Männer im Wasser

Männer in der Krise: Ehemalige Hockey-Spieler treten als Synchronschwimmer bei der Weltmeisterschaft an. Die skandinavische Komödie dreht sich um geknickten Stolz, Angst vor dem nahenden Alter und Kerle mit Badekappen.

Männer im Wasser 05

Aus Schweden erwartet man nicht unbedingt harmlosen Eskapismus, selbst die leichtere Unterhaltung (meist dem Krimi-Genre verpflichtet) ist durchsetzt von einem eher düsteren Blick auf die Welt und ihre Bewohner. Måns Herngrens Komödie Männer im Wasser (Allt flyter) liefert ausnahmsweise mal nicht allzu dunkle skandinavische Schwermütigkeit. Der Film begegnet auf amüsante, wenngleich auch verhaltene Weise einigen immer aktuellen Geschlechterfragen und kehrt sie ad absurdum. Kernpunkt ist die Betrachtung verletzter männlicher Eitelkeit im Angesicht des herannahenden Alters, dem die Figuren unmittelbar gegenüberstehen.

Fredrik (Jonas Inde), der sich beruflich als Sportjournalist in einer der letzten Männerdomänen bewegte, ist mittlerweile arbeitslos und ein wenig von der Zeit überholt. Mit seinen Freunden spielt er in jahrelanger Tradition Hockey, und auch hier werden die Mittvierziger vom herannahenden Matriarchat verdrängt. Will heißen, ausgerechnet eine Frauenmannschaft bekommt den Vortritt für das Nutzungsrecht der Halle, die wiederum von einer matronenhaften Dame verwaltet wird. Selbst im Beruf hat seine Ex-Frau Lotta (Paula McManus) die Nase vorn und bekommt die Chance, international für einen Sportsender zu arbeiten.

Männer im Wasser 09

Um die Genderfragen ins Lächerliche zu verkehren, lässt der Film Fredrik auf eine Idee kommen, die so abseitig ist, dass sie eigentlich auf einer wahren Begebenheit fußen müsste: Er macht aus seinem im Stolz gekränkten Hockeyteam Synchronschwimmer (!) und implantiert die geknickten männlichen Allmachtsfantasien in den wohl androgynsten Sport überhaupt – auch wenn Al Bundy den Begriff „Sport“ hier sicher nicht gelten ließe. Dass es gleich um die Weltmeisterschaft geht, ist Ehrensache, und viel gleichgeschlechtliche Konkurrenz hat die Truppe aus dem eigenen Land nicht zu befürchten, sodass man sich in Windeseile Nationalmannschaft nennen darf. Freilich müssen Hohn und Spott von vielen Seiten abgeschüttelt und der ein oder andere Stolperstein beseitigt werden, bevor es ans harte Training geht.

Das alles wird natürlich weitaus trockener und lakonischer präsentiert als etwa in einem amerikanischen Sportfilm ähnlicher Couleur. Ein Sommerfilm der allerleichtesten Sorte wie etwa Cool Runnings (1993) ist Herngrens Tragikomödie also nicht. Wer eine erbauliche Underdog-Geschichte voll rührendem Pathos genießen will, könnte zumindest irritiert sein angesichts des spröden Finales, das einigermaßen konsequent gegen die Erwartungen inszeniert wurde und mit Aussparungen arbeitet, wo sonst große Momente und Gesten dominieren – man denke nur an schrecklich bornierte Erbauungsfilme wie den kürzlich erschienenen Kitschfetzen Blind Side – Die große Chance (Blind Side, 2009). Zwar feiert auch Männer im Wasser im Genre allseits propagierte Wertvorstellungen wie wahre Freundschaft, die über die Gier nach Ruhm siegt, muss dies aber eben nicht überlebensgroß aufblasen. Fredrik und seine Freunde sind keine Typen, die an sich glauben lernen und damit alles erreichen – für vieles im Leben ist es für sie zu spät, für manches aber auch nicht. Damit gleichen sie den älteren Figuren der zur Zeit stilprägenden Apatow-Komödien, bei denen es sich häufig um infantil und hitzig gebliebene Männer handelt, die sich mehr oder weniger erfolgreich gegen die Tücken des Erwachsenwerdens zur Wehr setzen und damit nicht selten eine vielversprechende Karriere in den Sand setzen.

Männer im Wasser 07

Immer wieder sind es die geschlechtsspezifischen Anspielungen, die dem auf Dauer recht trüben Geschehen Lebendigkeit injizieren sollen, sich letztlich aber auch darin erschöpfen, Männer einen „Frauensport“ ausüben zu lassen. Noch mehr nach gewohntem Muster gestrickt sind die innerfamiliären Konflikte des Films: Die Beziehung von Fredrik zu seiner Tochter Sara (Amanda Davin) im Teenie-Alter verläuft überraschungsarm und bemüht sich manches Mal vergeblich um psychologische Glaubwürdigkeit. Lebensuntüchtig, wie er in vielerlei Beziehung ist, übernimmt Fredrik oft die Rolle des Kindes, während Sara meist erwachsen agiert. Doch das Thema des Generationenkonflikts wird kaum ausgeschöpft. Im Gegenteil, ganz schnell lässt der in seiner Vaterrolle heillos überforderte Fredrik sein anfangs noch recht zickiges Töchterchen auftauen, bis sie letztlich sogar zum großen Motivator und Coach des Teams aufsteigt.

Mit Jonas Inde ist ein charismatischer, hierzulande bisher unbekannter Darsteller an Bord, der mit seinem unverstellt wirkenden, natürlichen Auftreten einen positiven Eindruck hinterlässt. Wie er Fredrik mit Selbstzweifeln und allmählichen Resignationserscheinungen ausstattet, ist sympathisch und kommt fast ohne Anbiederung aus. Bei seinen Team-Kollegen belässt es Herngren dagegen bei einer gut umrissenen Typisierung, für die er einzelne Charakterzüge nur antippen muss, um dem Publikum die Männer nahe zu bringen – schließlich wissen wir, welch gutmütige, wenn auch unvollkommene Kerle einen solchen Underdog-Film bevölkern. Leider machen sich spätestens in der zweiten Hälfte Abnutzungserscheinungen bemerkbar, da der Film primär von seiner skurrilen Grundidee lebt, die oftmals nicht ausreichend unterfüttert wird. Raffinierte inszenatorische Einfälle bleiben größtenteils aus, selbst die leicht biedere Bildgestaltung ist wenig abwechslungsreich, versucht sie doch nicht gerade ambitioniert, sich den Eigenarten des Synchronschwimmens zu nähern.

Männer im Wasser 04

Allzu grobem Unfug geht Männer im Wasser jedoch elegant aus dem Weg und baut auf milden, menschelnden Humor. Dieser geht zwar auf Kosten der Unbedarftheit der Figuren, missbraucht sie aber nicht als bloße Zielscheibe des Spotts. Der Vergleich mit sozialrealistischen britischen Komödien wie Ganz oder gar nicht (The Full Monty, 1997) bietet sich eher an als jener mit „großen“ Sportfilmen, auch wenn Herngren  mehr an maskulinen Neurosen als am Umfeld der Charaktere interessiert ist. Eine genuin skandinavische Note ist immer dann zu vernehmen, wenn Hollywood-Pathos ausbleibt. Herngren mag kein wirklich hell strahlendes Nordlicht gelungen sein, kein Film der großen Lacher, aber immerhin der kleinen Schmunzler.

Trailer zu „Männer im Wasser“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.