Blastfighter

Blastfighter verknüpft die aus US-Filmen wie Rambo bekannte Melancholie über verlorene Maskulinität mit der unbeirrten Virilität europäischer Genrefilme der späten 70er und frühen 80er.

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Was bedeutet es, ein Mann zu sein? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer Reihe von Filmen der 1970er und 80er, die von Peckinpahs Wer Gewalt sät (Straw Dogs, 1971) über Boormans Beim Sterben ist jeder der Erste (Deliverance, 1972) bis zu Ted Kotcheffs Rambo (First Blood, 1982) reichen. Auch wenn sie kein eigenes Genre bilden, sind sie thematisch doch eng verknüpft und geben auf die Frage alle dieselbe Antwort: Ein Mann ist der, der Krieg führt.

Für ein Rehkitz in den Krieg

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Auch Lamberto Bavas Blastfighter, 1984 im Zuge des Rambo-Hypes gedreht und ursprünglich einmal als Science-Fiction-Film geplant, beantwortet die Frage so. Der Film beginnt mit einem großen Versagen: Jake „Tiger“ Sharp (der großartige Michael Sopkiw), ein ehemaliger Cop, will den Mörder seiner Frau töten. Doch als er ihn endlich in seinem Fadenkreuz stehen sieht, schafft er es nicht abzudrücken. Voller Wut, Selbstvorwürfe und Selbsthass zieht Sharp sich in eine Waldhütte in seiner alten, ländlichen Heimat in den Appalachen zurück. Als er dort beim Jagen beobachtet, wie leicht der verkommenen Landjugend das Töten von Tieren von der Hand geht, ist ihm jede Gelegenheit recht, um einen Krieg gegen die vorlauten Hillbillys vom Zaun zu brechen. Beide Seiten schaukeln sich hoch, bis der Konflikt schließlich eskaliert. Am Ende stehen Sharp, seine Tochter und zwei Freunde einer Übermacht von bewaffneten Landeiern gegenüber. Den Showdown hat Bava inszeniert wie den Kampf einer Armee, die ein versprengtes Grüppchen von Guerilla-Kämpfern in der Wildnis verfolgt.

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Zwischen den trocken und rough inszenierten Kampfszenen finden sich in Blastfighter immer wieder Momente ungelenker Zärtlichkeit. Sharp adoptiert ein Rehkitz und füttert es mit einer Babyflasche, staksig stolpert es umher, während der Ex-Cop seine Waffe verstaut. Dass die Bauernjungen dieses unschuldige Geschöpf niedermetzeln, ist denn auch der letzte Auslöser des Krieges. Und in Blastfighter herrscht ein hemdsärmeliger Humor, wenn Sharp seine Tochter am Gürtel packt und durch die Gegend trägt, während sie ihn als „männlichen Chauvinisten“ beschimpft. Das Bild von Männlichkeit, das der Film zeichnet, ist eines, in dem Awkwardness und Härte, Zärtlichkeit und Brutalität gleichermaßen ihren Platz haben. Die amerikanische Melancholie angesichts einer verlorenen Maskulinität, die Filme wie Rambo prägt, vermischt sich in Blastfighter mit einer unbeirrten Virilität, wie man sie in vielen europäischen Genrefilmen der späten 1970er und frühen 1980er findet.

Mehr Gespenst als Mann

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Am Ende des Films fährt Sharp als siegreicher Krieger mit seinem Pickup in die Kleinstadt ein. Die Leichen der geschlagenen Hillbillys hat er auf der Ladefläche gestapelt, genauso wie sie zuvor die Kadaver der getöteten Rehe auf ihren Pickups gestapelt hatten. Am Ende hat er sich doch als der größere Jäger bewiesen. Doch der Sieg ist kein Triumph. Sharps Tochter ist tot, die Hoffnung auf ein neues Zuhause hat er selbst gebrandschatzt. Wie John Rambo und David Sumner ist Sharp fortan dazu verdammt, als Schatten durch die Welt zu wandern, begleitet vom immer gleichen Kenny-Rogers-Song, mehr Gespenst als Mann. Der Krieg gegen sich selbst ist einer, den niemand gewinnen kann.

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