Snakes on a Plane

Wie bitte? Der Kuss der Spinnenfrau handelt nicht von einem achtbeinigen Monster? Vor solchen Missverständnissen ist man bei Snakes on a Plane mit Sicherheit gefeit.

Snakes on a Plane

Snakes on a Plane ist bereits jetzt ein Phänomen. Noch vor dem offiziellen Kinostart in den USA rankten sich um den Film, der seinen Plot bereits im Titel trägt, Geschichten, Mythen und allerlei Skurrilitäten. Unzählige Webseiten, Blogs und Diskussionsforen beschäftigten sich mit einem Werk, das als B-Movie zu klassifizieren, trotz eines Budgets von 36 Mio. US-Dollar sicherlich zutreffend ist. Angefangen hat alles mit einem Blog des Drehbuchautors Josh Friedman, dem angeboten wurde, an dem Snakes on a Plane (kurz: SoaP)-Skript zu arbeiten. Die Plakativität des Titels inspirierte die User zu immer neuen Spekulationen. Parodien in Form von alternativen Filmpostern, Ideen zu möglichen Sequels („Piranhas on an Escalator“, „Pandas on a Train“, „Snakes on Claire Danes“) und selbstgedrehten SoaP-Trailern geisterten durch die endlosen Sphären des World Wide Web. Dass mit Samuel L. Jackson ein Schauspieler von Format, der für seine coolen Oneliner bekannt ist, die Hauptrolle übernahm, schürte zusätzlich die Erwartungshaltung.

Im Falle von SoaP erübrigt sich im Grunde genommen jegliche Inhaltsangabe. Um die Aufschrift eines Fan-T-Shirts zu zitieren: „Snakes + Plane = Snakes on a Plane". Dennoch: Samuel L. Jackson spielt den FBI-Agenten Neville Flynn. Er erhält den Auftrag, einen wichtigen Zeugen (Nathan Philips) in einem Mordprozess sicher zur Gerichtsverhandlung von Honolulu nach Los Angeles zu geleiten. Doch der skrupellose Gangsterboss Eddie Kim (Byron Lawson) hat rechtzeitig Vorsorge getroffen, damit der lästige Augenzeuge dort niemals lebendig ankommt. Dazu ließ er im Laderaum der Boeing 747 eine mit einer Zeitschaltung ausgestattete Kiste deponieren, deren Inhalt wohl niemand mehr überraschen dürfte. Wenn sich nach einer halben Stunde die Depots öffnen und die blinden Passagiere, aufgestachelt durch einen verlockenden Pheromonduft, daran machen, die ihnen zugedachte Aufgabe gewissenhaft zu erfüllen, kann die Show beginnen.

Snakes on a Plane

SoaP läutet in der Beziehung zwischen Filmemachern und ihrem Publikum eine durch die Möglichkeiten des Mediums Internet ausgelöste neue Zeitrechnung ein. Wurden Kinoproduktionen bislang einem ausgesuchten Testpublikum vorgeführt, um den Geschmack der Zielgruppe zu ergründen und notfalls Korrekturen an einer ersten Schnittfassung vornehmen zu können, so setzte New Line fünf zusätzliche Drehtage an, ohne dass auch nur ein einziger SoaP-Fan den Film zuvor gesehen hatte. Es galt vielmehr, die geäußerten Wünsche der SoaP-Community nach Gewalt, nackter Haut und harter Action aufzunehmen. Aus dem PG-13-familienkompatiblen Thriller wurde ein mit einem R-Rating versehener Schocker, der Punkt für Punkt die an ihn adressierten Forderungen abhakt. Berechenbarer geht es kaum noch. Sogar von SoaP-Anhängern erdachte Textpassagen wie den Wutausbruch von Jacksons Figur „Enough is enough! I have had it with these muthufuckin’ snakes on this mothufuckin’ plane!“ fanden im Film Verwendung.

Vergleichbar mit dem in seiner Ernsthaftigkeit anrührenden Anacaonda (1997) merkt man dem Film trotz manch selbstironischer Zwischentöne den Ehrgeiz seiner Macher an, einen angsteinflößenden Horrortrip kreieren zu wollen. Letzteres scheitert, weil die Logiklöcher des Drehbuchs schlichtweg so groß sind, dass ohne weiteres die gesamte Boeing 747 durch selbige hindurchfliegen könnte. Schon die Frage, wie die Kiste trotz strengster Sicherheitskontrollen an Bord gelangen konnte, wird nicht wirklich beantwortet. Auch fehlt es den Effekten an technischer Raffinesse. So haftet SoaP zu jeder Zeit der unzweifelhafte Geruch eines trashigen B-Movies an, das gerade deshalb zumindest halbwegs unterhalten kann, weil es mit mindestens so vielen unfreiwillig wie absichtlich komischen Momenten aufwartet.

Snakes on a Plane

Regisseur David R. Ellis kennt sich aus mit blutiger Genre-Kost, das hat er mit seinen letzten Arbeiten Final Destination 2 (2003) und Final Call (Cellular, 2004) bewiesen. Der gelernte Stuntman ist keineswegs die von manchen erhoffte Reinkarnation von Ed Wood. Dafür zeigt sich auch bei SoaP wieder einmal, dass er über keine erkennbar eigene Handschrift verfügt. Die Action ist standardisiert, inszenatorische Überraschungen sucht man vergebens, und die Charaktere haben sich, wie es für ein B-Movie typisch ist, den Notwendigkeiten des hanebüchenen Plots unterzuordnen. Dieser entwickelt sich, nachdem die Passagiere erst einmal vor dem zischenden Grauen in die First Class geflohen sind, zu einem geradlinigen Katastrophenfilm, bei dem die Schlangen nur noch eine dekorative Staffage abgeben.

Das alles wird wahre SoaP-Freunde aber nicht von einem Kinobesuch abhalten, im Gegenteil. Wenn das inflationär verwendete K-Wort jemals eine Berechtigung gehabt hat, dann bei Snakes on a Plane. SoaP ist Kult, bereits jetzt. Denn nicht Werbestrategen des Filmstudios New Line haben dem Film diesen Status künstlich aufsetzen müssen, es waren Hunderttausende enthusiastischer Film-Nerds, sozusagen eine demokratische Bewegung, die aus einem mäßigen Actionthriller ein popkulturelles Ereignis werden ließen. Dass New Line nur allzu gern diesen Hype aufgriff, um ihn in die eigene Werbestrategie einzubauen, deutet an, wie intelligentes Filmmarketing in der Zukunft aussehen könnte.

Trailer zu „Snakes on a Plane“


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Kommentare


Andreas Lieckfeld

War selten so sauer nach einem Kinobesuch. Dieser Film ist an Dummheit überhaupt nicht mehr zu toppen und es ist mir ein Rätsel, wie so eine Grütze in einen "Kultstatus" erhoben werden kann. Nein, solchen Müll mauss man sich nicht antun.






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