Clip

Die Generation Porno lässt die Hosen runter.

Clip 10

Kaum ist eine Kamera in der Nähe, beginnt die 14-jährige Jasna (Isidora Simijonovic) wild zu posieren. Für die Fantasie lässt ihre Darbietung keinen Platz, denn die Teenagerin lebt nach der Maxime: Was man hat, muss man auch zeigen. Ein kalkuliert schüchterner Blick, die Finger lasziv im Mund und den Hintern herausfordernd ausgestreckt, lebt Jasna ein Frauenbild, bei dem Schlampe keine Beleidigung, sondern eine Auszeichnung ist. Um ihre Verlegenheit im zwischenmenschlichen Miteinander zu kaschieren, hat sie ein erprobtes Mittel gefunden: Einfach in den Schritt greifen, egal ob in den eigenen oder in den des abgestumpften Djordje (Vukasin Jasnic). Die Inszenierung des eigenen Körpers hat Jasna perfektioniert. Allerdings ist dabei auch ihre Würde auf der Strecke geblieben.

Clip 02

Mit ihrem Debütfilm Clip (Klip) hat Maja Milos einen richtigen Arthouse-Schocker gedreht. Mit krassem Realismus dringt sie in eine serbische Plattenbausiedlung ein und porträtiert Jugendliche, die in einer verzerrten Welt leben. Ihre Figuren werden von Bildern bestimmt und sind selbst davon besessen, ständig neue Bilder von sich zu produzieren. Hier hat man es mit den dunklen Auswüchsen der Generation Porno zu tun. Internetpornografie und Lieder, in denen Frauen davon singen, Huren zu sein, sind Jasnas Schule. Und während sie sich vor der Handykamera als ständig verfügbare Sexpuppe in Szene setzt, wollen die Jungs eigentlich nur ihre Schwänze filmen. Wenn man Jasna und Djordje beim Sex zusieht, hat man das Gefühl, es würde etwas fehlen. Als würde jeder nur mit sich selbst, nicht aber mit dem anderen vögeln.

Clip 06

Milos betreibt keine Ursachenforschung, wertet nicht, sondern beschränkt sich darauf, einen verstörenden Ist-Zustand zu zeigen. Auf küchenpsychologische Spekulationen lässt sie sich dabei nicht ein. Es ist ein kleiner Coup des Films, dass er seine unverbesserliche Heldin aus einem ausgesprochen liebevollen Elternhaus kommen lässt. Wenn sich in einem Nebenerzählstrang Jasnas kranker Vater auf sein Ende zubewegt, erinnert uns der Film immer wieder daran, wie das Mädchen eigentlich sein könnte. Eine liebevolle und sorgende Tochter etwa. Doch Milos schickt sie auf einen Egotrip, den man dem Teenie nur bedingt übel nehmen kann. Schließlich hält es jede neue Generation für ihr Privileg, sich zu verausgaben, als gäbe es kein Morgen. Jasna lebt dieses Privileg jedoch auf sehr extreme, selbstzerstörerische Weise.

Clip 07

Ähnlich wie ihr Landsmann Srdjan Spasojevic mit A Serbian Film (Srpski Film, 2010) hat die Regisseurin sichtlich Freude daran, ihre Heimat als einen Ort ohne Moral zu inszenieren. Ebenso wenig macht sie ein Geheimnis daraus, dass sie schockieren möchte: Immer wieder zeigt sie in quälend langen Szenen, wie sich ihre Hauptfigur wie ein Stück Dreck behandeln lässt. Und schließlich peppt sie ihre deprimierende Milieustudie mit ein paar pornografischen Szenen auf. Doch gerade diese ungeschönte Darstellung jugendlicher Sexualität ist es, die Clip von thematisch verwandten Produktionen abhebt.

Clip 11

Viel zu oft wirken Filme, die sich auf vermeintlich skandalträchtige Weise der Libido Minderjähriger widmen, erstaunlich prüde. Letztes Jahr konnte man das etwa bei dem deutschen Film Little Thirteen (2012) beobachten, der schonungslos und ehrlich sein wollte, tatsächlich aber nur zahm und moralinsauer war. Milos setzt sich dagegen nicht unter den Druck, ihre Figuren mögen zu müssen und zieht eine naheliegende Konsequenz: Wenn sie von der Sexualität junger Menschen erzählt, muss sie den Sex auch zeigen. Es sind sehr kühle Szenen, in denen das junge Paar versucht, sich anzunähern, dabei aber doch nie zueinander findet.

Clip 04

Clip erzählt vor allem von der pervertierten Version einer ersten Liebe. Jasna und Djordje schaffen es einfach nicht zu kommunizieren. Es gibt zweifellos eine emotionale Anziehung zwischen den beiden, doch jedes Mal, wenn man sich dem anderen mitteilen möchte, verfällt man doch wieder nur in die Verhaltensmuster eines seelenlosen Pornos. Die große Stärke des Films ist, dass er diese destruktive Beziehung nicht heilen will, sondern einfach bestehen lässt. Zwischen Gewalt und dem Verlust des Selbstwertgefühls haben sich hier zwei gefunden, die sich auch verdient haben. Es überrascht dann auch nicht, dass Milos ihre höchst unbequeme Liebesgeschichte mit einem Happy End beschließt, das einem Schlag ins Gesicht gleicht.

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Kommentare


Gordon

Diese Filme sind so krank wie das durch jahrelangen Krieg zerschundene Land Serbien. Moral existiert dort nicht . Gesellschaftliche Normen sind unbekannt.

Warum Drehbuchautoren die ohne solche "Schocker" im regulärem Film Business keine Beachtung finden würden überhaupt Beachtung finden , verstehe ich ebensowenig wie der Bezug auf den völlig kranken und verbotsträchtigen "a Serbian Film". Mir fällt hierzu nur eines ein : Mülltonne auf und diesen Abfall hineinwerfen

Derartige Filme lassen sich bei Interesse auch in jeder Deutschen Grossstadt in deren Ghettos drehen ? z.B. Berlin, Hamburg , Frankfurt
Nur wäre hier der Aufschrei zu gross. Im dreckigen Serbien gehört sowas eher hin als in ein sauberes Mitteleuropäisches Industrieland, oder was ist hier die Aussage des Filmes ???


Thomas

Gordon - das ist schlichtweg pauschalisierend, dumm und volksverhetzend. Von deiner (fehlenden) Interpunktion mal ganz abgesehen. Und so was in einem "sauberen, Mitteleuropäischen Industrieland"...


Gordon

@Thomas,
Was verstehst Du unter Volksverhetzung ?
ich glaube Du solltest ersteinmal Wikipedia konsultieren.
und vor allem solltest Du Dir vielleicht einmal die Mühe machen und eine Woche in Bosnien oder Serbien als Tourist verbringen danach urteilen und nicht weil Punkt und Komma fehlen ?
#PS:Warst Du überhaupt schon einmal vor der Tür ?






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