Förderpreis Deutscher Film - Keine Preise für Regie und Drehbuch

Eine richtige Entscheidung

Zum ersten Mal in der 20-jährigen Geschichte des „Förderpreis Deutscher Film“ weigerte sich die Jury, Preise in den Kategorien Regie und Drehbuch zu verleihen.

Es kommt der Tag

Das Filmfest München hat uns in diesem Jahr bislang in vielerlei Hinsicht verwöhnt.
Die Detonationen in Kathryn Bigelows Tödliches Kommando (The Hurt Locker) hallen nach und mit James Grays kolossalem Liebesdrama Two Lovers war gleich ein zweites, nicht minder aufwühlendes Highlight der Saison 2008/2009 im Programm vertreten. Aber nicht nur die Produktionen von Weltformat überzeugen. Auch deutsche Kinobeiträge können sich sehen lassen – etwa Susanne Schneiders Es kommt der Tag und Die Anwälte von Birgit Schulz. Beides Auseinandersetzungen mit der deutschen Geschichte, insbesondere des Linksterrorismus, die nicht zur Lehrstunde verkümmern, sondern kraftvoll und aktuell erzählen. Beides aufregende und Aufsehen erregende Kinoregiedebüts – die allerdings aufgrund zum Teil fragwürdiger und kontraproduktiv restriktiver Regularien nicht für den Förderpreis Deutscher Film nominiert waren.

Armee der Stille – La Isla Bonita

In der vom Filmfest vorgegeben Vorschlagliste fanden sich mit dem ambitionierten Blindlings und dem desaströsen Armee der Stille – La Isla Bonita zwei der größten Zumutungen des gesamten Programms. Mit Diamantenhochzeit war zusätzlich eine immerhin noch nett gemeinte und teilweise unterhaltsame schwarze Komödie auf TV-Niveau nominiert. Die dreiköpfige Jury um Regisseurin Caroline Link traf die einzige logische und konsequente Entscheidung: In den beiden Kernkategorien Regie und Drehbuch wurde niemand ausgezeichnet. Folgerichtig wurden nur das Familiendrama Draußen am See und der Jugendsportfilm Hangtime – Kein leichtes Spiel mit Preisen versehen.

Richtig auch der Juryhinweis, dass dieses Problem nicht ganz neu sei. Schaut man sich die Preisträger der vergangenen Jahre an, stechen nur ganz wenige Filme wie Jan Bonnys Gegenüber heraus.

Kommentare zu „Förderpreis Deutscher Film - Keine Preise für Regie und Drehbuch“


Thorsten

Was sind denn die "zum Teil fragwürdigen und kontraproduktiv restriktiven Regularien"? Das will man ja schon wissen, wenn man das liest. Soweit ich weiß, ging es unter anderem um das Alter der Regisseure?


Wolfgang

Lieber Herr Keilholz,
ich musste mich gerade sehr über ihren Artikel ärgern!!!
Viele der nominierten Filme haben bewiesen, dass in ihnen Talent steckt. Und genau darum geht es beim Förderpreis Deutscher Film- eben um FÖRDERUNG. Nicht um Perfektion. Nicht um den Deutschen Filmpreis oder den Oscar…
Viele dieser Filme sind mit wenig Mitteln entstanden und das tolle ist ja, dass diese Filme auf dem Filmfest München eine Chance bekommen, gezeigt zu werden. Es ist leicht, darüber zu urteilen, oder zu sagen, es wären grosse Zumutungen dabei, aber in vielen dieser Filme steckt mehr Herzblut als in ihrem Artikel. Viele der Filmemacher stehen noch am Anfang und haben eben nicht jenes Geld zur Verfügung, was Frau Caroline Link bei ihren Filmen hatte. Es geht um die Förderung von Talent. Und dass dies in keinem der nominierten Filme stecken soll, ist eine Ohrfeige für den gesamten Deutschen Filmnachwuchs.


Sascha Keilholz

Lieber Wolfgang,

niemand bezweifelt, dass in den Filmen Herzblut steckt. Gerade blindlings wirkt äußerst ambitioniert. Natürlich ist es immer eine Leistung, einen Film überhaupt zu finanzieren und zu produzieren. Gerade critic.de räumt immer wieder kleineren, gerade deutschen Filmen, großen Raum ein - auf der Seite und in Form von Filmreihen. Da unser Herz für Kino schlägt, blutet einem allerdings gerade dasselbige, wenn talentfrei, ohne überzeugendes ästhetisches Konzept und Fähigkeit zum Erzählen, Filme gedreht werden. Und genau darauf hinzuweisen ist die Aufgabe des Kritikers - denn die wirklich sehenswerten Filme (und die gab es in dieser Sektion, wie ich ja bereits geschrieben habe) können nur dann gefördert werden, wenn man nicht blindlings alles lobt.
Im von mir besuchten Screening des genannten Films - keine Pressevorführung - gab es übrigens geradezu eine Fluchtbewegung. Zwischendurch verließen so viele Zuschauer auf einmal das Kino, dass die Leute draußen dachten, die Vorstellung sei vorüber. Da hat das Publikum ein gutes Gespür - und weder die Kritiker, noch die jury vertreten eine Einzelmeinung.
Wenn ich einen Film wie La Isla Bonita/Armee der Stille sehen muss, gerät mir allerdings das Herzblut in Wallung. Da fehlen mir aber eigentlich die Worte.
Es wird Zeit, sich anderem zu widmen.


Sascha Keilholz

Lieber Thorsten,

entschuldige bitte die späte Rückmeldung - Filmfest ist Ausnahmezustand!
Tatsächlich gibt es unter anderem eine Altersbeschränkung.
Auf der Website der Hypovereinsbank sind die kompletten Regularien einsehbar:
foerderpreis.hypovereinsbank.de


Filmfan

Also einen Filmwie "Armee der Stille" nur fertig zumachen, weil man ihn nicht versteht, ist schon armseelig für einen Kritiker. Ich hatte heute das Glück, den Film zu sehen und muss sagen: grossartig! Da traut sich einer mal was und macht nicht den Mainstream, wie es vielleicht Caroline Link gerne hätte! Chapeau!!!






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