Findet Dorie

Dreizehn Jahre nach Findet Nemo schwimmen die verschrobenen Outcasts der Meereswelt wieder zwischen Pixar-Ästhetik und Disney-Wertvorstellungen herum.

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In der Disney-Filmografie der letzten 20 Jahre dürfte kaum ein Film so einhellig positiv aufgenommen worden sein wie die Pixar-Produktion Findet Nemo von 2003. Die Geschichte vom verlorenen Sohn, der verzweifelt von seinem Vater gesucht (und schließlich gefunden) wird, erfreute sich bei Kindern wie bei Erwachsenen großer Beliebtheit. Zugleich ist Findet Nemo eines der wenigen Disney-Werke, gegen den es keine Rassismusvorwürfe gab (während Disneys diesjähriger Weihnachtsfilm Vaiana in den USA in dieser Hinsicht schon jetzt in der Luft zerrissen wird). Bei seiner Suche nach Nemo wurde Clownsfisch-Vater Marlin einst von Dorie unterstützt, einem Paletten-Doktorfisch mit Verlust des Kurzzeitgedächtnisses – die nun im Zentrum des Spin-Offs Findet Dorie steht.

Zwischen den Outcasts der Meereswelt

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Bei einer Unterrichtsstunde für Nemo erinnert sich diese Dorie plötzlich, dass sie Eltern hat und mit ihnen im Juwel von Monterey gelebt hat. Gemeinsam mit Marlin und Nemo lässt sich Dorie von der Wasserschildkröte Crush auf einer Strömung nach Kalifornien mitnehmen und macht sich auf die Suche. Als Dorie nach einem Streit mit Marlin gekränkt an die Oberfläche schwimmt, wird sie prompt von Mitarbeitern des nahegelegenen Monterey Bay Aquariums eingesammelt und in Quarantäne genommen. Im Aquarium haben sich die verschiedensten verschrobenen Outcasts der Meereswelt versammelt: der mürrische Kraken Hank, der nur noch sieben Beine hat und sich frei durch die Welt des Aquariums bewegt. Der Belugawal Bailey, der glaubt, dass sein Echolot nicht funktioniert und die Walhai-Dame Destiny, die extrem kurzsichtig ist. Sie alle tun sich zusammen, um Dorie zu helfen. Doch zuerst muss Marlin Dorie wiederfinden – oder genauer: er muss Nemo, den er unterwegs verloren hat, wiederfinden, herausfinden, wo Dorie gelandet ist, Dorie finden und dann Dorie bei der Suche nach ihren Eltern helfen. Aber eigentlich kommt dann ohnehin alles anders als geplant.

Von Pixar zu Disney und zurück

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Dass Findet Dorie oft knapp am zweiten Aufguss von Findet Nemo vorbeischrappt, verzeiht man dem Film dank der bewährten Pixar-Stärken sofort. Die liebenswerten Charaktere (die leider bisweilen aussehen wie das billige Plastik des Merchandise), das kunstvolle Spiel mit der Welt des Meeresinstituts und der Blick auf die Menschenwelt aus den Augen der Fische – all das zeigt erneut, wie sehr Pixar in einer eigenen Liga spielt. Findet Nemo entstand 2003, in jenem Jahr, in dem Disney seine klassische Animationsabteilung nach dem Flop von Der Schatzplanet vorerst schloss. Drei Jahre später, 2006, übernahm Disney Pixar, ein weiteres Jahr später eröffnete das Unternehmen seine klassische Animationsabteilung wieder.

Findet Dorie ist geprägt durch die Kombination aus Pixar-Ästhetik und Disney-Wertvorstellungen: Dories Suche nach ihren Eltern wird zu einer Suche nach sich selbst. Im Verlauf des Films lernen sie und alle ihre Weggefährten, mit ihren Schwächen zu leben. Diese inklusive Botschaft prägt den Film bis zum Ende. Dorie findet in ihren Weggefährten – allen voran Marlin und Nemo – Freunde fürs Leben. Mit dem Zusammenleben mit Marlin und Nemo ist vermutlich so etwas wie eine heterosexuelle Kleinfamilie gemeint, aber im asexuellen, wertkonservativen Disneyuniversum wird das nur angedeutet. Es ist wohl eine Stärke der Suggestionskraft, dass dieses Werteuniversum während des Films keine Rolle spielt – und die heterosexuellen Grenzen der Diversität des Films erst im Nachhinein auffallen. Regisseur Andrew Stanton beherrscht auch dreizehn Jahre nach Findet Nemo noch immer perfekt die Klaviatur der Gefühle und so lädt Findet Dorie trotz allem dazu ein, sich vom freundlichen Leben der Fische davontragen zu lassen.

Von einem, der Würmer fangen muss

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Findet Dorie im Kino zu sehen, lohnt zudem schon wegen des Vorfilms:  Piper erzählt die Geschichte eines jungen Strandläufers, der lernen muss, Würmer am Meeresstrand zu fangen – und dazu die Gefahren des Meeres zu meistern hat, die zwischen ihm und seinem Futter liegen. Der über drei Jahre entstandene sechsminütige Kurzfilm ist die erste Regiearbeit von Alan Barillaro, der seit etwa 20 Jahren in verschiedenen Rollen an Pixar-Filmen mitgewirkt hat. Wurde das Pixar-Kurzfilmprogramm eigentlich entwickelt, um die Animationssoftware zu verbessern und Techniken auszuprobieren, bevor sie in Langfilmen eingesetzt werden, so war es im Falle von Piper und Findet Dorie umgekehrt. In einem Interview mit Vanity Fair gesteht Barillaro, dass Piper vermutlich eher von den Arbeiten am Langfilm profitiert habe als andersherum. Piper ist einer der fluffig-hinreißendsten Kurzfilme, die Pixar je gedreht hat.

Trailer zu „Findet Dorie“


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