Baywatch

Halbgares am Strand: Seth Gordons Baywatch-Reboot entdeckt Diversity, den Männerkörper als Schauwert und bleibt doch ein 1990er-Männermagazin in Hochglanzausgabe.

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Elf Staffeln lang zog Baywatch den berühmtesten Covergirls der 1990er Jahre hochgeschnittene Badeanzüge an und ließ sie Malibu Beach ablaufen. Die Serie war so verlässlich darin, die Körper seiner Darstellerinnen in zielgruppengerechten Zeitlupen einzufangen und gleichzeitig in abstruse Plots zu verwickeln, dass der Name Baywatch zum Synonym für Bewegtbild-Männermagazin und Selbstparodie wurde. Eine weltweite Erfolgswelle, die sich schließlich am Breitband-Internet brach, das einen schnelleren und effizienteren Zugang zu den primären Reizen der Serie möglich machte.

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Die hemmungslose Selbstparodie – ursprünglich eher ein sekundärer Reiz am Strand von Malibu – hat Baywatch überdauern lassen. Bis zu diesem Reboot, das in eine Ära der Hollywood-Komödie fällt, deren Komik dominiert wird von den Übergangsriten des Alltags und einem Meta-Humor, der die eigenen Genreklischees für den Zuschauer vorkaut. Doch Regisseur Seth Gordon handelt Meta-Komödie und Franchise-Parodie fast gänzlich im Prolog ab, um sich ganz auf die Schauwerte der Serienvorlage einzulassen.

Muscle Beach

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Diese Schauwerte stellen dabei allerdings nicht primär die Playmate-Körper, sondern die Sixpacks von Dwayne Johnson und Zac Efron. Wo vor einigen Jahren noch halbwegs gut trainierte Männerkörper eine eher bescheidene Rolle neben den Ladies in roten Badeanzügen spielten, wird dieser Männerkörper im Reboot zum eigentlichen Spektakel des Strands – er hat sich ja auch am meisten entwickelt. Wie in einem modernen Mr.-Universum-Wettbewerb reicht ein einfaches Sixpack nicht mal mehr zur Teilnahme. Wer am Strand gesehen werden will, muss schon mit einem grotesk austrainierten Körper antreten. Der Wettkampf um die Aufmerksamkeit wird also zwischen dem massigen Mitch Buchannon (Dwayne Johnson) und dem komplett fettfreien, üppig mit Sehnen und Adern gravierten Matt Brody (Zac Efron) geführt. Während der Rest des Feldes einen Lauf- und Schwimmparcours bewältigt, treten die Prachtkerle in ihrem eigenen Strongman-Wettkampf gegeneinander an. Bereits beim Kühlschrank-Schleppen im Sand setzt der Film auf eine komplett von Johnson und Efron geprägte Dynamik, die im verbalen Schlagabtausch nahezu alle Pointen in sich versammelt.

Diversity als Alibi

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Auch abseits des Strandes, den die Geschichte nach kurzer Zeit verlässt, um ein paar Crystal-Meth-Päckchen nachzuspüren, bleibt Baywatch ganz 1990er-Magazin. Ein gut gemeinter Männerratgeber, der so hoffnungslos veraltet ist, dass er keine Idee hat, wie man mit einer Frau umgeht, die nicht nur als Strandpanorama in Zeitlupe funktioniert. Im Film sieht diese Hilflosigkeit dann wie folgt aus: Es ist immer mindestens eine Frau anwesend, um einen Hebel umzulegen, einen Gedanken einzuwerfen oder sogar, um als kompetenteste Rettungsschwimmerin von Malibu bezeichnet zu werden. Eine gut gemeinte Verschiebung gegenüber der Serie – die einen Nebenplot schonmal dadurch rechtfertigte, dass eine Frau im Bikini sich auf einem Handtuch im Sichtfeld eines Rettungsschwimmers niederließ –, aber eben auch eine diegetisch völlig irrelevante. Es scheint mitunter, als hätte man die Rettungsschwimmerinnen, wenn auch voll bekleidet, nur deswegen im Frame platziert, um das geschlechtliche Gleichgewicht zu halten.

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Überhaupt gibt sich der Film viel Mühe, die modernisierte Baywatch-Formel nach allen neuen Diversity-Regeln abzusichern. So bekommt das Team um Mitch Buchannon Verstärkung durch den übergewichtigen, aber fleißigen Ronnie (Jon Bass) und mit Bollywood-Star Priyanka Chopra auch einen weiblichen Gegenspieler. Leider trägt diese Balance weder zur Dynamik des Films bei noch kann sie darüber hinwegtäuschen, dass niemand ohne Sixpack in Baywatch wirklich eine Rolle spielt. Das Schönste, was Seth Gordon noch daraus ziehen kann, ist ein wiederkehrender Meta-Witz, bei dem sich die Männer bei der jeweils anwesenden Frau entschuldigen, dass diese vom Gespräch ausgeschlossen oder versehentlich beleidigt wurde.

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Es bleibt eine der wenigen Gelegenheiten, bei der Baywatch die seltsame Mischung aus halbgarer Diversity und Men’s Health-Nabelschau für sich nutzen kann. Dass sich am Strand von Malibu bis heute nicht viel getan hat, beweisen schließlich die Franchise-Eltern. David Hasselhoff darf sein Cameo als Motivationsrede gestalten, während Pamela Anderson keinen einzigen Satz zu sagen bekommt und damit eben genau die Frau bleibt, die Baywatch am liebsten hat: das Covergirl.

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