Naokos Lächeln

Zwischen Trauer und dem Nichts.

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Die verlorene Zeit findet Toru (Kenichi Matsuyama) zufällig wieder. Ohne dass er nach ihr auf der Suche war, kehrt die Vergangenheit zu ihm zurück und Toru zu ihr. Tran Anh Hung begleitet Toru auf dessen Gedankenreise, in seine Jugend, die Studentenjahre im Tokio der späten 1960er zu Sehnsucht, Schmerz und „Naokos Lächeln“. In dem gleichnamigen psychologischen Drama weicht der inszenatorische Minimalismus des vietnamesischen Regisseurs symbolschweren Szenengemälden voller Schwermut und Poesie. Eine alte Melodie erklingt, und verblasste Erinnerungen verdichten sich zu Bildern, geistigen und filmischen. „Norwegian Wood“ heißt der melancholische Beatles-Song, den Toru zufällig hört. Nach dem Lied benannte Haruki Murakami die nostalgische Studie über Verlangen und Verlust, die sein erfolgreichster Roman wurde. „Norwegian Wood“ ist auch der Originaltitel von Trans malerischer Filmadaption, in der sich Schlüsselroman und cineastische Elegie vermischen.

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„Norwegian Wood“ spielt jemand beiläufig. Die Töne lassen die junge Naoko (Rinko Kikuchi) zusammenbrechen und erschüttern Toru tief. Die Unruhen an der Universität interessieren den Literaturstudenten nicht; anders seine Bücher und Naoko. Zu der Partnerin seines besten Freundes Kizuki (Kengo Kora) fühlt Toru sich hingezogen. Ob lange gehegte Gefühle oder Schutzbedürftigkeit sie zueinander treiben, bleibt vage. Der plötzliche Selbstmord des Partners und Freundes hat sie auf unterschiedliche Weise in eine Spirale der Verdrängung und Revision des Traumas gerissen. Nach einer Liebesnacht trennen sich ihre Wege wieder, wie zuvor unmittelbar nach Kizukis Suizid. Als Toru Naoko schließlich wiedersieht, ist sie gleichzeitig näher und unerreichbarer als je zuvor. Als Patientin einer Nervenklinik in einem entlegenen Bergressort lebt Naoko entrückt von ihrem Schmerz und gleichzeitig ganz darin versunken auf ihrem eigenen Zauberberg. Die Klinikszenen in Naokos Lächeln wecken Assoziationen mit Thomas Manns Roman, den Toru liest. Die Anstalt ist für die Patienten trübes Exil und beruhigender Schutz, nicht nur vor dem Leid, sondern vor der Belanglosigkeit der Außenwelt. Toru lockt indes die Liebe der lebensfrohen Midori (Kiko Mizuhara) aus dem Seelenexil.

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Der Verleihtitel Naokos Lächeln opfert die Vielschichtigkeit des Originaltitels Norwegian Wood romantischer Beliebigkeit. Das musikalische Motiv ist mehr als Initiator der Handlung. Seine Macht verkörpert die Willkür des Herzens, seine Flüchtigkeit die Brüchigkeit von Überzeugungen. Diese bewusste oder unbewusste Unaufrichtigkeit spiegelt in der Romanvorlage noch weit mehr als in der Verfilmung der Studentenprotest, der sich unvermittelt wieder legt. Äußerlich handelt Naokos Lächeln von Liebe, unterschwellig erzählt er von der Unbestimmtheit jener Emotionen, die übermächtig und gewiss erscheinen. Das Leid der Protagonisten ist die einzige Alternative, die sich ihnen angesichts von Gleichgültigkeit und Leere öffnet. Zwischen Nichts und Schmerz wähle ich Schmerz, sagte Faulkner. Trans Figuren stehen vor der gleichen Wahl.

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Seine Intensität schöpft Naokos Lächeln aus der psychologischen Bildsprache. Die präzisen Momentaufnahmen verdichten sich zu intimen Arrangements, in denen die Protagonisten sich wie auf Gemälden bewegen. Naoko, die den Verlust Kizukis nicht verwinden kann, und die sprühende Midori verkörpern die gegensätzlichen Kräfte, die Toru zu sich ziehen. In Midori wählt Toru die Zukunft, Sinnlichkeit und das Leben, in Naoko Vergangenheit, Schmerz und Tod. Während Midori ihr Begehren offen äußert, hat Naoko mit ihrer Liebe Kizuki ihr Lustempfinden verloren. Die aufbrausenden Elemente spiegeln das psychische Chaos in ihr, Schneelandschaft ihre Frigidität, die immer mehr zu seelischer Starre wird. Ihre Trauer ist absolut und endgültig, als habe sie unbewusst die Verzweiflung selbst gewählt. Niemals könne der Schmerz über den Tod eines geliebten Menschen heilen, heißt es einmal.

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Die seelischen Konflikte, die über dem emotionalen Triangel schweben, zeigen sich mehr im Soundtrack und den kongenialen Aufnahmen als in Dialogen und Schauspiel. Doch nicht die Darsteller sind schwach, sondern die fiktiven Charaktere, die sie spielen. Erotik und klaustrophobische Bedrängung verschmelzen in den expliziten Sexszenen. Die Arme eines anderen bringen nicht Geborgenheit, sondern Gefangenschaft.

„And when I awoke I was alone

This bird has flown

… Isn’t it good? Norwegian wood“

Obwohl über zwei Stunden lang, versammelt der Film nur Bruchstücke von Murakamis Roman, doch die Splitter sind so vollkommen geschliffen, dass sie dennoch bis ins Herz schneiden. In Leid könne sich Schönheit verbergen, sagt Tran über sein Werk. Die Bedeutung seiner Worte zeigt Naokos Lächeln.

Trailer zu „Naokos Lächeln“


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Kommentare


mt

....die schauspieler erscheinen holzschnittartig, eine identifikation ist von anfang an nicht möglich, die dialoge zt sinnentrückt und auch in ihrer banalität eher bremsen einen erzählfluss, der sich einen schwer erschliesst. also das schon: die bilder sind bombastisch, die landschaften sehr schön eingefangen, ebenso der metaphorische gleichklang zwischen landschaft und innerer seelenwelten. neben der musik die stärke des films. schade dass man so wenig mitfühlt.


Blubbabläschen

Der schlechteste Film den ich jemals gesehen habe. Der Film streckt sich über 2 Stunden, alles die mit uns in einem Kino saßen haben sich schon nach 30 Minuten gelangweilt. Es gibt keinen Höhepunkt und keine ersichtliche Handlung.
Ich bin mit der Erwartung ins Kino gegangen, einen schönen, emotionalen Film zu sehen, doch dieser Film glich eher einem schlechten Porno und der Klärung sexueller Probleme.

Keines Falls empfehlenswert!


Martin Zopick

Der Film könnte auch Naokos (Rinko Kikuchi) Tränen heißen, denn hier wird nie gelächelt dafür aber viel geweint. Ein Lächeln klingt vielleicht besser, hat aber mit dem Film soviel zu tun wie Thunfisch mit Tunwort. Größtenteils ist es der Student Toru (Ken-’ichi Matsuyama), der auf der Suche ist. Er will sich selbst finden, Erwachsenwerden und seine weiblichen Mitmenschen begreifen. Zu diesem Zweck probiert er einige Mädels aus, die selbst noch etwas unreif sind und zwischen Weinkrämpfen, Weltschmerz und unentschlossener Langeweile hin und her pendeln. In langen Dialogen geht es um den Charlotte Roche Titel, ohne dass eine Antwort gefunden wird. Größtenteils wird der Ton von den wimmernden Geigen überdeckt, und man kann nur die beeindruckende Landschaft genießen. Zur zeitlichen Einordnung sehen wir Bilder von Studentenunruhen, die aber mit der Handlung nichts zu tun haben und zur Erklärung für manch unerfüllte Liebesnacht erklingt ‘Norwegain Wood‘ von den Beatles. Ist auch einer von mehreren Auslandstiteln. Da musste auch John in der Badewanne allein schlafen. Und am Ende ist Schluss. Wer hätte das gedacht. Es bleibt ein kryptisches Gewirr aus impressionistischen Versatzstücken von Liebe und Tod in stürmisch schöner Natur. K.V.






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