Bon Appétit

Eine Deutsche, ein Italiener und ein Spanier arbeiten in einem Zürcher Nobelrestaurant. Das könnte für herrliche Verwirrungen sorgen, doch leider sprechen sie alle perfektes Englisch.

David Pinillos hat sich bisher am Schneidetisch verdient gemacht, zuletzt immerhin  für den in Spanien mehrfach ausgezeichneten Film Gordos – Die Gewichtigen von Daniel Sánchez Arévalo. Die romantische Komödie Bon  appétit ist nun sein Regiedebüt, eine deutsch-spanisch-schweizerische Co-Produktion, die allerdings nicht auf die Kunst der Montage setzt, sondern vor allem auf die Popularität seiner beiden Hauptdarsteller in ihren jeweiligen Herkunftsländern. Auf der einen Seite Keinohrhasen-Star Nora Tschirner,  auf der anderen der attraktive Baske Unax Ugalde, 2005 für den Goya als bester Nebendarsteller (in Héctor, 2004) nominiert und 2008 in Soderberghs erstem Che-Film zu sehen.

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Ugalde spielt den Koch Daniel, der auf der Suche nach einer neuen Herausforderung in einem Nobelrestaurant in Zürich landet. Dort arbeitet neben dem italienischen Chefkoch Hugo (Giulio Berruti) auch die Sommelière Hanna (Tschirner), die Daniel gleich an seinem ersten Abend auf den Mund küsst – allerdings nur, weil dieser behauptet hatte, dass es solche romantischen Momente doch nur in Filmen gebe. Die klassische Schlussszene wird also an den Anfang gesetzt, doch natürlich hält das Drehbuch noch genügend Konflikte bereit, um anderthalb Stunden zu füllen. Denn Hanna ist eigentlich Geliebte des verheirateten Restaurantchefs Thomas (Herbert Knaup), scheint mit dieser Rolle aber nicht vollends zufrieden. Es gibt also Hoffnung für Daniel, der sich über seine Gefühle zu Hanna immer klarer wird, schließlich aber herausfinden muss, dass sie ein Geheimnis mit sich herumträgt, welches das Beziehungschaos vervollständigt.

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Das Erträglichste an diesem Regiedebüt, das trotz der vielen Kochszenen leider kaum Appetit auf mehr macht, sind tatsächlich Tschirner und Ugalde, die den nicht sehr subtilen Dialogen zumindest noch etwas Charme verleihen. Doch können beide hier kaum etwas von sich zeigen, weil Pinillos weniger einen Film inszeniert als vielmehr ein Drehbuch abgefilmt hat und seinen Darstellern kaum Raum zum Agieren und Reagieren gibt. Kein einziger dezidiert filmischer Einfall steckt in diesem Werk, wenn man von den zumindest schwungvoll inszenierten Kochszenen und den wenigen schönen Bildern eines erwachenden Zürichs und der baskischen Landschaft einmal absieht. Aber selbst über diese ist man vor allem deshalb froh, weil sie eine willkommene Abwechslung zu den drögen handlungstragenden Szenen bieten.

Wie unterhaltsam oder kurzweilig Bon appétit nun geworden ist, darüber lässt sich sicherlich streiten – in jedem Fall ist der Film überaus harmlos geraten. Das liegt auch daran, dass Pinillos sich nicht traut, die Multikulturalität seines Casts auszunutzen. Der Witz des von ihm genannten Vorbildfilms L’auberge espagnole (2002) funktionierte vor allem deshalb, weil das Zusammentreffen von Gleichaltrigen unterschiedlicher Nationalitäten begleitet war vom entstehenden Sprachchaos und einer mehr oder weniger gelungenen Anpassung an die Widrigkeiten eines neuen Lebens in einem anderen Land.

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Doch davon ist hier leider nichts zu sehen: Weil die Handlung diktiert, dass zwischen den Protagonisten keinerlei Kommunikationsschwierigkeiten auftreten dürfen, wurde der Film in englischer Sprache gedreht und wird in Deutschland und Spanien in den jeweils synchronisierten Fassungen zu sehen sein. Angesichts dieser Praxis bleibt geheimnisvoll, was die Filmemacher damit meinen, wenn sie sagen, dass sich ihr Film „auf ganz natürliche Weise über die Sprachbarrieren hinwegsetzt.“ Die deutsche Fassung macht jedenfalls eher das Gegenteil, wenn sie Ugaldes Stimme durch eine ersetzt, die mit ihrem gezwungen charmanten Spanischakzent eher auf die Nerven geht als Daniels schüchternen Charakter unterstreicht – und wenn man in den wenigen Szenen, in denen Daniel in Bilbao Spanisch spricht, auf einmal Ugaldes echte Stimme hört.

Als internationale Co-Produktion kommt Bon appétit zwar ins Kino, es lässt sich aber zumindest daran zweifeln, dass der Film dort richtig aufgehoben ist. Denn während sein Inhalt schon eher an Telenovelas erinnert, möchte man von einer filmischen Form gar nicht so recht sprechen. Bon appétit ist vielmehr seichte Unterhaltung für Menschen, die sich an einem auswendig gelernten Aufsagen von gekünstelten Dialogen nicht großartig stören, solange diese eine einigermaßen interessante Handlung vorantreiben oder zumindest zum Schmunzeln einladen; die sich zu jeder Minute eines harmonischen Happy Ends sicher sein wollen und dabei vielleicht sogar etwas für die noble Küche übrig haben. Ihnen sei trotz allem ein guter Appetit gewünscht.

Trailer zu „Bon Appétit“


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Kommentare


Chris

Hallo :) echt ein super schöner gelungener FIlm...... Weiss jemand warum es dazu noch keinen Soundtrack gibt??????






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