5 Zimmer Küche Sarg

Zum Totlachen: Eine Vampir-Mockumentary.

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„Wenn du nach dem Krieg als Nazi entlarvt wurdest, war das schon ziemlich schlimm“, erzählt Deacon (Jonathan Brugh). „Aber wenn du als Nazi-Vampir entlarvt wurdest – das ging ja mal gar nicht.“ Unter Adolf Hitler gehörte Deacon einer blutsaugenden Eliteeinheit der Wehrmacht an, nun lebt er in Neuseeland in einer WG und muss sich von seinen Mitbewohnern anpflaumen lassen, dass er sein blutiges Geschirr schon seit Jahren nicht mehr abgewaschen habe. Um die Ordnung in der verlotterten WG wiederherzustellen, haben Viago (Co-Regisseur Taika Waititi) und Vladislav (Co-Regisseur Jemaine Clement) eine Sitzung einberufen. Nur Petyr (Ben Fransham) braucht nicht teilzunehmen – nach 8000 Jahren ist er etwas steif in der Hüfte.

Dass Deacon sich nicht an die Hausregeln hält, mag an seinem jugendlichen Rebellionsdrang liegen, schließlich ist er mit seinen 183 Jahren das Küken in der WG. Im Mittelpunkt der grandiosen Vampir-Mockumentary 5 Zimmer Küche Sarg (What We Do in the Shadows, 2014) steht aber Viago, ein etwas tuntiger Dandy, der immer noch einer alten Flamme nachtrauert – Katherine, die jetzt im Altenheim lebt. Als sein menschlicher Kumpel Stu (Stuart Rutherford) ihm zeigt, was Scanner und Drucker sind, vergrößert er ein altes Foto Katherines, hängt es über seinem Kopfkissen auf, schließt den Sargdeckel und bringt seine Schlafstätte kräftig zum Wackeln.

Wiederauferstehung einer bissigen Idee

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Die Regisseure Taika Waititi und Jemaine Clement haben bereits 2005 aus der Idee, eine „Doku“ über Vampire zu drehen, einen Kurzfilm gemacht. Nun haben sie dieses Konzept mit etwas größerem Budget und merklich noch größerem Spaß am Schreiben des Drehbuchs noch einmal neu umgesetzt. Der Film folgt seinen Protagonisten mit wackelnden Handkameras, die gelegentlich ausfallen oder von den Vampiren abgedeckt werden. Ihren unbedingten Anspruch auf Authentizität belegen die Filmemacher mit der Einblendung des Logos vom (frei erfundenen) „New Zealand Documentary Board“. Das Ergebnis ihrer investigativen Recherchen in der Vampir-Gesellschaft Wellingtons ist eine der ganz großen Komödien des aktuellen Kinojahres. Nur einem dürfte sie nicht gefallen: dem belgischen Regisseur Vincent Lannoo. Der brachte vor vier Jahren seinen Film Vampire – Verstecken war gestern! (Vampires, 2010) heraus, ebenfalls eine Mockumentary über den Vampir-Alltag. Von der neuseeländischen Variante wird sein Werk nun um mehrere Sarglängen überragt.

Das liegt indes nicht an genialen stilistischen Schachzügen oder ausgefeilten künstlerischen Ansätzen, sondern schlichtweg am enormen Witz von 5 Zimmer Küche Sarg. Waititi und Clement haben schöne Bildideen – etwa wenn sich der Sargdeckel hebt und Viago im Halbschlaf auf den Snooze-Button des Weckers drückt oder wenn er um sein Opfer-in-spe herum sorgfältig Zeitungen ausbreitet, damit er beim Beißen nicht den Teppich versaut. Besonders schön ist auch eine Sequenz, die in schwarz-weißen Bildern die übliche Doku-Praxis nachgestellter Szenen parodiert.

Sonnenuntergänge für Vampire

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Zudem setzen sich die beiden Regisseure – anders als so mancher jüngere Beitrag zum Vampirfilm-Genre – intensiv mit der tradierten Mythologie auseinander: Die Vampire schaffen es kaum mal auf eine Party, da sie die Räumlichkeiten nur betreten können, wenn sie explizit eingeladen werden. Sie freuen sich dafür umso mehr, als sie mit Stus Hilfe endlich mal einen Sonnenuntergang mitansehen können – auf YouTube. Auch die Suche nach Jungfrauen gestaltet sich im Internet erfreulich leicht, obwohl Viago und Co. bei einigen Bildern ihre Zweifel haben, ob es sich wirklich um gänzlich unberührte Frauen handelt. Und schließlich kommt es während der 86 Minuten Laufzeit zu mehreren aberwitzigen Duellen mit befeindeten übernatürlichen Wesen: den Werwölfen.

Auch für Wort- und Situationskomik hat das Filmteam ein Gespür: Beim Ankleiden für den jährlichen Ball der Untoten fällt den Mitbewohnern auf, dass der osteuropäische Womanizer Vladislav etwas kränklich wirkt. „Wenn du unterwegs wen isst, wird das schon wieder“, beruhigen sie ihn. Auf dem Ball angekommen, gerät ihr menschlicher Freund Stu in eine brenzlige Situation und muss erklären, wer er ist – was ihn zu einer längeren Beschreibung seines Berufsalltags als IT-Experte animiert. Die Vampire sind von seinen nerdigen Techie-Ausführungen ganz begeistert: „Er ist eine Jungfrau!“, kreischt eine Blutsaugerin vor Freude. Warum Jungfrauen überhaupt so beliebt sind bei Vampiren, erklärt uns Vladislav an einer Stelle mit einer Analogie, die selbst Menschen nachvollziehen können: „Na stell dir mal vor, du isst ein Sandwich. Da würdest du doch auch wollen, dass das noch niemand gefickt hat.“

Trailer zu „5 Zimmer Küche Sarg“


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