Mr. & Mrs. Smith

Auch Mündungsfeuer kann erotisch sein: Ein Ehepaar von Profikillern findet erst wieder zueinander, als sie einander umbringen sollen. Das ist erstaunlich witzig.

Mr. & Mrs. Smith

Vorhölle Suburbia: Als nach einem anstrengenden Arbeitstag Jane und John Smith (Angelina Jolie und Brad Pitt) zu einer kleinen Party bei ihren Nachbarn vorbeischauen, ist ihnen die Abscheu gegen deren kleinbürgerliches Leben ins Gesicht geschrieben. Sie selbst haben im Laufe des Tages im Auftrag ihrer jeweiligen Arbeitgeber einen Waffenhändler bzw. einen dubiosen Kriminellen ins Jenseits befördert. Das hindert sie nicht daran, ihre Ehe als eintönig zu empfinden: Denn da John und Jane versäumt haben, einander im Laufe ihrer Ehe zu offenbaren, dass sie beide hoch bezahlte Profikiller sind, langweilen sie sich jetzt ob der vermeintlich faden Existenz ihres Partners schier zu Tode.

Regisseur Doug Liman, der vor allem durch Die Bourne Identität (The Bourne Identity, 2002) bekannt geworden ist, lässt sein Ehepaar in Mr. & Mrs. Smith zu Anfang darüber streiten, ob sie seit fünf oder seit sechs Jahren verheiratet seien, und positioniert den Film damit sogleich im Genre der romantic comedy. With guns, möchte man bald darauf hinzufügen, wenn man zusieht, wie John und Jane ihrer Arbeit nachgehen. Einmal verfolgen sie das gleiche Opfer, und da sie sich dabei in die Quere kommen, bekommen beide alsbald den Auftrag, den jeweils anderen zu ermorden.

Mr. & Mrs. Smith

Das Ehepaar ist lange damit beschäftigt herauszufinden, ob es sich lieben oder hassen soll. Die Entscheidung fällt schließlich ganz im Sinne der romantic comedy im Zweifel für die Liebe aus; vorher aber kreisen die Hassliebenden um den gemeinsamen Esstisch, dass jedes Besteckteil zu einer potenziellen Bedrohung wird und legen schließlich das halbe Haus in Schutt und Asche. Jedes „I missed you“ wird da sehr doppeldeutig – und zu einem guten Grund, den Film in der englischen Originalfassung zu sehen.

Kurz nachdem sich die beiden versöhnt und aus zerbrochenen Trinkgläsern zugeprostet haben, schweißt sie dann Druck von außen zusammen, denn ihre Auftraggeber schicken weitere Lakaien, die das Ehepaar gemeinsam zu ermorden gedenken. Mr. & Mrs. Smith wandelt sich ab diesem Moment zu einer immer noch sehr soliden, schussreichen Actionkomödie, die zuletzt aber zerfahren und ein wenig konzeptlos wirkt. Nach ein paar unmotiviert wirkenden Wendungen rinnt die Handlung zuletzt ohne wirklichen Höhepunkt aus. Für einen Actionfilm ist das enttäuschend, weil es keine rechte Auflösung geben will, für eine romantische Komödie ist es konsequent, endet darin die Handlung doch meist mit einer Hochzeit (oder der Aussicht darauf), also in dem Moment, da im wirklichen Leben die eigentlichen Schwierigkeiten erst beginnen.

Mr. & Mrs. Smith

Doch Regisseur Liman und Drehbuchautor Simon Kinberg betreiben zugleich durch die Hintertür die Demontage der romantic comedy und heben damit Mr. & Mrs. Smith zugleich aus der Masse der ja meist als buddy movies daherkommenden Actionkomödien heraus. Zum einen geben sie nie der Versuchung nach, das streitende Ehepaar Smith einfach in eine harmonische Einheit zusammenführen zu wollen: bis zuletzt streiten sich beide rechthaberisch, während sie sich zugleich ihre Lügen gestehen und, ganz buddies, einander gegenseitig mit Prahlereien von ihren bisherigen Erfolgen zu übertrumpfen versuchen.

Der Film spielt so auch bemerkenswert leichtfüßig, wenn auch nicht immer besonders differenziert mit traditionellen Rollenverteilungen: Insbesondere Jolies Jane weist die ihr zugewiesene Frauenrolle immer wieder zurück – sie ist nicht nur durchsetzungsstärker und weniger gefühlsduselig als ihr Mann, auch das vermeintlich liebevoll gekochte Essen kam jahrelang aus der Dose – während John, ganz Mann, davon nichts gemerkt hat. Wie soll sie auch groß kochen, lagert sie doch in geheimen Fächern in der Küche ihr Waffenarsenal. Dass seines sich im umgebauten Werkzeugschuppen versteckt, ist da noch ein fein ironischer Kommentar auf die klassischen Handlungssphären des brav bürgerlichen Ehepaars.

Von der Institution Ehe bleibt so zuletzt nicht mehr viel übrig. In einem Einrichtungshaus, in dem all das, was zu beschaulichem amerikanischen Familienleben gehört, in Konzentration versammelt ist, von der Kücheneinrichtung bis zur Hollywoodschaukel, findet die letzte Auseinandersetzung mit den Verfolgern der Smiths statt. Nach einem minutenlangen Austausch von Schüssen, Granaten und dergleichen Schießzeugs mehr ist das alles in seine Einzelteile zerlegt, und in den rauchenden Trümmern stehen Rücken an Rücken und mit erhobenen Waffen John und Jane Smith. Ein wirkliches Ende gibt es da nicht; stattdessen macht Doug Liman mit viel Krach die Liebe zu einem Abenteuer zweier gleich starker Partner.

Kommentare


sana

SUPER GEILER FILM!!!
wer ihn nicht schaut, hat selbst schuld.^^






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