The Crazies - Fürchte deinen Nächsten

Die neueste Produktion der seit einigen Jahren anhaltenden Zombie-Welle ist mal wieder ein Remake eines Klassikers von George A. Romero. Darin geht es allerdings nicht um Untote, sondern um Kleinstadtbewohner, die durch einen Virus zu seelenlosen Mördern mutieren.

The Crazies – Fürchte deinen Nächsten

Und wieder wird ein kleiner amerikanischer Ort vom Horror heimgesucht. Der Absturz eines Transportflugzeugs mit einer supergeheimen biologischen Waffe führt zu einer Verseuchung des Trinkwassers von Ogden Marsh, und schon bald steht ein stadtbekannter Alkoholiker mitten auf dem Baseball-Feld, mit einem Gewehr im Anschlag. Sheriff David Dutton (Timothy Olyphant) bleibt nichts anderes übrig, als den seltsam passiv-aggressiven Mann zu erschießen. Später schließt ein Landwirt seine Frau und seinen Sohn im Haus ein und setzt es in Brand. Und noch ein wenig später bricht die Hölle los in Ogden Marsh.

The Crazies – Fürchte deinen Nächsten

Regisseur Breck Eisner hat George A. Romeros Klassiker The Crazies (1973) einer Remake-Prozedur unterzogen, ähnlich gekonnt und voraussichtlich ähnlich erfolgreich, wie kürzlich Zack Snyder es mit Dawn of the Dead (2004) getan hat. Das Ergebnis ist nichts, worüber Anhänger des Meisters sich echauffieren müssten. The Crazies (2010) bietet alles, um Genre-Fans (allerdings auch nur diese) zufrieden zu stellen: Die Spannungsmomente werden geschickt gehalten, die Kämpfe sind mitreißend inszeniert, und hin und wieder suhlen sie sich in ihrer einfallsreich-absurden Brutalität. Wäre der Film eine Maschine, man müsste ihn als gut geölt und effizient bezeichnen. Zombiefilme sind heute mit hohen Qualitätsstandards hergestellte, stromlinienförmige Produkte, unendlich oft auf ihre Marktkompatibilität getestet und mit bewährten, stets nur leicht variierten Zutaten. So wie es früher, sagen wir, die Melodramen waren.

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Das Militär nimmt in dem neuen Film eine kleinere Rolle ein als bei Romero. Dessen Low-Budget-Produktion spielte zu nicht unerheblichen Teilen am Schreibtisch des Militärkommandos, von wo aus mit bürokratischen, wissenschaftlichen und totalitären Mitteln versucht wurde, der Seuche Herr zu werden. Vietnam schwang Anfang der 1970er Jahre natürlich in jeder Einstellung mit. Im Remake ist die Perspektive stattdessen vollständig auf die kleine Gruppe Überlebender konzentriert, die sich um den Sheriff und seine schwangere Frau Judy (Radha Mitchell) formiert. Soldaten und ihre furchteinflößende Maschinerie tauchen nur auf, wenn sie den Weg der Helden kreuzen. Das ist zwar mit viel mehr technischen Schauwerten und Etat gedreht worden als damals, was den Auftritt der Armee zunächst einmal bedrohlicher aussehen lässt. Aber man kennt das dann eben doch aus zu vielen anderen Filmen, in denen die Armee zugleich Retter und Zerstörer ist. Wenn ein Zombiefilm sehr ähnliche Bilder produziert wie das Dustin-Hoffman-Vehikel Outbreak – Lautlose Killer (Outbreak, 1995), tut ihm das aber nicht unbedingt gut.

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Die ganze Struktur ist der schlichten „Und-dann“-Dramaturgie unterworfen, das aber mit maximalem Effekt: Alle paar Minuten tauchen neue Zombies auf – korrekter müsste man wohl von „Infizierten“ reden –, greifen von links oder rechts ins Bild, mit immer wieder neuen, schärferen Waffen werden sie erledigt, in immer wieder der sprichwörtlichen letzten Sekunde.

Das Schlussbild treibt das Waffen-Leitmotiv dann in einer unerhörten Einstellung auf die Spitze, aber es gibt noch einen anderen Aspekt dieser Genre-Konvention, einen interessanteren. Sheriff David Dutton ist zwar derjenige, der schon kurz nach dem Vorspann seine Pistole zieht und den ersten Schuss des Films abfeuert – aber er wird danach von Gewissensbissen geplagt. Das ändert sich auch nicht wesentlich, als er später reihenweise Infizierte umlegt. Stets ist die Gewaltanwendung für den Sherrif nur Ultima Ratio und wird mit innerem Ekel erledigt (gleichwohl zum Vergnügen des Publikums, nur so funktioniert diese Art Film). Der Sheriff ist eine typische Verkörperung amerikanischer Liberalität, von Timothy Olyphant mit viel Nettem-Jungen-Charme gespielt.

The Crazies – Fürchte deinen Nächsten

Den Gegensatz dazu bildet zum einen die Bürgerwehr, deren Mitglieder Spaß am Töten haben und die Gelegenheit nutzen, vor allem aber Davids Stellvertreter Russell (Joe Anderson in der besten Vorstellung des Films), der sich im Laufe der Handlung zu einem schießwütigen und unberechenbaren Redneck entwickelt – was den Zuschauer vor die Frage stellt, ob daran der Virus Schuld ist oder ob Regisseur Eisner und die Drehbuchautoren Scott Kosar und Ray Wright uns hier einen Blick in eine dunkle amerikanische Seele werfen lassen. Eine, für die die Abschüttelung alles Zivilisatorischen eine Befreiung bedeutet, womit es darum ginge, uns etwas über die Gesellschaft zu erzählen – was dann ja eine Art der Subtext-Schaffung wäre, die Romero nahesteht. Oder aber ob die Filmemacher nicht einfach noch einen weiteren geschickt ausgespielten Spannungsdreh für das letzte Drittel der Handlung brauchten.

Trailer zu „The Crazies - Fürchte deinen Nächsten “


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Kommentare


Hugo

Super,nachdem ich ja letzte Woche mit dem Schock Labyrinth 3d schwer enttäuscht wurde,kommt hier ein perfekter Schocker-unbedingt reingehen.


Lea

vorhersehbar und ein wenig zu typisch, aber ich wollte mich in einigen szenen schon unter eine bettdecke verkriechen.
kann man sich durchaus ansehen, adrenalinfans würde ich den film sogar empfehlen!


Tina

Typischer 0815 Zombiefilm. Nicht schlecht aber leider auch nicht super.

Wer typische, voraussehende und doch spannende Zombiefilme mag, sollte ihn anschauen


jorge

Das ist schon eine sehr optimistische Review des Films. Ich fand THE CRAZIES schon ziemlich entäuschend. Handwerklich zwar gut gemacht, aber die reißerischen Momente bleiben leider aus


Jochen A.

Schönes Werk, da fürchte ich eher die nächsten Horrorfilme.






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