Blind Wedding

Nach einem Blitz-Antrag an eine Unbekannte ist Anderson (Jason Biggs) auf dem Weg zum Traualtar. Zum Figurenreichtum dieser Komödie zählen ein im Knast sitzender Schwiegervater in spe, sexsüchtige Eltern und ein russischer Schwertschlucker. Lustig ist das aber nicht.

Blind Wedding

Es trifft sich gut, dass A.O. Scott, Filmkritiker bei der New York Times sich gerade ausführlich über die nachlassende Qualität von romantischen Komödien beschwert hat. In die Reihe von Filmen, die er nennt – darunter 27 Dresses und Dan - mitten im Leben – hätte auch diese Hochzeitskomödie von Schauspieler und Comedy-Autor Michael Ian Black gepasst. Dass Scott sie nicht erwähnt, ist allein der Tatsache geschuldet, dass Blind Wedding (Wedding Daze, zuvor gehandelt unter dem Titel The Pleasure of Your Company), in den USA nie in die Kinos gekommen ist. Nun läuft der bereits 2006 gedrehte Film in Deutschland an.

Blind Wedding

Anderson (American-Pie -Star Jason Biggs) macht seiner attraktiven Freundin den so ziemlich peinlichsten Heiratsantrag, den man sich vorstellen kann, worauf sie an einer Herzattacke stirbt. Der niedergedrückte junge Mann trauert ihr hinterher, bis sein bester Freund ihn ein Jahr später bei einem Essen im Diner auffordert, endlich eine neue Frau zu suchen. Um zu demonstrieren, wie sinnlos das ist, macht Anderson umgehend der Kellnerin Katie (Isla Fisher) einen – diesmal nicht peinlichen, sondern angenehm knappen – Heiratsantrag. Und die sagt - ja. Speed-Dating ist nichts dagegen.

Katies spontaner Entschluss hat weniger mit Andersons gutem Aussehen zu tun, als vielmehr mit ihrem Verlobten William, vor dessen Avancen sie instinktiv flieht. Dieser William, eine von Chris Diamantopoulos hilflos zappelnd gespielte Nervensäge, ist nicht die einzige Figur, vor der man auch als Zuschauer Reißaus nehmen will. Mit einem exzessiven Willen zum Schrillen schlagen Drehbuch und Schauspieler weit über die Stränge – darunter Joe Pantoliano als Katies im Knast sitzender Vater und vor allem Andersons Swingerclub-Eltern, die ungefragt allerlei Einblicke in ihr ausschweifendes Sexualleben gewähren.

Blind Wedding

Manches erinnert an die Komödien der Farelly-Brüder (Verrückt nach Mary, There`s Something About Mary, 1998). Aber es gibt nur wenige Gags, die wirklich zünden; meist übrigens die, die eher lakonisch daherkommen. Gelungene Charaktere sind dagegen Katies russische Artisten-Freunde Matador und Jane (Ebon Moss-Bachrach und Heather Goldenhersh), die als waschechte Bohemiens eigentlich die Verrücktesten in dem ganzen Haufen sind, im Kontrast zu all den spießigen Verhaltensauffälligkeiten der anderen Figuren aber am normalsten wirken. Und denen man als einzige gerne zusieht.

Auch wenn Biggs und die bezaubernde Fisher in den Hauptrollen zaghaft und stolpernd versuchen, sich kennenzulernen, gewinnt der Film an Charme. Aber nur, um in der nächsten Szene wieder zu wenig originell inszenierten und viel zu offensichtlichen Scherzen zurückzukehren.

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