Der Knochenmann

Jetzt ist schon wieder was passiert: In Wolfgang Murnbergers dritter, bisher gelungensten Wolf-Haas-Verfilmung ist Kommissar Brenner den Umtrieben in einem Provinz-Gasthof auf der Spur.

Der Knochenmann

Eigentlich will Brenner (Josef Hader) nur seinem Freund Berti (Simon Schwarz) einen Gefallen tun und im Landgasthof Löschkohl in der Steiermark die Mahnung für einen Leasingvertrag abliefern. Den Gesuchten will dort jedoch niemand kennen und auch ansonsten verhalten sich Wirt (Josef Bierbichler) und Belegschaft ausgesprochen auffällig. Darauf beschließt Brenner seinen Aufenthalt auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Nicht weil er mit dem Herzen immer noch an seinem früheren Beruf als Polizist hängt, sondern weil er ohnehin nichts Besseres zu tun hat. Mit der Zeit bekommt der Migräne geplagte Ex-Kommissar nicht nur Einblick in die Streitigkeiten der Familie Löschkohl, sondern wird auch vom Lärm einer Zerkleinerungsmaschine für Hühnerknochen um seinen Schlaf gebracht.

Nach Komm Süßer Tod (2000) und Silentium (2004) ist Der Knochenmann bereits die dritte Zusammenarbeit zwischen Regisseur Wolfgang Murnberger, Autor Wolf Haas und Kabarettist Josef Hader in der Rolle des Ex-Kommissars Brenner. Weitaus düsterer als in den beiden Vorgängern bedient sich Murnberger auch diesmal einer sehr konventionellen Erzählweise. Mit einer auf die Suche nach dem Mörder ausgerichteten Handlung und einer recht gewöhnlichen filmischen Umsetzung funktioniert Der Knochemann ähnlich wie ein aufwändig inszenierter Fernsehkrimi. Als bloßes Whodunnit taugt der Film aber schon allein deswegen nicht, weil der Zuschauer schon nach kurzer Zeit die Identität des Täters kennt. Stattdessen lässt der Film seine Krimihandlung mehrfach in den Hintergrund treten, um sich den Figuren und ihren konfliktreichen Beziehungen untereinander zu widmen.

Der Knochenmann

Der Knochenmann grenzt sich vor allem durch seinen trockenen, sarkastischen Humor von anderen Vertretern des Genres ab. Die förmlichen, aber unterschwellig aggressiven Dialoge zwischen Brenner und der Belegschaft des Wirtshauses sprühen nur so vor ironischem Witz. Josef Hader als stets etwas launischer Anti-Held Brenner ist dabei der unbestrittene Sympathieträger des Films, der mit einem ambitionierten Ermittler kaum etwas gemeinsam hat und der Beweissuche schon einmal einen Joint mit Birgit (Birgit Minichmayr), der Schwiegertochter des Wirts, vorzieht.

Zwischen Brenner und der nicht minder launischen Birgit entwickelt sich dann auch eine Liebesgeschichte, die weder reibungslos abläuft, noch herkömmlichen romantischen Vorstellungen entspricht. Abgesehen von wenigen zärtlichen Augenblicken wird der unglücklich verliebte Brenner vor allem mit Zurückweisungen und Enttäuschungen konfrontiert. Überraschenderweise zählt gerade jener Erzählstrang, der in Krimis meist reichlich konstruiert und aufgesetzt wirkt, im Knochenmann dank seiner beiden großartigen Schauspieler zu den Höhepunkten. Auf die slowakischen Zuhälter, die nicht mehr als dümmliche Klischees darstellen und für den weniger subtilen Humor des Films stehen, hätte man hingegen verzichten können. Dafür gelingt es dem Film am Ende noch auf eine für das Genre erstaunlich sensiblen Weise eine Transgender-Thematik einzubeziehen, ohne sie auf ihre Funktion als dramaturgischen Überraschungseffekt zu beschränken.

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Kommentare


Father Ted

"Der Knochenmann" spielt in der Steiermark, nicht in Niederoesterreich. Kommen wirklich "slowakische" Zuhaelter vor - Slowenien wuerde geografisch naeher liegen...


Frédéric

Father Ted,
vielen Dank für den Hinweis. In Niederösterreich wurde der Film gedreht, tatsächlich spielt er aber in der Steiermark. Den Fehler haben wir behoben. Die Zuhälter sind allerdings tatsälich slowakisch, der Film spielt sogar kurz in Bratislava.


butterblume

hader, haas, murnberger und musik von den sofa surfers...ziemlich gute kombi. und auch das zusammenspiel von schwarzer komödie, thriller und liebesgeschichte ist dieser verfilmung echt gut gelungen. nur kanns passieren, dass man nach dem film zum vegetarier wird..:)


Milena

Ich komme vom Land und lebe seit einigen Jahren in Wien. Wenn man beide Seiten kennt, ist dieser Film ein wahrer Traum – man hat das Gefühl, die Situationen und die Atmosphäre an den verschiedenen Schauplätzen selbst gut zu kennen und umso stärker äußert sich dann der Lachreiz in den vielen humorgeladenen Szenen.


prot

Jetzt ist schon wieder was passiert. In Hollywood räumt ein Low Budget-Film mit brachialem Kassenmagnet-Ensemble aus indischen Laiendarstellern 8 Oscars ab und vor den deutschen Kino-Gerichten wird derzeit mit erdrückender Beweislage festgestellt, dass sich der Joel und der Ethan auf eine späte Familienzusammenführung gefasst machen müssen. Warum die herzlosen Erzeuger ihre drei anderen Kinder ausgerechnet in die Alpenrepublik verkauft haben, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Doch die Genetik lässt sich nicht einmal von Salzburger Nockerln und DJ Ötzi ins Handwerk pfuschen, sie setzt sich immer durch. Die verlorenen Söhne heißen Wolf, Wolfgang und Josef und liefern mit „Der Knochenmann“ den schwarzhumorigsten, morbidesten, (mitunter ekelerregendsten), gleichzeitig aber auch traurigsten Film, den die Coens nicht gedreht haben.

„Jetzt ist schon wieder was passiert.“ – Mit diesem Satz beginnt jeder der mittlerweile acht Romane des österreichischen Kultkrimi-Autors Wolf Haas um den lakonischen Ex-Bullen und Teilzeit-Privatschnüffler Simon Brenner, der unter der Regie von Wolfgang Murnberger nach „Komm, süßer Tod“ und „Silentium“ bereits zum dritten Mal in vollendet-verknittert-verlorener Gestalt von Österreichs Star-Kabarettisten Josef Hader über die Leinwand stapft. Der immer leicht verkaterte, mundfaule, kettenrauchende Brenner wird diesmal als Geldeintreiber für eine Inkasso-Firma in die Provinz geschickt. Die Suche nach dem Schuldner Horvath führt den Brenner zur Hendl-Gastwirtschaft „Löschenkohl“, wo der Horvath zuletzt gesichtet worden war. Doch dort zeigen sich weder der Wirt (Josef Bierbichler), noch sein Sohn (Christoph Luser) oder dessen Gattin (Birgit Minichmayer) sonderlich kooperativ. Also muss der Brenner doch a bisserl ermitteln und gerät bald nicht nur in die Arme der Juniorchefin, sondern beinahe auch ins Räderwerk der hauseigenen Knochenmühle.

Dass schon wieder was passiert ist, „kann man ihm im Grunde nicht mal übel nehmen, dem alten Löschenkohl. Weil da sagen die einen, der Sex ist schuld, andere sagen, es ist die heutige Zeit, und die Vegetarier meinen, es ist das Fleisch. Aber pass auf, was ich dir sage: Es wäre überhaupt nichts passiert - ohne die Liebe.“ Ein Intro, das die folgenden 121 Minuten letztendlich gut resümiert. Denn einen Film über die Liebe wollten Haas, Murnberger und Hader nach eigenen Angaben auch drehen. Ein derart romantisches Ansinnen verbunden mit mäßig Kulinarischem und mächtig Kannibalischem - genauso könnte man wohl „Fargo“ als Geburtsvorbereitungskurs bezeichnen – aber irgendwie ist er das ja auch.

Wer klassische Whodunit-Krimikost erwartet, ist hier falsch. „Der Knochenmann“ funktioniert über seine Atmosphäre und sein Skurrilitätenkabinett voller denkwürdiger Charaktere. Diese auf der Leinwand zum Leben zu erwecken, braucht es allerdings mehr als nur ein gutes Drehbuch. Vor allem der Totmacher im Liebestaumel Löschenkohl bedurfte eines Schwergewichts, diese unmenschlich-menschelnde Hantel auch zu stemmen. Fündig wurde man im benachbarten Bayern in bulliger Gestalt von Schauspieltitan Josef Bierbichler. Doch auch das restliche Ensemble muss sich alles andere als verstecken: Birgit Minichmayr, für „Alle Anderen“ soeben mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet, spielt wunderbar authentisch, und Christoph Luser als Löschenkohl-Sohn Pauli brilliert nicht minder beeindruckend in der Ösi-Variante zum schwächlichen Fredo Corleone.

Akustisch vollendet wird das köstliche Menschenfleisch-Gulasch wie schon seine Vorgänger von den atmosphärisch-triphopigen Sounds der galaktischen „Sofa Surfers“, die an dieser Stelle jedem Musikfan wärmstens empfohlen seien. Es versteht sich von selbst, dass die Jungs ebenfalls aus Österreich stammen – es ist doch nie zu spät, selbst tief im Unterbewusstsein manifestierte Nachbarschafts-Vorurteile schwungvoll über Bord zu werfen.

"Wir garantieren, dass während der Dreharbeiten keine Tiere verletzt, keine Menschen oder Tiere getötet und keine Menschen gegessen wurden", steht im Abspann. Dem ist vielleicht nur noch hinzuzufügen, dass ich von einer zu ausgiebigen Mahlzeit vor dem Kinobesuch abraten würde. Haas, Murnberger und Hader sind cinematografische Serientäter aus der fröhlichen Forensik-Abteilung. Wie schreibt ein Kritiker so trefflich: Gäbe es nicht bereits eine Band mit Namen "Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune", die drei netten Spinner würden diesem Titel alle Ehre machen.

Also Joel und Ethan, findet Euch langsam damit ab, welch prophetischen Film Ihr 1987 gedreht habt! Die Arizona-Fünflinge – das seid Ihr beide und der Wolf und der Wolfgang und der Josef. Es wird Zeit, dass Ihr endlich zusammenfindet – damit vielleicht bald noch was viel Größeres passiert.


Otto Schwester

Dieser Film ist Nicht schlecht auch wenn fieles nicht übereinstimmt mit dem Buch. Aber das Buch finde ich Besser als den Film wenn ich ehrlich bin.






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