Rogue One: A Star Wars Story – Kritik

Rogue One: A Star Wars Story ist so in seinen Kosmos eingezwängt, dass er eigentlich alle Freiheiten zum Sakrileg hätte. Stattdessen gibt es eine Fleißarbeit in Franchise-Pflege und viel ungenutzte Komik.

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Am besten hat mir im neuen Star Wars der Roboter gefallen, K-2SO heißt er. Er wurde ein paar Mal zu oft umprogrammiert und ist deswegen zum Zyniker und Fatalisten geworden. Er sagt ständig Sachen wie: „Unsere Überlebenschancen sind unter 30 Prozent“ oder „Ich kann im Weltall existieren. Ihr Menschen nicht.“ Das kommt jetzt vielleicht nicht rüber, ist im Film aber lustig. Am lustigsten allerdings ist K-2SO, wenn er bedeutungsschwangere Sätze wiederholt, wie sie das Drehbuch ständig anhäuft. Das macht er oft. Zum Beispiel: „The whole system goes down. The whole system goes down.“ Die Rebellen, mit denen er auf todernster Weltraumrettungsmission unterwegs ist, versuchen das auch manchmal, aber bei ihnen klappt es nicht so gut: „Rebellions are built on hope.“ Uff, schwere Posiealbumsprosa. Wird auch beim zweiten Mal nicht besser: „Rebellions are built on hope.“

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Ich kann mir nicht helfen, aber bei K-2SO geht etwas auf, was den restlichen Film über misslingt: ein Bekenntnis zur Lächerlichkeit der Wiederholung. Bergson hat in seinem Buch über das Lachen toll beschrieben, wie das Mechanische, das Automatische, die Wiederholung deswegen komisch sind, weil sie das Gegenteil des Lebendigen darstellen (das ist jetzt sehr stark vereinfacht). Rogue One: A Star Wars Story hat nun eben das Problem, dass eigentlich der ganze Film in seiner Franchise-Formelhaftigkeit ein Witz ist. Aber die meiste Zeit gibt’s nichts zu lachen. Und das wiederum ist tragisch.

Detail-Hick-Hack

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Eingezwängt zwischen dem ältesten und dem zweitneusten Star Wars-Film, begründet Rogue One den Einzug des Marken-Krimskrams in den Kinosaal. Bisher gruppierte sich das Beiwerk (Mc-Donald’s-Menus, Lego-Kästen, Cartoon-Serien etc.) um die Filme herum, aber Marvels metastasierendes Cinematic Universe hat die Regeln wohl verschärft. Nun also spielfilmförmige Spin-offs (in Jahren mit geraden Zahlen), die Lücken zwischen den mit römischen Lettern geadelten Hauptfilmen (in Jahren mit ungeraden Zahlen) füllen. Kann man sich eine undankbarere Ausgangssituation vorstellen? Du darfst Star Wars machen, aber am Ende muss alles so sein, wie wir es schon kennen. Dafür Sorge tragen werden die Hüter der Marktmacht bei Disney.

Ich sehe zwei Arten, mit so einer Situation künstlerisch umzugehen: Man macht sich einen Jux daraus, zur Freude aller. Oder man macht Klein-Klein, zur Freude der Fans. Rogue One ist definitiv Letzteres. Ja, selbst als eher semi-involvierter Zuschauer der Star Wars-Filme kann man sehen, dass Regisseur Edwards (der dem Vernehmen nach großen Krach mit den Studiobossen hatte, teure Nachdrehs und Umschnitte inklusive) kleine Akzentverschiebungen im Detail vornimmt, dass er das von der Community so fetischisierte Production Design wirklich verblüffend stimmig auf die Original-Trilogie ausrichtet, Plastik-Vader-Maske und 3D-(re)-animierter Bösewicht inklusive (das Ende von Rogue ist ja der Anfang des Krieg der Sterne von 1977). Allein, ich weigere mich, das zu bejubeln, wenn drumherum nur gähnende Pflichterfüllung ist. Ja, die Rebellion ist in verschiedene Fraktionen zerfallen und zerstritten, das Gute ist nicht mehr klar erkennbar, alles ist nicht mehr so Schwarz-Weiß wie einst – aber das ist vollkommen egal, wenn der erfolgreiche Ausgang des Ganzen aufgrund der Eingepasstheit in die Star-Wars-Genealogie sowieso feststeht, wenn es keinen Einsatz gibt außer dem sentimentalischen Anbeten der Opferbereitschaft unserer Rebellenkämpfer (es wird viel aufgeopfert für die gute Sache in Rogue One, ich zähle sechs bis sieben Heldentode). Space-Märtyrer, denen „May the force be with you“ ins unendliche All hinterhergewispert wird, das hat uns heutzutage gerade noch gefehlt.

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Ja, die Kriegsszenen haben mehr Schmiss, mehr Schmutz, mehr Saving Private Ryan-Omaha-Beach-Kameragejuckel als die kindlichen Blasterfeste davor. Aber ist das nicht abgeschmackt, wenn man bei der um allerlei Etappenziele aufgebauten Endschlacht hinter den Schläfen spürt, dass das wohl nur deswegen so krampfhaft immersiv gestaltet ist, um Lust zu machen, es später im Shooter Star Wars Battlefront nachzuerleben (ein Verdacht, der sich bestätigte)? Und war nicht überhaupt eine der reizvollen Seiten von Star Wars seine teils fast schmerzhafte Realitätsentkleidung, dank der sich wirklich alle rund um den Globus an Krieg und Tod erfreuen konnten? Jetzt finde ich mich in der unangenehmen Situation wieder, mich fragen zu müssen, warum hier so viel an Orten gekämpft wird, die an die  arabische Welt erinnern (der Planet Jedha ist auf Englisch fast ein Anagramm der saudischen Stadt Jeddah und sieht obendrein aus wie Petra in Jordanien, das Palmen-Atoll Scarif mit dem Satellitenturm in der Mitte ist eindeutig der Burj Khalifa in Dubai). Warum just dort immer wieder der Todesstern ausprobiert werden muss, darüber will ich eigentlich gar nicht weiter nachdenken.

Linearitäts-Zwang

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Ich würde mich der Fan-Perspektive gern mehr öffnen können, aber Rogue One ist ein Film, der so spaßlos seine Chronistenpflichten hinter sich bringt, der so wenig Bereitschaft zur Transgression und Spielerei hat, dass er wirklich zum Ödesten zählt, was ich mir auf der Kino-Leinwand vorstellen kann. Weil nichts auf dem Spiel steht. Ganz grundsätzlich scheint mir die Obsession der Star Wars-Marke mit Linearität und Widerspruchsfreiheit ein Problem zu sein. Wenn man sich anschaut, warum die neuen Star Trek-Filme so viel besser funktionieren, scheint das mit daran zu liegen, dass sich J.J. Abrams bei seinem Reboot auf die gute alte Comic-Tugend der parallelen Welten gestürzt hat (die ja auch in der Wissenschaft existiert). Bei Das Erwachen der Macht hingegen blieben die grundsätzlichen Stellschrauben unangetastet, der Weg führte statt in die unendlichen Weiten alternativer Welten in die tendenziell gefährliche Parallelvergangenheit der Nostalgie. Das Resultat war der unangenehm regressive Zug des Ganzen, weshalb South Park in seiner letzten Staffel Abrams bekanntlich dafür verantwortlich gemacht hat, dass Donald Trump mit seinem „Make America Great Again“-Slogan überhaupt siegen konnte. Das ist natürlich hanebüchen, aber es ist vor allem lustig. See the difference?

Trailer zu „Rogue One: A Star Wars Story“


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