Pierre Richard & Gérard Depardieu – Trilogie

Die DVD auf der Überholspur. Uralt-TV-Serien kommen in glänzenden Boxen daher, Regisseure bringen ihre Director’s Cuts heraus, Studios werfen ihre Best-Of und Klassiker scheinbar wahllos in Schuber. Diese Woche nun erscheint eine Edition, die gemeinsame Werke des französischen Schauspielergespanns Pierre Richard und Gérard Depardieu, allesamt unter der Regie Francis Vebers, aufweist. Dem Betrachter öffnet sich eine Tür in die Niederungen der achtziger Jahre, wo aus heutiger Sicht alles so anders, ja seltsam war. Es stellt sich jedoch die Frage, warum der eigentliche Star, zumindest des ersten Teils (Der Hornochse und sein Zugpferd), Pierre Richard mittlerweile in der Versenkung verschwunden ist, wohingegen sein Widerpart Depardieu heute im globalen Rampenlicht steht und Regisseur Veber noch immer zu Frankreichs gefragtesten Komödienlieferanten zählt.
 

Die vorliegende Trilogie steht passender Weise ganz im Zeichen eines Trios. Francis Veber war 1972 Koautor des großen Pierre Richard-Durchbruchs Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh (Le grand blond avec une chaussure noire). In den folgenden Jahren zeichnete er für die Drehbücher zweier Starvehikel mit Frankreichs Liebling Belmondo und für einen Polizeifilmklassiker mit Lino Ventura verantwortlich, ehe er bei Le Jouet 1976 erstmals Regie führte. Ein Film, ganz zugeschnitten auf den mittlerweile unumstrittenen Star des französischen Komödienfachs – Pierre Richard. Insofern etablierte sich Veber schnell als ein Mann des Mainstream-Starkinos und ordnete seine Stoffe wie auch seine Regie deutlich den alles dominierenden Akteuren unter.

Einen völlig anderen Weg hatte zur selben Zeit Gérard Depardieu eingeschlagen, der sich in einer Nische etablierte, die das französische und europäische Kino nach den großen Erfolgen der Nouvelle Vague zu füllen suchte. Unter Regie der literarischen Ikone des Nouveau Cinéma, Marguerite Duras, ordnete sich der junge Akteur völlig den formalen Experimenten in Nathalie Granger (1972), Baxter, Vera Baxter (1977) und vor allem Der Lastwagen (Le Camion, 1977) unter. Populär wurde er allerdings als grobschlächtiger Rüpel in Filmen, die mehr auf inhaltliche Provokation setzten, wie Les Valseuses (1974) und Marco Ferreris Die letzte Frau (La dernière Femme, 1976). Problemlos integrierte er sich auch bei Bertoluccis 1900 (1975) und avancierte schließlich zum Protagonisten in Truffauts meisterlichen Spätwerken Die letzte Metro (Le dernier Metro, 1980) und Die Frau nebenan (La Femme d’à côté, 1981).

Gefeiert als großer Charaktermime wagte er 1981 die Zusammenarbeit mit Veber und Richard in Der Hornochse und sein Zugpferd (La Chèvre) – ganz klar als Sidekick des absoluten Kassenmagnaten, wie schon der französische Originaltitel und die Reihenfolge der Namensnennung innerhalb der Eingangssequenz verdeutlichen.

Richard steht völlig im Zentrum dieses Films, wo er seine Trotteligkeit fast im Stile eines französischen Jerry Lewis ausleben darf. Sein Auftritt kündigt sich klassisch über die Tonebene an – mit Geschepper im Hintergrund. Der vom Pech verfolgte und beinahe lebensunfähige Buchhalter Perrin soll sich einen Stuhl aussuchen und wählt prompt den defekten, um, wie so oft in den Richard-Filmen, auf dem Hosenboden zu landen. Damit qualifiziert er sich für den Job, die Tochter seines Chefs zu suchen, denn die zeichnet eine „lebenslange Pechsträhne“ aus und ein Pechvogel zieht bekanntlich den nächsten an. Deshalb ist auch der ursprüngliche deutsche TV-Titel Ein Tolpatsch kommt selten allein viel treffender, als die an Bud Spencer und Terence Hill angelehnte Neubetitelung. Die Verbindungen zu eben jenem komödiantischen italienischen Starduo der siebziger Jahre sind jedoch evident. Wie in vielen ihrer Filme, etwa Das Krokodil und sein Nilpferd (Io sto con gli ippopotami, 1979), beginnt und endet auch Vebers Film in exotischer Kulisse. Da ist man erinnert an seine Erfahrungen mit Belmondo, der vor allem in Abenteuer in Rio (L’Homme de Rio, 1964) und Die tollen Abenteuer des Monsieur L (Les Tribulations d’un chinois en Chine, 1965) kalauernd und actionreich durch die Weltgeschichte reiste. Offensichtlich steht vor allem der erste Film Pate, denn auch Der Hornochse und sein Zugpferd beginnt mit einer Entführung. Es mag den altimperialistischen und kolonialen Tendenzen der Franzosen geschuldet sein, dass sie jene Form von Exotismus (hier Mexiko und Acapulco) als Hintergrund wählen, der auch tatsächlich wunderbar fotografierte Bilder erzeugt, die sich allerdings so gar nicht in das sonstige formale Konzept des Filmes einbinden lassen wollen. Das konzentriert sich völlig auf Situationskomik und Dialoge, die oftmals im Off zu hören sind. In ihnen wird dann auch das Verhältnis der Schauspieler thematisiert – Perrin sieht den wesentlich fähigeren Detektiv Campana (Depardieu) als seinen Assistenten, spielt den Chef. Ihm gehört die Show. Vor allem, wenn er seinen Schuh verliert und damit an den größten eigenen Erfolg erinnert, oder wenn er am Telefon einen vermeintlichen Clou organisiert, der sich später wieder als Fettnäpfchen herausstellt. Wie er in dieser Szene den Selbstsicheren, Überlegenen und Coolen mimt, gleichzeitig die eigene Beschränktheit offenbarend, das erinnert an eine denkwürdige Szene in Carl Reiners Reichtum ist keine Schande (The Jerk, 1979) mit Steve Martin.

Die nach amerikanischem Vorbild angelegten Buddies Richard und Depardieu waren jedenfalls so erfolgreich und populär, dass es zu zwei Fortsetzungen kam, in denen der mehr und mehr global erfolgreiche Depardieu seinem alternden Compagnon jedoch zunehmend den Rang ablief. In derselben Mixtur aus derben Sprüchen, etwas, zum Teil unmotivierter, Action, bei der es dazugehört, dass der eine oder andere auch mal stirbt und ein wenig Gutmenschelei, agierten die beiden Mimen noch in Zwei irre Spaßvögel (Les Compères, 1983) und Die Flüchtigen (Les Fugitifs, 1986). Dort legt sich wieder der lebensuntüchtige Richard auf die Nase, während Depardieu Kopfnüsse verteilt. Der letzte Film wurde von Regisseur Veber selbst in Hollywood neu inszeniert (Das Bankentrio, Three Fugitives, 1988) und auch Depardieu etablierte sich zu der Zeit in den USA. Während er sich in den unterschiedlichsten Rollen und Filmen gleichzeitig einem großen Publikum und den Kritikern empfehlen konnte, wurde es um Richard still. Veber, dem er einst zur Regie verholfen hatte, hielt sich an der Spitze des Geschäfts, drehte weiter mit Depardieu, unter anderem den erfolgreichsten französischen Film des Jahres 2001, Ein Mann sieht rosa (Le Placard).

Insofern bietet die vorliegende Box auch einen melancholischen Blick auf Höhepunkt und Ausklang des Starkomikers Richard sowie eine Erinnerung an die entscheidende Phase in der Karriere Depardieus, die ihm den Weg zum Allesspieler ebnete.

Kommentare zu „Pierre Richard & Gérard Depardieu – Trilogie“


Tomtillo

"Der Hornochse und sein Zugpferd" ist eine primitivere Synchronisation, die der orginalgetreueren sehr nachsteht. Entsprechend dem plumpen Titel wurde wohl versucht den Film platt zu bügeln und auf Bud Spencer Art zu trimmen. Das ist ebenso unnötig wie Clint Eastwood auf John Wayne zu synchronisieren, aber vielleicht wollte man sich so einem breiteren Publikum anbiedern.
"Ein Tollpatsch kommt selten allein" ist inhaltlich schlüssiger und besitzt die nötige Portion Feinsinn um den Film echt genießen zu können.


Wilm

Diese DVD hat 2 deutsche Tonspuren (ich hatte sie mal - verliehen - nie wiederbekommen...)- man suche sich seine aus. Ich empfinde auch die 'originale' für viel besser...






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