King of Comedy

Bisher kannte man King Hu als Regisseur von meisterhaft inszenierten Wuxia-Filmen. Beim Far East Film Festival konnte man ihn nun als routinierten Schauspieler mit ausgeprägtem komischem Talent erleben.  

Touch of Zen

Es hat sich bis weit über die Grenzen Hongkongs herumgesprochen, dass King Hu zu den wichtigsten Regisseuren des Wuxia-Genres zählt. Mit atemberaubend choreografierten und geschnittenen Kampfszenen, aber auch seinem unermüdlichen Interesse für die traditionelle chinesische Kultur hat er es nicht nur in den Wettbewerb von Cannes geschafft, sondern auch die Blaupause für einen internationalen Erfolg wie Tiger and Dragon (Crouching Tiger, Hidden Dragon, 2000) geliefert. Begleitend zur Veröffentlichung von Roger Garcias Publikation King Hu in His Own Words standen in Udine drei Filme auf dem Programm. Bemerkenswert daran war, dass es neben den Klassikern Ein Hauch von Zen (Xia nu, 1971) und Regen in den Bergen (Kong shan ling yu, 1979) auch die im Westen seltene Gelegenheit gab, ein anderes Talent von King Hu zu entdecken. Immerhin war Hu vor und während seiner Karriere als Regisseur auch ein äußerst produktiver Schauspieler für das Studio der Shaw Brothers. In Ho Meng-Huas My Lucky Star (Fu xing gao zhao, 1963) konnte man sich etwa von seinem ausgeprägten komischen Talent überzeugen.

Der Film handelt von einem wehleidigen Fabrikbesitzer, der fest an einen Zusammenhang zwischen Physiognomie und Schicksal glaubt. Weil er klein und pummelig ist, hält er sich für ein regelrechtes Glückskind. Sein Gehalt und seine bildschöne Frau scheinen ihm dabei recht zu geben. Doch dann holt ihn die Wirklichkeit ein, bringt Wohlstand und Ehe in Gefahr und treibt den blasierten Industriellen schließlich zu einem Selbstmordversuch.

My Lucky Star 1

My Lucky Star ist der Beweis dafür, dass bei den Shaw Brothers nicht nur tolle Martial-Arts-Filme produziert wurden. In ihren Studios entstand eben auch solch eine schwarze Komödie, die ihren größten Erfolgen näher ist, als man zunächst denken könnte. Denn auch My Lucky Star ist reines Körperkino, nicht nur, weil er auf den menschlichen Körper als Ausdruck von Komik setzt, sondern auch, weil die äußere Verwandlung des Antihelden im Mittelpunkt der Handlung steht. Als der Fabrikbesitzer nämlich in die Hände von Gangstern gerät, wollen diese seine Lebensmüdigkeit für ihre Zwecke nutzen. Mit Muskeltraining, verwegenem Schnauzer und protzigem Brusttattoo soll er zum Doppelgänger des skrupellosen Anführers werden, um schließlich stellvertretend für ihn zu sterben. Unnötig zu erwähnen, dass das Versuchskaninchen im Laufe seiner Metamorphose plötzlich wieder Appetit aufs Leben bekommt.

My Lucky Star 2

Hu gelingt in My Lucky Star nicht weniger als eine gestische und mimische Meisterleistung. Notorisch ungeschickt und dauernervös stammelt er sich von einem Missgeschick zum nächsten, reißt immer wieder entsetzt die Augen auf und versucht sich, meist erfolglos, aus seinem gegenwärtigen Schlamassel zu befreien. Doch auch neben ihrem prominenten Hauptdarsteller ist die rasante Komödie ein großer Spaß, vor allem dann, wenn sie sich Zeit für ihre virtuosen, nonverbalen Nummern nimmt. Für die vielleicht eindringlichsten, mit Sicherheit aber seltsamsten Momente sind zwei Kinder verantwortlich, die der eigentlichen Handlung kaum dienen. In einer Szene betrinken sie sich und lassen sich zu einer zügellosen Tanzperformance hinreißen, in einer anderen strecken sie die Bösewichte mit Pistolen nieder. Der anarchische und wahnwitzige Humor, der My Lucky Star auszeichnet, kommt hier gut zur Geltung, durch zwei kleine Jungen, die letztlich nicht mehr tun, als sich die Privilegien der Erwachsenen herauszunehmen. 

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