Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes

Der Dokumentarfilm von Bertram Verhaag deckt auf, wie die Industrie die Forschung vor den Karren der Gewinnmaximierung spannt.

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Ein bisschen ist die Debatte um genetisch manipulierte Lebensmittel ja in Vergessenheit geraten. Im Konzert der regelmäßig aufwallenden Diskussionen zu Fragen der Bioethik standen zuletzt eher Stammzellenforschung oder In-vitro-Diagnostik auf dem Programm. Doch das tagesaktuelle Meinungsklima ist wechselhaft – während alle Welt über etwas anderes spricht, schwären die ehedem fundamentalen Nachrichtenbrände weiter, hinter dem Rücken der öffentlichen Aufmerksamkeit. Bis zur nächsten Titelzeile.

Also ist es erst einmal kluges Timing, wenn sich Bertram Verhaag in Gekaufte WahrheitGentechnik im Magnetfeld des Geldes mit den schmutzigen Seiten der Genforschung auseinandersetzt. Und darin mit einigen unter den Teppich der Schlagzeilen gekehrten Tatsachen um die Ecke kommt. Zum Beispiel, dass mittlerweile wohl kein deutscher Speiseplan mehr „transgenfrei“ genannt werden kann – Kennzeichnungspflicht im Supermarktregal hin oder her. Irgendwo in der Produktionskette, sei es im Tierfutter oder in der Sojamilch, schleicht sich die Gentechnik ein. Die Erkenntnis hieraus ist so unmissverständlich wie schwer verdaulich: Wir alle sind Versuchskaninchen in einem globalen Fütterungsexperiment. Mit unbekanntem Ausgang.

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Solcherlei Informationen liefert Verhaag gewissermaßen en passant. Wem es nicht klar war, dem sollte es jetzt mal klar werden. Aber, und darauf will Verhaag hinaus: Die Probleme reichen tiefer. Gekaufte Wahrheit setzt sich auseinander mit dem zunehmenden Einfluss der Privatwirtschaft auf die Forschung, am Beispiel Genindustrie. Wie dreckig da gekämpft wird um Deutungshoheiten, mit welchen Verleumdungstaktiken Großkonzerne ihre Produkte vor den Ergebnissen unliebsamer Wissenschaftler beschützen wollen, zeigt Verhaag an wenigen Fällen, dafür aber mit großer Detailgenauigkeit. Die These ist dunkel: Keine wissenschaftliche Forschung, sei es an öffentlichen Instituten oder Universitäten, ist vor dem Einfluss des Marktes geschützt. Wissenschaft drohe, mehr als je zuvor, nicht mehr tatsachen-, sondern interessengeleitet zu verfahren.

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Gekaufte Wahrheit bezieht dabei eindeutig Stellung: Den vielen scharfen Mahnern steht nur eine einzige Befürworterin der Genforschung gegenüber, die kleine Zahl an Interviewpartnern deutet auf starke Selektion hin, die atmosphärisch drängende Musik und eine Offstimme, die dank billiger Effekte wohl nach Guerillaradiostation klingen soll, wollen sehr deutlich eine Politthriller-Stimmung aufbauen. Aber die nüchternen, reflektierten Aussagen der Befragten, eine sich gen Ende weit über Gentechnik hin öffnende Perspektive und die insgesamt vorbildlich belegte Recherche gewährleisten eine informative und nicht allzu plakative Darstellung der drängenden Problematik. Auch wenn der Film zuletzt eine arg schwelgerische Zurück-zur-Natur-Botschaft à la Henry David Thoreau propagiert.

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Warum für diesen Film jedoch eine Kinoveröffentlichung notwendig ist, bleibt schleierhaft. Musik, Schnitt, Tempo, Kadrierung; der Gestus insgesamt spricht klar die Sprache des Fernsehens. Was auf keinen Fall herabstufend oder belächelnd gemeint ist. Das Kino verlangt ästhetisch schlicht ganz andere Gewichtungen als das Fernsehen. Auch die Frage, ob für einen Film mit so klar durchscheinender Agenda ein Kinostart als Wirkungsverstärker nicht wünschenswert ist, kann gewendet werden: Hat das Fernsehen als Resonanzraum politisch-gesellschaftlicher Themen das Kino nicht längst weit hinter sich gelassen? Wie dem auch sei: Gekaufte Wahrheit ist, wenn auch spröde und inszenatorisch sehr klassisch verfahrend, eine beachtenswerte Studie zu einem unbedingt diskussionswürdigen Thema. Hoffentlich sieht das der Zeitgeist genauso und die Schlagzeilen werden folgen.

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Kommentare


F. Weisz

Wer sich seit vielen Jahren mit diesem Zeit-Bombenthema beschäftigt wird inständig hoffen, daß dieser Film viele
Menschen aufrüttelt. HOFFENTLICH REICHT´S FÜR EINEN BEWUSSTEINSSPRUNG MIT ERBITTERTEM WIDERSTAND:


Susanne Meier

Endlich regt sich Widerstand gegen diese Interessen- und Klientelwirtschaft in sämtlichen Lebensbereichen! Neuerdings werden auch Stipendien und Ausbildungen von Firmen finanziert und Einfluss auf Lehrpläne genommen, besonders bei Interdisziplinären Forschungsaufträgen. Damit hat man - siehe aktueller Fall (Be(yreuth) - Kritische Diskussionen,Ansätze von Objektivität und Kontrolle ausgehebelt. Die Aufgabe der Medien, um Fortschritt/ Interessen aller zu zeigen, wäre es sowohl die Gefahren als auch die Vorteile faktisch darzustellen. Nur so kann die drohende Einseitigkeit verhindert werden.


Pilgrim

Jede Welle kam von USA noch Jahre später in Europa an.
Erst Cola, dann Massenweise Drogenkonsum, dann FastFood, das handy und deren 180° Wende im Nutzungsverhalten sowie deren Dauer-Strahlungsintensität, Wegwerf-Mentalität, Energiehunger und jetzt Gendreck, den wirklich keiner braucht.

Die Gentech mit Ihrer Patentierung hat ein großes Ziel: Die Weltbevölkerung abhängig und gefügig zu machen durch die Kontrolle der Weltnahrungsmittel.






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