Die Welt steht kopf

Headshot

Der thailändische Regisseur Pen-Ek Ratanaruang ist schon länger mit seinen Filmen auf der Berlinale vertreten. Seinen neuesten, Headshot (Fon Tok Kuen Fah), stellt er dieses Jahr im Panorama vor. Bisher gelang es ihm mit seinen Kreuzungen von überästhetisiertem Arthousekino und Genreversatzstücken nicht immer zu überzeugen. Statt sich wirklich auf die Thriller-Plots einzulassen, verließ er sich vor allem auf Bilder, die in ihrer eigenen Schönheit gefangen sind. Headshot ist in dieser Hinsicht vielversprechender, weil er mehr nach Genrekonventionen funktioniert.

 

Es geht darin um Tul, der einst Polizist war, durch seine Ehrlichkeit aber an die falschen Leute geriet und im Gefängnis landete. Nach seiner Entlassung versucht er sich als Auftragskiller mit striktem Moralkodex. Irgendwann bekommt er dann eine Kugel in den Kopf, liegt drei Monate im Koma und – das ist der eigentliche Gimmick des Films – sieht plötzlich alles verkehrt herum. Obwohl diese Spielerei gewissermaßen der Aufhänger ist, verwendet Ratanaruang Einstellungen, in denen auch die Welt des Zuschauers auf dem Kopf steht, nur äußerst sparsam. Ansonsten ist Headshot das, was man als Neo Noir bezeichnet: ein düsterer Thriller, der gerne bei Nacht und Regen, in Fabrikhallen und Bars spielt, einen einsamen Wolf als Helden hat und diesem gleich zwei Femme fatales gegenüberstellt. Die Handlung wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, wobei manchmal nicht ganz klar ist, an welcher Stelle der Geschichte wir uns eigentlich befinden. Der Reiz des Films besteht gerade in dieser Sprunghaftigkeit, aber auch in seiner Vorliebe für atmosphärische Settings und der für das Genre eher seltenen Langsamkeit. Allerdings kommt Ratanaruang mit dem sinnvollen Zusammensetzen der Geschichte nicht ganz hinterher. Wer dem Genrekino einigermaßen wohlwollend gesinnt ist, hält sich nicht mit kleinen Ungereimtheiten im Plot auf. Was uns Headshot da aber teilweise auftischt, ist schon arg konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.

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