Ich bin Nummer Vier

Neuer Stoff für Fantasy-affine Teenies: Schöner Boy aus einer anderen Welt verliebt sich in ein süßes High-School-Girl und muss sich nebenbei gegen Verfolger aus dem Weltall wehren.

Ich bin Nummer Vier 02

Man muss die Filme von Michael Bay nicht mögen, um ihm zu attestieren: Der Mann ist ein erfolgreicher Unternehmer. Seine Produkte erfüllen offensichtlich Bedürfnisse nach Zerstreuung und Unterhaltung, sogar wenn ein Film wie Transformers – Die Rache (Transformers: Revenge of the Fallen, 2009) unter der schieren Last seiner ausufernden Spezialeffekte kollabiert. Auch als Produzent zeichnet Bay eine Nase für populäre Stoffe aus. Meist macht er es sich ganz einfach und gibt Remakes populärer Horrorfilme in Auftrag. Freitag, der 13. (Friday the 13th, 2009) oder A Nightmare on Elm Street (2010) verblassten zwar im Vergleich mit den Originalen, die Kasse aber stimmte.

Ich bin Nummer Vier ist kein Remake, bietet aber aus Sicht des DreamWorks-Studios und des Produzenten Michael Bay trotzdem gute Aussichten auf einen kommerziellen Erfolg: Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Roman, der 2010 sechs Wochen lang in der Bestsellerliste der „New York Times“ für Kinderbücher stand. Zudem soll daraus eine sechsteilige Buch-Saga werden – gute Aussichten also für mögliche Fortsetzungen.

Die Geschichte richtet sich an Kids bis 16 Jahre und bietet den durch die Filme der Twilight-Reihe gerade populären Mix aus Teenie-Drama und Fantasy-Action: Schüler John Smith (Alex Pettyfer) sieht blendend aus, ist aber ein Außenseiter. Kein Wunder, stammt der Junge doch von einem fremden Planeten und muss ständig vor intergalaktischen Verfolgern auf der Hut sein. Und dann plagen ihn auch noch allzu menschliche Probleme, denn John hat sich frisch in seine Mitschülerin Sarah (Dianna Agron) verliebt.

Ich bin Nummer Vier 07

Diese banalen Zutaten verrührt Regisseur D.J. Caruso zu einem jederzeit überraschungsfreien Popcorn-Kino, das seinen Warencharakter nie kaschieren kann. Verwurstet werden 80er-Jahre-Teenie-Dramödien genauso wie Fantasy-Epen. Caruso ist als Filmemacher Bays Bruder im Geiste, auch er benutzt Kino-Mythen und aktualisiert sie für Nachwuchs-Kinogänger. Das hatte bei Disturbia (2007), einer modernen Version von Hitchcocks Fenster zum Hof (Rear Window, 1954), durchaus Charme und überzeugte durch die nachvollziehbare Schilderung der amerikanischen Vororte. Ich bin Nummer Vier dagegen fehlt jede Glaubwürdigkeit. Der Grundkonflikt – Einsamkeit und Konformitätsdruck in der Pubertät – bietet nur Stereotypen, die mystische Science-Fiction-Gegenwelt ist lustlos zusammenklaut, und Hauptdarsteller Alex Pettyfer verfügt über markante Gesichtszüge, aber null Charisma. Das mag manchem 15-Jährigen genügen, älteren Semestern bleibt nur Langeweile. Auch, wenn am Ende die schweren Geschütze der Computertricks das schwache dramaturgische Gerüst endgültig sturmreif schießen.

Trailer zu „Ich bin Nummer Vier“


Trailer ansehen (2)

Kommentare


Thomas Dischinger

Tja, irgendwie bin ich geringfügig anderer Meinung.

Zunächst einmal habe ich im letzten Frühjahr sofort das Buch vorbestellt und mußte leider bis Mitte August warten, bis es endlich auch in Europa ausgeliefert wurde. Zwar hat mir der Schreibstil von Jobie Hughes und James Frey (Synonym Pittacus Lore) nicht gefallen, aber die Story fand ich so interessant, daß ich das Buch die ganze Nacht durch ohne Unterbrechung gelesen habe, bis ich um fünf Uhr morgens auf der letzten Seite angekommen war.

Wie bin ich darauf gekommen, dieses Buch zu bestellen ? Ganz einfach, als ich gelesen habe, daß Alex Pettyfer bei Dreamworks unterschrieben hatte, mußte ich das Buch einfach lesen. Ich bin nämlich Fan und habe natürlich seine bisher veröffentlichten vier Filme auf DVD gesammelt. Und wie sich vielleicht jetzt schon jeder denken kann, bin ich nicht der Meinung, daß Alex Pettyfer kein Charisma hat, ganz im Gegenteil! Zu kein Charisma würde mir eher Shea LaBeouf einfallen. Logisch, daß ich 'I Am Number Four' öfter als einmal im Kino sehen werde !

Michael Bay hat sich übrigens vor Beginn der Dreharbeiten aus dem Projekt ausgeklinkt, um sich auf "Transformers" zu konzentrieren, und hat sich erst in der Post-Production wieder eingeklinkt, speziell bei den Special Effects. Während der Dreharbeiten hat, sozusagen stellvertretend, Steven Spielberg, seine Sichtweise in den Film eingebracht.

Und zum Schluß bleibt mir nur noch zu erwähnen, daß den Film durchaus auch Leute interessant finden können, die älter als 15 sind. Ich zumindest habe meinen 15. Geburtstag schon vor mehr als vier Jahrzehnten hinter mir gelassen.


Thomas Dischinger

(2.) Inzwischen ist mir aufgefallen, daß nach meiner Meinung auch der im Film bestehende “Grundkonflikt” eben nicht Einsamkeit und Konformitätsdruck ist.

Denn beim Konformitätsdruck geht es ja darum, daß ein Außenseiter sich der Mehrheit anpassen soll.
In “Ich bin Nummer Vier” wird zum Einen ein Teenager gezeigt, der auf der Suche nach seiner eigenen Identität ist. Zum Anderen geht es aber eben genau nicht um Konformitätsdruck. Ganz im Gegenteil, denn der Protagonist möchte gerne ein ganz normaler durchschnittlicher Teenager sein, er möchte zur Schule gehen und eine Freundin und Freunde haben. Er möchte eigentlich gar nichts davon wissen, daß er von einem anderen Planeten stammt und was dort vor vielen Jahren passiert ist.
Dem Gegenüber steht die Erwartung seines Erziehers, der von ihm erwartet, daß er auf sein mögliches Leben als “normaler Mensch” verzichtet und stattdessen gegen die Feinde seiner Rasse kämpft und seinen Heimatplaneten zurück erobert.
Verschärft wird dieses Problem durch das ausweglose Dilemma mit seiner Freundin, denn egal wie er sich entscheidet, scheint es für die gemeinsame Zukunft mit seiner Freundin keine Möglichkeit zu geben.
Entweder er entscheidet sich für ein Leben als „normaler Teenager“ mit seiner Freundin, dann werden seine Feinde, die Mogadorianer die Erde zerstören und er wird dadurch auch seine Freundin verlieren. Entscheidet er sich aber, den Kampf gegen seine Feinde aufzunehmen, so muß er seine Freundin ebenfalls verlassen, um sie und sich selbst nicht zum Ziel für seine Feinde zu machen..


Remmud Ratnemmok

Da ist die Rezension schon nachsichtig mit dem Film, aber bei so einem Kommentar, der "Aktualisierung von Kinomythen" wohl nicht verstanden hat, tja da hätte ich mir dann doch einen saftigen Veriss gewünscht.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.