Triangle
Drei Hongkong-Regisseure, drei Leitmotive: Tsui Hark fokussiert die Versuchung, Ringo Lam interpretiert die Eifersucht, und Johnny To widmet sich dem Schicksal. In ihrem Actionthriller entwickeln die drei ein ironisches Katz- und Mausspiel um einen Goldschatz.
Das Experiment: Drei renommierte Regisseure steuern je 30 Minuten zu einem Film bei. Ein festgelegtes Drehbuch existiert nicht; der erste Filmemacher entwickelt die Anlage einer Geschichte, auf deren Grundlage die beiden anderen nach Sichtung des jeweils abgedrehten Materials entscheiden, wie sie weitererzählen wollen. Die drei heißen Tsui Hark (Once Upon A Time In China, 1991; Seven Swords, 2005), Ringo Lam (Cover Hard 2 – City on Fire, 1994) und Johnny To (Breaking News, Da Shi Jian, 2003; Election Hak Se Wui, 2005).
Die Versuchung: Tsui Hark inszeniert einen märchenhaften Auftakt für Triangle (Tie Saam Gok). Er beschreibt drei Kleinganoven, die sich verführen lassen von einem Goldstück, das ihnen ein Unbekannter schenkt. Und während dieser spricht „Ich hab euch den Weg gezeigt, ob ihr ihn gehen wollt, müsst ihr selber wissen“, malt er die Zahl 1978 mit seinem Zeigefinger auf den Thekentresen. Die Zahl ist das Sesam-öffne-dich. Die drei heben den Schatz – einen Brustschurz aus Gold, mit der eine Frau bekleidet wurde, die einbalsamiert in einer Kiste liegt. Die Grabbeigabe eines Dolches kommentiert Mok Chung Yuan (Sun Hong-Lei) mit den Worten: „Die Frau hat sich vielleicht für ihren Mann geopfert.“
Mit Regen und Nebel, Frauenbeinen in Stilettos, Einstellungen, in denen Objekte wie verglühende Zigaretten, das Goldstück, eine Tasche, ein Schlüssel und zig Handys die Hauptrollen spielen, Auf- und Untersichten sowie einem Bild, das sich horizontal über das vorherige schiebt, inszeniert Tsui Hark recht artifiziell diesen Auftakt um undurchsichtige Figuren mit undurchsichtigen Beziehungen zueinander, die sich misstrauen, belügen und gegenseitig verraten.
Die Eifersucht: Ringo Lams Mittelteil von Triangle sticht als psychologisch gelungen hervor, er macht den Zuschauer zum Komplizen. Die Figuren erhalten Konturen, wenngleich nur schemenhaft, aber gerade das lässt sie interessant werden. Bruchstücke aus der Vergangenheit kommen ans Licht, welche die Gegenwart allerdings nicht wirklich erhellen. Wir ahnen, in was für einem Verhältnis die Personen zueinander stehen. Fai (Louis Koo) etwa kristallisiert sich als Verräter heraus, der Lee Bo Sams (Simon Yam) Eifersucht schürt, als er erzählt, seine Frau Ling (Kelly Lin) kenne einen Polizisten.
Mentale Bilder drängen sich dem Eifersüchtigen auf. Er hört wieder und wieder Mok Chung Yuans Worte: „Die Frau hat sich vielleicht für ihren Mann geopfert“ und sieht seine Frau, wie sie mit dem Polizisten Sex hat. Er ahnt, wer es ist – der Zuschauer weiß die Vermutung zu bestätigen. Mit seinem Fotohandy fängt er Tanzschritte seiner ehebrecherischen Frau ein, die sich für ihn und über seinen Blick auch für den Zuschauer durch die Bewegung in Hitchcock’scher Manier (Vertigo, 1958) in seine verstorbene erste Frau verwandelt. Lee Bo Sam sagt: „Manchmal glaube ich, mich selbst nicht zu kennen.“ Dann legt er eine Platte auf, Ling den goldenen Brustschurz an und tanzt mit ihr, während beide gemeinsam den Dolch in den Händen halten.
Als Vertrauter der Figur Lee Bo Sams will der Zuschauer mehr über sie erfahren, sie weiter beobachtend begleiten. Doch das ist ihm nicht vergönnt, da nun Johnny To die Regie übernimmt. Im Übergang von der zweiten zur dritten Episode wird ein Erzählbruch besonders deutlich. Johnny To steht nicht der Sinn nach einer psychologischen Ausarbeitung der Geschichte, vielmehr der nach absurdem Humor. Auf Ringo Lams Nähe zu den Figuren folgt im Rahmen eines Szenenwechsels eine schroffe Distanznahme, die dramaturgisch unausgereift wirkt, weil all das, was zuvor Erzählgegenstand war, nicht weiterentwickelt wird. Während Ringo Lam auf Erzählelemente Tsui Harks zurückgreift, ignoriert Johnny To Ringo Lams Episode und orientiert sich ebenfalls einzig an Tsui Harks erzählerischer Grundstruktur.
Das Schicksal: Dieses führt alle Figuren zu Fat Bo, den Johnny Tos Lieblingsschauspieler Lam Suet mimt. Der Showdown um den Schatz nimmt ironisch-groteske Züge an; tauchen doch neben einem Totgeglaubten mehr und mehr gammlige weiße Plastiktüten auf, in denen das Gold zu vermuten ist.
Das Scheitern: Das Experiment eines Films aus der Hand dreier Regisseure geht in Triangle nicht auf. Die drei Erzählteile fallen mehr oder weniger auseinander, die Figuren bleiben hölzern, und die Geschichte verwirrt ob ihrer nur in Ansätzen entwickelten Handlungsstränge. Zumindest formal hätte das nicht wirklich gemeinsam entwickelte Projekt entwirrt werden können, wenn jeder Episode konsequent der Name ihres Regisseurs vorangestellt worden wäre. Über Signaturen würde der Zuschauer weniger eine scheinbare Einheit als einen direkten Widerspruch suchen; er könnte gerade einen Reiz ziehen aus dem Vergleich der Handschriften – aus der Gegenüberstellung des Artifiziellen Tsui Harks, des Psychologischen Ringo Lams und des Ironisch-Grotesken Johnny Tos.
Filmkritik von Pascale Anja Dannenberg
Veröffentlicht am 31.10.2008
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Film-Angaben
Titel: Triangle
Originaltitel: Tie saam gok
China, Hongkong 2007
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Tsui Hark, Ringo Lam, Johnny To
Drehbuch: Sharon Chung, Kenny Kan, Yau Nai-Hoi, Au Kin-Yee, Yip Tin-Shing
Produktion: John Chong, Ringo Lam, Dennis Law, Johnny To, Tsui Hark, Yu Dong
Bildgestaltung: Cheng Siu-Keung
Montage: David M. Richardson
Musik: Dave Klotz, Guy Zerafa
Darsteller: Louis Koo, Simon Yam, Sun Hong-Lei, Lam Ka-Tung, Kelly Lin, Lam Suet
DVD-Angaben
Titel: Triangle
Vertrieb: Universum Film
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.0), Cantonesisch (DD 5.0)
Untertitel: Englisch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 90 Minuten
Extras: Making Of; Deleted Scenes; Interview Cannes; Trailer
Verleih ab: k.A.
Verkauf ab: 20.10.2008
Copyright Triangle
Fotos: © Universum Film
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