Hop - Osterhase oder Superstar?

Vom verborgenen Wunsch, ein Osterhase zu sein: In seiner neuesten Animations-Realfilm-Kombination schickt Tim Hill den Sohn des Osterhasen auf einen Selbstfindungstrip nach L.A.

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Aus unzähligen Geschichten und Filmen haben wir gelernt, dass Santa Claus ein Heer von Wichten und Elfen befehligt, die am Nordpol in mächtigen Fabrikanlagen tagein, tagaus Weihnachtsgeschenke herstellen – zum Beispiel in Robert Zemeckis’ Der Polarexpress (The Polar Express, 2004) –, und dass auch Halloween in einer analog konzipierten Feiertagswelt von allerhand Gruselgestalten vorbereitet wird – so in Henry Selicks Nightmare Before Christmas (The Nightmare Before Christmas, 1993).

Was liegt also näher, als endlich mal klarzustellen, dass auch Ostern vom Osterhasen in einer enormen Geheim-Süßigkeitenfabrik auf der Osterinsel vorbereitet wird? Die emsigen Helferscharen in Hop – Osterhase oder Superstar? sind natürlich keine Wichte, sondern plüschige Küken, die nicht sonderlich helle, dafür aber emsig bei der Sache sind, wenn es um das richtige Mischverhältnis von Marsh und Mellow geht. In dieser Welt regiert der Osterhase – seit Jahrtausenden der Hase mit dem eiförmigen magischen Zepter, das von Generation an Generation weitergegeben wird. Eigentlich ist bald der junge E.B. (kaum überraschend stehen die Initialen für „Easter Bunny“) dran, das Zepter vom Vater zu übernehmen. Doch E.B. hat andere Pläne und will nicht auf vorbestimmten Pfaden wandeln. Kurz: E.B. will Drummer in einer Rock-’n’-Roll-Band werden.

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Doch als Papa Osterhase das Auf-die-Pauke-Hauen final untersagt, flüchtet E.B. ins gelobte Land, also nach Los Angeles. Dort läuft er dem Tagträumer Fred O’Hare (James Marsden) vors Auto. Fred, seinerseits Ende zwanzig, ist gerade vom Familienrat des Hotel Mama verwiesen worden, soll endlich einen bezahlten Job finden, der Familie keine Schande machen und erwachsen werden.

So entspinnt nun Hop – Osterhase oder Superstar? eine temporeiche Fahrt mit Screwball-Anmutungen, in der das optisch ungleiche Paar Fred & E.B. diverse klamaukige und situativ komische Hürden auf dem Weg zur Identitätsfindung nehmen muss. Dabei fungiert das Auftauchen eines echten Osterhasen auch für Fred als Katalysator zur Selbstfindung, will er doch in der Tiefe seiner Seele selbst Osterhase sein. Von solch absurden Haltungen finden sich in diesem – über übliche Saisonkost hinausgehenden – Film mehrere Ansätze: Die plüschigen Küken im Osterreich sind keine Kinder. Ihr Anführer ist Carlos, ein erwachsenes Küken (!), das mit spanischem Akzent spricht und in Wahrheit Ambitionen hat, das Osterhasenzepter nach Ewigkeiten der Ausbeutung der Küken selbst an sich zu reißen. Wo steht eigentlich geschrieben, dass es ein Hase sein muss, der die Süßigkeiten weltweit verteilt? Das ist – besieht man sich die umstrittene Kulturetymologie des Osterhasen überhaupt – ein wunderbar subversiver Einwand.

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Bei Kindern bis zehn Jahren dürften vor allem die knuffig-knuddeligen Animationen der Hasen und Küken, die Süßigkeitenfabrik wie auch die recht turbulenten Slapstick-Elemente für einen erhöhten Spaßfaktor sorgen. Andererseits hält der Film auch einiges für ältere Kinder bereit: Als beispielsweise E.B. eine Bleibe sucht, landet er vor dem Tor der berühmten Playboy-Mansion, die ja bekanntlich seit den 1970er Jahren Zuflucht für zahllose „Bunnys“ ist. Und es ist Hugh Hefner persönlich, der (zumindest in der Originalfassung) E.B. an der Türsprechanlage brüsk abweist. Solche Gags dürften ebenso wie das Wiedersehen mit Knight Rider-Star David Hasselhoff und dessen selbstreferenziellen Sprüchen eher beim erwachsene(re)n Publikum zünden. Gleiches gilt für die kritischen Seitenhiebe auf die Ausbeutung unterprivilegierter Schichten und das tradierte Schablonendenken im Osterreich (denn ein Küken als Osterhase ist einleuchtenderweise undenkbar).

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Der in Kombinationen von Real- und CGI-Animationsfilm erfahrene Regisseur Tim Hill (Alvin und die Chipmunks, Alvin and the Chipmunks, 2007; Garfield 2, Garfield: A Tail of Two Kitties, 2006) versteht es, den computeranimierten Hasen zum tragfähigen Hauptcharakter von Hop auszubauen. Auch James Marsdens Fred ist mehr als nur ein Sidekick zu E.B. Eigentlich ist er – wie der Nachname O’Hare nahelegt – das dramaturgische Alter Ego des Hasen, sinnbildlich für alle großen Kinder, die nicht erwachsen werden wollen, es aber gezwungenermaßen irgendwie müssen. Dass dabei die Figur nie recht Tiefe bekommt und stets nur die ihr zugedachten Schablonen bedient, ist schade, denn dadurch verpufft eine nachhaltigere Wirkung, was aber die Freude beim Anschauen nicht mindert. So ist Hop – Osterhase oder Superstar? ein gelungener saisonaler Filmspaß für Kinder jeden Alters, dem man nachsehen kann, dass er keine Nachwirkungen entfaltet.

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