Fences

Bilder nur der Deutlichkeit wegen: Denzel Washington umzäunt seine Adaption eines Stücks von August Wilson und lässt noch nicht einmal das Kino hinein. 

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Was für eine Labertasche! Was für ein Laberfilm! Dass Denzel Washington Fences nach einem Theaterstück adaptiert hat, glaubt man sofort. Der Film beginnt mit der von Washington höchstpersönlich gespielten Labertasche Troy, die an einem payday-Freitag im Pittsburgh der späten 1950er Jahre gemeinsam mit ihrem Müllabfuhr-Kollegen und alten Freund Bono (Stephen Henderson) nach der Arbeit nach Hause spaziert. Die beiden quatschen über Vergangenes und Gegenwärtiges, dann kommen sie im kleinen Garten von Troys Haus an, wo es theatermäßig weitergeht. Auftritt Rose (Viola Davis): Troys Frau ist ein bisschen genervt von seinen frechen Sprüchen und dem Buddy-Gehabe der zwei Männer und mahnt ihn, nicht gleich die ganze Ginflasche runterzukippen. Aber man merkt auch sofort, dass sich da zwei lieben, dass das alles eher herzliche Neckereien sind als an die Oberfläche drängender Ehegroll (der kommt erst, wenn Troy später zugibt, so richtig Mist gebaut zu haben). Auftritt Lyons (Russell Hornsby): Troys ältester Sohn ist eher so der Musiker und nicht so der Arbeiter, und sein 10-Dollar-Wunsch muss den Umweg über Rose nehmen, weil von Daddy nur leere Belehrungen kommen.

The times, they are a-changin’

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Sehr klassisches Figuren-Establishment also – das ziemlich gut funktioniert. Vor allem weil Fences seine Protagonisten nicht auf separaten Blättern zeichnet, sondern konsequent in Beziehung zu den Personen um sie herum. Das gilt vor allem für Troy, der eigentlich den ganzen Film Rückzugsgefechte kämpft, mit harter Hand. Rose gibt stets Kontra und lässt sich nichts sagen, Lyons redet davon, leben und nicht arbeiten zu wollen, schließlich fragt ihn sein jüngster Sohn Cory (Jovan Adepo), warum Troy ihn nicht mag. Aber das mit dem Leben und dem Mögen versteht der Patriarch nicht so richtig, ist er doch einem Familien- und Männlichkeitsideal verpflichtet, dem die Realität schon immer in die Quere gekommen ist: Nicht ums Leben, nicht ums Mögen geht es ihm, sondern ums Ernähren.

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Dass sich Troy derart am Versorger-Ethos festhält, das erklärt uns der Film bald – mal elegant, mal penetrant – mit einer harten Kindheit und viel verletztem Stolz. Ein Baseball hängt im Garten an einer Schnur, Erinnerung an eine Karriere in den sogenannten Negro Leagues. Troy ist eine Generation zu früh gekommen. Dass er Cory nun den Baseball verbietet, hat wohl auch damit zu tun, dass sein Sohn zumindest theoretisch jene Chance auf die Major League hätte, die Troy selbst verwehrt blieb. Und auch das stolze Heim, um dessen Garten er gerade einen Zaun baut, ist mit Scham verbunden: Denn finanzieren konnte Troy es nur mit der Entschädigung für die Kriegsverletzung seines Bruders Gabriel (Mykelti Williamson), der mit einer Metallplatte im Kopf durch die Gegend läuft. Für den Traum vom Eigenheim muss man sich als Schwarzer schon selbst verstümmeln. Afroamerikanische Geschichte erzählt August Wilsons 1983 geschriebenes Stück über solche Umwege.

Kein Loch im Zaun

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Washington und Davis haben schon für ihre Darstellung in der jüngsten Broadwayfassung des Stückes Preise gewonnen, und so fühlt sich Fences, so stark gespielt und so wirkungsvoll in filmische Bilder gegossen er auch größtenteils ist, doch allzu sehr wie eine sichere Nummer an. Wie reich das Material ist, wie überzeugend hier Mikro-Geschichte geschrieben wird, das bemerkt man eher retrospektiv, wenn man das Geschehene sacken lässt und nicht mehr mit seinem unmittelbaren Geschehen konfrontiert ist. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Washington sehr nah an Wilsons Original geblieben ist. So bleibt dieses Original zwar den Film hindurch am Leben, wird aber auch in einen Modus überführt, der nicht richtig Theater sein kann und nicht richtig Kino sein will. Was übrig bleibt: Die Kinobilder verleihen den Theater-Intensitäten eine gewisse gravitas, fügen ihnen aber sonst nichts hinzu. Will man also die Leitmetapher von Fences anwenden, den Gartenzaun, der wechselnd für Einschluss und Ausschluss, für die Verunmöglichung von Flucht und die Abschottung nach außen steht, dann müsste man wohl sagen, dass der Film selbst so eingezäunt bleibt, dass er von außen bewundert werden, aber nicht begangen werden kann. Und wo, wenn nicht im Kino, lohnt es sich, ein Loch in den Zaun zu schneiden?

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