Mitternachtszirkus
Ein Vampirfilm, der sich nicht viel ums Blutsaugen kümmert: Immerhin in dieser Hinsicht ist Mitternachtszirkus nach einer Romanreihe von Darren Shan eine angenehme Abwechslung.
Darren Shan (Chris Massoglia) führt ein eher uninteressantes Leben, und seine Eltern hätten nichts dagegen, wenn das so bliebe. Sie haben für den Teenager einen guten Schulabschluss, einen ordentlichen Beruf und schließlich ein geordnetes Familienleben vorgesehen. Als Darren und seinem Freund Steve (Josh Hutcherson) allerdings ein Flugblatt des „Cirque du Freak“ vor die Füße fliegt, machen sich die beiden Freunde trotz aller Verbote auf, einen echten Wolfsmenschen, eine Wahrsagerin mit Bart und andere menschliche Kuriositäten zu sehen; eine Darbietung aber beeindruckt sie besonders: die dressierte Spinne des geheimnisvollen Larten Crepsley (John C. Reilly).
Dann überschlagen sich rasch die Ereignisse: Der Spinnenfan Darren stiehlt Crepsleys Spinne, als aber Steve nach einem Biss des Tiers ins Koma fällt, verpflichtet er sich im Austausch gegen das Antidot, Crepsley fortan als Assistent auf seinen Reisen zu begleiten – was auch bedeutet, dass er sich von ihm in einen Halbvampir verwandeln lassen muss.
Mitternachtszirkus – Willkommen in der Welt der Vampire (Cirque du Freak – The Vampire’s Assistant) ist ein ziemlich durchsichtiger Versuch, auf der Erfolgswelle etwa der Twilight-Filme (2008/2009) und der Fernsehserie True Blood (seit 2008) mitzureiten. Wie die beiden genannten Vorbilder, die nach Büchern von Stephenie Meyer beziehungsweise Charlaine Harris entstanden sind, liegt auch diesem Film mit Mitternachtszirkus (The Vampire’s Assistant, 2001-2006) von Darren Shan (eigentlich Darren O’Shaughnessy) eine Romanserie zugrunde.
Allerdings richten sich Shans Geschichten an ein noch jüngeres Publikum als Meyers romantische Teenagerphantasien, und sie vollbringen zudem das Kunststück, noch langatmiger zu sein. Die Spannungsbögen sind schlicht und schlaff, es dominieren plumpe Andeutungen auf düstere Ereignisse sowie der extensive Einsatz von Ausrufezeichen, die auflodernde Emotionen signalisieren sollen – und diese gibt es immerzu. Stilistische Finessen darf man hier ebenso wenig erwarten wie komplex gezeichnete Charaktere.
Das Drehbuch, von Brian Helgeland sowie Regisseur Paul Weitz verfasst, beruht im Wesentlichen auf den ersten zwei Bänden der Reihe, geht mit dem Material auch der weiteren Bücher aber recht frei um und fügt insbesondere einiges an Action und Geschwindigkeit hinzu. Was allerdings gänzlich fehlt, ist Konsistenz und Handlungslogik. Wo die Romane mit ihren Ausrufezeichen Gefühlswallungen und Spannung immerzu behaupten, aber nie umsetzen, bleibt der Film eine Ansammlung geradezu fragmentarischer Szenen, in denen immerzu etwas von Schicksal und Prophezeiungen geraunt wird. Die Inszenierung hat diesen Lücken wenig entgegenzusetzen.
Es werden auch zahlreiche Figuren eingeführt, die zwar hochrangig besetzt wurden, aber keine große Bedeutung haben, sondern womöglich erst in Fortsetzungen bekommen sollten; Salma Hayek und Ken Watanabe sind in größeren Nebenrollen zu sehen, während etwa Willem Dafoe und Jane Krakowski nur sehr kurze, wenngleich gut gelaunte Auftritte absolvieren. John C. Reilly ist der Einzige, der genug Talent mitbringt und Zeit bekommt, seiner Figur etwas Tiefe und Komplexität zu injizieren, auch wenn dies am hohlen Treiben um ihn herum kaum etwas zu ändern vermag; sein Mitprotagonist Darren bleibt allerdings nicht zuletzt aufgrund der darstellerischen Blässe von Chris Massoglias, milde gesagt, unterkomplex.
Das liegt interessanterweise auch am mangelnden Interesse des Films für den Vampirmythos. Auch Mitternachtszirkus spielt im Film wie im Buch mit der Vorstellung von Vampiren, die sich um eine friedliche Koexistenz mit den Menschen bemühen – darin liegt er mit Twilight und True Blood auf einer Linie –, allerdings umschifft der Film das Thema Vampirismus so großräumig, dass es überhaupt keine Rolle mehr spielt. Weder Darren noch Crepsley scheinen je Blut trinken zu müssen, und so stellen sich all jene ethischen Fragen nie, die die feingeistigen Blutsauger in Twilight stets vor sich her tragen und die im Übrigen auch in Darren Shans Romanreihe die Blutsauger umtreiben.
Nun gibt es sicherlich keinen Grund, sich darüber zu beschweren, dass ein Film den Vampirismus seiner Protagonisten einmal nicht zu einem großen Problem macht; da der Hauptkonflikt in Mitternachtszirkus dann aber zwischen guten und bösen Vampiren stattfindet und sich um die Frage dreht, ob das Töten von Menschen zum Stillen des Blutdurstes angemessen sei oder nicht, wirkt das Thema doch zu wenig unterfüttert.
Nur eine einzige Szene gibt es wirklich, in der man dem Film eine gewisse Lust an jenen Themen und Monstren abnimmt, mit denen er sich von Anfang bis Ende schmücken möchte. Es ist ausgerechnet die Einführung in den „Cirque du Freak“, die den Zuschauer de facto in die Position eines Freakshow-Zuschauers versetzt. In dieser seltsam ambivalenten Situation in der man einen geradezu kolonialen, ausbeutenden Blick auf die „Freaks“ des Zirkus’ wirft und damit staunender Gaffer, herabwertender Beobachter und erregter Bewunderer zugleich für all diese deformierten Menschen und ihre besonderen Fähigkeiten ist, ist gerade des Fantasykino ganz nah an seinem eigenen Kern.
Kritik von Rochus Wolff
Fotos : © Universal
Veröffentlicht am 04.01.2010
Weiterführende Links:
Film-Angaben:
Titel: Mitternachtszirkus (Cirque du Freak: The Vampire’s Assistant)
Alternativer Titel: Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire (Plakattitel)
USA 2008
Laufzeit: 0 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Regie: Paul Weitz
Drehbuch: Paul Weitz, Brian Helgeland
Produktion: Ewan Leslie, Lauren Shuler Donner
Darsteller: John C. Reilly, Chris Massoglia, Ken Watanabe, Jessica Carlson, Josh Hutcherson, Salma Hayek, Willem Dafoe
Kamera: J. Michael Muro
Musik: Stephen Trask
Schnitt: Leslie Jones
Kinostart: 07.01.2010
Kommentare
Ankzuna aus Köln
Donnerstag, 18-03-10 00:55
DS-Leser
Samstag, 20-02-10 22:56
Ich hab diee Reihe geesen und fad die eigntlich richtig gut! Leider lief der Film bei mir in der Nähe nicht also warte ich auf die DVD, aber das Manga habe ich jetzt auch angefangen zu lesen und ich finde ide Kritik oben ist wirklich UNBERECHTIGT!!die reihe war echt uper und das mt Twilight (kotz) gleichzusetzen ist eine Halbe Beleidigung für alle Vampir fans!! Twillight is doh nur was für pupatäre mehr ...
Jan
Donnerstag, 21-01-10 13:41
Ich habe die Darren Shan Reihe gelesen als ich 15 war und fand sie damals richtig gut. Wir waren mehrere Jungs und Mädels und wollten jetzt demnächst in den Film gehen. leider läuft der Film bei uns in der Nähe nicht aber dann warten wir eben auf die DVD. Nun zur Beschreibung hier: ich kann den meisten punkten dieser beschreibung in keiner weise zustimmen. Wenn ich lese, dass Darren Shan ein Versuch mehr ...
Sarah
Samstag, 16-01-10 01:25
Ich habe die ersten vier Buecher gelesen bevor ich mir den Film angesehen habe. Obwohl das Buch ab 11 Jahren ist fand ich das zum Teil ecklige,blutige etc als 25ig jaehrige zu heftig. Haende werden abgebissen, kleine Tiere getoetet, gedaerme gefressen und auch bedrueckende Momente mit dem so manches Kind nicht umgehen kann. Das einzige das mich daran erinnerte ein Kinderbuch zu lesen war der schreibstil. mehr ...
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Ich fand den Film super. Endlich mal nich 15 jährige Mädels die nur in den Film gehen um Robert Petterson zu sehen. Sehr schöne Beschreibung der Unterschiede der Vampire und Vampüre. Ich HOFFE auf einen 2. TEIL!!! Danke super Film. Für alle die Vampire lieben und nicht nur einem Trend oder Mädchenschwarm folgen