Verrückt nach Fixi

Lektionen in Blödheit: Mike Mazurks Teenie-Komödie über eine Gummipuppe aus Fleisch und Blut verschiebt ihre kümmerlichen Klischees so lange, bis sie meint, alle endlich an ihren richtigen Platz gewälzt zu haben.

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Der eine malt Superheldencomics, der andere will Stuntman werden. Tom (Jascha Rust) und Dodie (Roland Schreglmann) sind beste Freunde. Eine onkelige Erzählerstimme aus dem Off begleitet ihr Kennenlernen, das läuft, wie es immer läuft, wenn es in einem Klassenzimmer geschieht. Die Lehrerin weist dem Neuen – der von der Klasse ohne bestimmte Gründe verlacht wird, wogegen die Autorität der Lehrkraft nichts auszurichten vermag – einen Platz zu, natürlich neben dem Kennenzulernenden. Die beiden nicken einander geistesverwandt zu und schlagen das Schulbuch auf. Es vergeht kaum eine Szene in Verrückt nach Fixi, bei der man nicht den Eindruck hat, sie schon einmal irgendwo gesehen zu haben – und dazu muss man noch nicht einmal sonderlich firm in (deutschen) Teenie-Komödien sein. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, immerhin haben Filme wie diese dann den Wert, andere nicht doppelt sehen zu müssen. Es ist ein bescheidener Anspruch, und man möchte meinen, dass man ihm auch mühelos gerecht werden kann.

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Nur ist dieser Film am Ende selbst noch den trivialen pubertären Denkmustern seiner Protagonisten unterlegen. Verrückt nach Fixi ist ein affiger Film, er ist derart geistlos, dass er die Klischees, die er bedient, noch nicht einmal bewusst streut, was im weiteren zur Folge hat, dass durch sie nicht die geringste Ironie gezeugt wird und dass man als Zuschauer beständig den Drang verspürt, diesen Film, der sich doch so sehr um Aufklärung, Bewusstwerdung und Reifung junger Männer dreht, selbst aufzuklären, ihm zu erklären, dass ein beleibtes Kind nicht zwangsläufig rothaarig sein muss und dass er vor der – den Inszenierungsprinzipien, die er in seiner Bewusstlosigkeit bedient, gemäß zwangsläufigen – homoerotischen Intimität zwischen Tom und Dodie keine Angst haben muss. Die Homophobie, die in Verrückt nach Fixi wirkt, besteht darin, dass er die Affekte, die er selbst hervorbringt, vor Schreck wegkichert beziehungsweise, in einer zudem noch völlig misslungenen Szene, in der die Mutter eine Situation zwischen den beiden beobachtet und fehlinterpretiert, wegkichern lässt.

Schiebespiele

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Dass sich über das Frauenbild des Films Ähnliches sagen lässt, versteht sich von selbst. Dabei geht es auch gar nicht um die Gummipuppe Fixi, die Tom, die ewige Jungfrau, auf dem Abiball vor versammelter Mannschaft geschenkt bekommt und die später, dank irgendeiner Zauberkraft eines japanischen Stripclubbesuchers, lebendig und mit großen Brüsten in seinem Bett aufwacht. Es geht vielmehr um die Art und Weise, wie diese lebendig gewordene Puppe zur Folie wird, auf der ein liebens- und begehrenswertes, eben normales – und das heißt auch: normiertes – Frauenbild propagiert wird. Konkret sind es zwei Mitschülerinnen, später Nachtschwestern in einem Krankenhaus, die, wie es eine Szene mehr als klarmacht, aufgrund ihres punkigen Kleidungsstils nicht zur Blase der „femininen“ Frauen gehören, die die jugendliche Männerwelt durchstechen will. Die Dummheit dieses Films misst sich nicht an der durchfeminisierten Gummipuppe, sie misst sich an der völlig widersinnigen Idee, dieses Klischee für seine Überwindung instrumentalisieren zu können, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, dass damit nichts gewonnen ist, außer dass man das Klischee von der einen auf die andere Seite geschoben hat. Einem Film wie Fack Ju Göhte (2013), der seine Klischees alle in der Anarchie belässt, der sie gerade nicht in einer finalen Bewegung an ihren richtigen Platz – als gäbe es diesen – verweist, würde das beispielsweise nicht einfallen.

Steckspiele

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So sieht man also zu, wie zwei junge Männer durch die Anziehungskraft einer gefaketen Frau entzweit werden, wie der eine, verflucht durch die Statusaufwertung, die von der Schaufensterschönheit geschenkt wird, ins Loch der falschen Freundschaften fällt, wie dem anderen unter seinen roten Locken die Tränen kommen oder wie neureiche Fieslinge, getrieben vom Imperativ, den ihr Name formuliert, Fixi gewinnen wollen. Das Bauprinzip dieses Films lässt sich überschauen wie das Holzsteckspiel in einer Kinderecke. Nach zehn Minuten ist klar, dass die einzelnen Bauteile eben genau so platziert und organisiert sind, um es am Ende besser gewusst haben zu können. Die Vorstellung, die dieser Film von dem hat, was nach der erfolgreichen Überwindung der Pubertät auf junge Erwachsene wartet, ist letztlich trivialer als die Trivialität, mit der er pubertäre Begehrensstrukturen – mindestens langweiliger-, vielleicht sogar fälschlicherweise – identifiziert. Die Befriedung mit der eigenen Dummheit weist der Film als Weisheit aus – und nicht, wie er meint zu glauben, das Erwachsen der selbstbewussten Mündigkeit. Aber drücken wir nun lieber den Deckel auf diesen natürlich auch aus öffentlichen Geldern mitfinanzierten Film und lassen stattdessen noch für einen kurzen Moment das vorletzte Schlussbild wirken: Tom und Dodie finden zurück in ihre Freundschaft, entfernen sich durch einen Park watschelnd von der Kamera; im Hintergrund türmt sich mächtig der Deutsche-Bank-Tower in den Himmel.

Trailer zu „Verrückt nach Fixi“


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