Don't Come Out – Kritik
Berlinale 2026 – Generation: Der bloße Anblick einer lesbischen Frau reicht, schon mutieren Heterosexuelle in Don't come out zu mordlüsternen Zombies. Die dominikanische Regisseurin Victoria Linares Villegas inszeniert ihren queeren Coming-of-Age-Film als Horrorparabel.

Der Prolog riecht nach Popcorn-Kino: Etwa eine Minute lang bleibt die Leinwand komplett schwarz, wir hören lediglich die Schreie einer jungen Frau. Kurz danach sehen wir sie panisch durch die Nacht rennen – dicht gefolgt von ihrer Mutter. In einer der langsameren Verfolgungsjagden der Filmgeschichte gelingt es der jungen Frau, im Stadtpark ein todsicheres Versteck zu finden: einen gut beleuchteten Baum, hinter dem sie auf keinen Fall zu entdecken sein wird – erst recht nicht, wenn sie lauthals mit einem potenziellen Retter telefoniert. Ein paar Sekunden später durchschneidet ein Messer ihre Kehle, Blut spritzt in hohem Bogen auf das Kameraobjektiv, und die Augen der mörderischen Mutter sind dermaßen verdreht, dass nur das Weiße zu sehen ist. Was sich so als Horrorkomödie oder billiger Slasher anzukündigen scheint, entpuppt sich bald als Persiflage-Auftakt zu einem ernsthaften Coming-of-Age-Drama.
Wenn Glaube Hass erzeugt

Die zurückhaltende Liz (Cecile van Welie) schließt die Tür, wenn sie heimlich mit ihrer Freundin Wendy (Mariela Guerrero) knutschen will. Die beiden Studentinnen leben in einer Gesellschaft, in der lesbische Frauen regelmäßig umgebracht werden. Als bald auch Wendy ein gewaltsamer Tod ereilt, laden zwei Freundinnen Liz zur Verarbeitung des Traumas in ein Landhaus ein. Dort tauchen auch mehrere unangekündigte Gäste auf – darunter die draufgängerische, attraktive Jessie (Camila Santana)…
Das Setup von Don't come out (No Salgas) ähnelt zahllosen US-amerikanischen Coming-of-Age-Filmen, die das sexuelle Erwachen und die erste Liebe von SchülerInnen oder StudentInnen als mit Horrorelementen durchsetztes Drama inszenieren. Die Übertragung in den Kontext der Dominikanischen Republik schafft aber durchaus einen Mehrwert. Dort nämlich scheint weniger die Frage zu sein, wie gesellschaftlich akzeptiert queere Personen sind. Vielmehr muss man sich um seine Sicherheit sorgen, wenn man eine solche sexuelle Orientierung öffentlich preisgibt.
Lesben werden in Don`t come out von der Polizei schikaniert und von Bekannten erpresst, die um ihr Geheimnis wissen. Liz und Wendy haben ihre Beziehung daher selbst gegenüber ihren besten Freundinnen verschwiegen, und später nimmt sich Liz einen Alibi-Freund, um Ruhe zu haben. In einer der gruseligsten, weil besonders unerwarteten Szene führt der Film die immense Homophobie der dominikanischen Gesellschaft auf den starken religiösen Glauben zurück: Was in der Bibel steht, ist – zumindest für manche der Christen – die absolute Wahrheit und damit nicht verhandelbar. Indem sich die Augen scheinbar harmloser BürgerInnen nach oben verdrehen und nur noch das Weiße zu sehen ist, zeigt sich ihr blinder, sozial antrainierter Hass, der sie (unfreiwillig) zu mörderischen Zombies mutieren lässt.
Versatzstücke des Horrorgenres

Villegas verlässt sich allerdings recht stark auf Klischees – flackernde Lampen, einen Stromausfall – und Versatzstücke aus anderen Horrorfilmen: Wie in It follows (2014) springt der Tötungszwang von Körper zu Körper, wie in Bird Box (2018) dürfen die Opfer auf keinen Fall Blickkontakt zu den Tätern herstellen, und wie in Bodies Bodies Bodies (2022) steigt bei einer Party in einer opulenten Villa nicht der sexuelle, sondern der mörderische Body Count. Merkwürdig quer steht zudem der oben geschilderte amüsante Prolog zum recht humorlosen Rest des Films, dessen Ernst er im Grunde unterläuft. Und, nicht zuletzt erstaunt es, dass ein Film, der sich als Parabel auf homophobe Gewalt präsentiert, völlig unbeantwortetlässt, ob neben Lesben auch Schwule zu Opfern der tödlichen Angriffe werden.
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