gegen Recht und Gesetz agierte und nie zur Läuterung fand. So darf der von Robert Downey Jr. gespielte Tony Stark nicht auftreten, denn er wird sich zum „Iron Man“ wandeln, einem sehr amerikanischen Superhelden – und bei aller Zerrissenheit, die Figuren mit dieser Berufsbezeichnung zumindest seit Sam Raimis Spider-Man (2002) im Kino aufweisen dürfen, wenn nicht müssen, gehört doch moralische Ambiguität nicht zu ihren Eigenschaften.

Iron Man

Entsprechend entgeistert reagiert Stark, als er erfährt, dass seine Firma nicht nur amerikanische Soldaten ausrüstet. Einem Mann, der sich gern als arroganter Zyniker gibt und „merchant of death“ als angemessene Beschreibung seiner Person ansieht, kann man das aber kaum abnehmen.

Dass Iron Man sich nicht schon in dieser Frage verstolpert, verdankt der Film seinem Hauptdarsteller – und einem Trick. Robert Downey Jr. verleiht seinem Helden jene fulminant ironische Lakonie, die auch Downeys Performance in Kiss Kiss Bang Bang (2005) schon leuchten ließ. Sein Tony Stark nun nimmt sich und sein Leben nicht wirklich ernst, selbst dann nicht, als er eine ernsthafte Aufgabe für sich entdeckt.

Diese Sinnfindung geschieht in einigen Sequenzen, über die – damit fallen sie aus dem Rahmen des ansonsten leichtfüßig-bedeutungsleer daherkommenden Films heraus – gleich kübelweise Pathos geschüttet wurde, samt Familie, Sinnfragen und Verantwortung.

Verantwortung! Der Trick, mit dem Iron Man seine vormals liederliche Hauptfigur davonkommen lässt, ist dessen verantwortungsfreie Biographie. Als Erbe des väterlichen Rüstungsbetriebes sind ihm dessen Geschäfte egal, so lange sie ihm Geld und Zeit lassen, neue Waffen und Gadgets zu erfinden und selbst zu bauen. Nur so erklärt sich auch, dass der Lebemann Stark in afghanischer Gefangenschaft – er soll für einen bösen Warlord die neueste Kreation seiner Firma nachbauen – sich in Schweiß und Dreck eine Rüstung, eigentlich: ein multifunktionales Exoskelett schmieden kann, mit dem ihm dann die Flucht gelingt.

Iron Man

Stark gerät so zu einem seltsamen Zwitterwesen: Er ist sowohl postmoderner Kapitalist, der keinerlei Beziehung mehr dazu hat, wo sein Geld herkommt, und sich stattdessen mit Frauen, schnellen Autos und schönen Dingen umgibt, als auch Industrieller alten Schlages, der seine Maschinen alle noch selbst zusammenzimmern kann.

Wie sehr Männerschweiß diesen Film dominiert, lässt sich leicht an den kaum vorhandenen Frauenrollen ablesen: Allein Gwyneth Paltrow als Starks getreue Assistentin „Pepper“ Potts hat mehr als nur ein paar Sätze zu sagen, und ihr einzig guter Witz geht auf Kosten einer anderen Frau. Mit der gleichen Herablassung wird auch die Welt außerhalb Amerikas bedacht. Die Schurken in Afghanistan entpuppen sich als zweitklassige Bösewichte mit drittklassiger technischer Expertise, die selbst nur Handlanger eines anderen Amerikaners sind. Dass die Identität von Starks wahrem Antagonisten nur allzu schnell klar wird, macht diesen kolonialistischen Blick, in dem der Rest der Welt im wahrsten Sinn des Wortes nur noch Nebenkriegsschauplatz ist, nicht eben erträglicher.

Iron Man

Dass Iron Man dennoch mehr als nur leidlich unterhaltsam ist, verdankt er vor allem seinem Star, der die Widersprüchlichkeit des Charakters in einem ironischen Zucken seiner Gesichtsmuskulatur aufzulösen vermag. Regisseur Jon Favreau nimmt das auf. Die ausführlichen Sequenzen, die Stark bei der Weiterentwicklung seiner Rüstung zeigen („Superhelden werden nicht geboren, sie werden gemacht“, ist nicht umsonst der Slogan des Films), sind voll spielerischem Slapstick und brachial physischem Humor. Und wenn der „Iron Man“ dann schließlich zu seinen ersten Flügen aufbricht, ist das pures kinetisches Kino. Und obwohl man deshalb das Spektakel über weite Strecken genießen kann, ohne darüber nachdenken zu müssen, geht es dem Film letztlich nicht anders als seiner Hauptfigur: Wo bei anderen das Herz sitzt, prangt zunächst eine große, leere Röhre aus Stahl.

Trailer zu „Iron Man“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.