Hoppers – Kritik
Hoppers – der Film ist nicht gleich Hoppers – der Trailer. Das hat Gründe, die vielleicht mit der Angst vor Abnutzung der wenigen guten Ideen des Films zu tun haben. Vielleicht schreibt hier aber auch nur ein alter, überstimulierter Filmkritiker, der sich wünscht, diesen Film noch einmal mit den Augen seiner zehnjährigen Tochter sehen zu können.

Meine zehnjährige Tochter musste zum Schauen von Hoppers überredet werden. Nicht dass sie bessere Pläne gehabt oder eine Abneigung gegen Pixar-Filme hätte. Dieser spezielle Film interessierte sie schlicht nicht. Hauptverantwortlich war der Trailer, den wir mehrmals im Kino gesehen hatten. Während ich vor dem Hauptfilm meist klar kommuniziert bekomme, welche der kommenden Attraktionen sie sehen möchte, blieb es bei diesem Trailer neben mir immer still. Beim Schuhanziehen meinte sie dann: „Naja, vielleicht passiert ja im kompletten Film etwas Spannendes.“ Womit sie auf den Punkt brachte, was mich am Trailer auch immer gestört hatte: Dass er außer der Ausgangsidee – Menschen in Tierkörpern, die allgemeine Tiersprache verstehend – nicht zeigt, was Hoppers nun eigentlich bietet, außer Niedlichkeit und gefällige postmoderner Ironie.
Diese Anekdote ist weniger Kritik an einer Werbekampagne, die nur auf die Zugkraft der eigenen Marke setzt, auf Niedlichkeit und gefällige postmoderne Ironie, und spezifischere Qualitäten lieber geheim hält, als sie im Vorfeld zu spoilern – denn: natürlich geschieht noch etwas Spannendes. Vielmehr ist relevant, dass die Trennung zwischen dem im Trailer Gezeigten und dem Vorenthaltenen relevant ist. Womit jetzt natürlich klar sein sollte, dass im Folgenden auch Dinge zur Sprache kommen, die nach den ersten fünfzehn Minuten geschehen und die der Trailer nicht zeigt.
Putzigkeitszuckerguss für die Ohs und Ahs

Das durch den Trailer Bekannte: Die Studentin Mabel Tanaka schlüpft in den Biberroboter einer Wissenschaftlerin. Wie in Avatar bleibt ihr Körper im Labor in einer Maschine sitzen, nur ihr Geist geht im Tierkörper spazieren. Die verbissene Naturschutzaktivistin möchte in ihrer Verkleidung einen Biber an einen Teich locken, um so den Bau einer Autobahnbrücke zu verhindern. Zuerst einmal kommt sie jedoch aus dem Staunen nicht hinaus. Die Tiere nehmen nicht wie sonst Reißaus, sondern unterhalten sich mit ihr. Als Tier gehört Mabel Tanaka dazu, als Mensch war sie stets Außenseiterin.
Wir bekommen das Erwartbare: ein anthropomorphes Knuddelreich. Widersprüche – beispielsweise ist der Umstand, dass Tiere einander nicht nur Freunde sind, sondern auch fressen, für ein, zwei Witze gut – sind vorhanden, breiten sich aber nicht soweit aus, dass sie die wohltemperierte Gefälligkeit trüben würden. Das Problem ist nicht, dass Hoppers gefällig ist, sondern wie routiniert er in seiner Gefälligkeit ist. Ein paar Zurück in die Zukunft-Referenzen hier, ein Tierkönig, der wie in Madagaskar mit seinen Untertanen zu pumpender Musik Party macht, da. Der herzergreifend zu verarbeitende Verlust einer Oma für den inhaltlichen Anspruch. Putzigkeitszuckerguss für die Ohs und Ahs. Hier und da ein paar schöne Ideen – aus Tieraugen gesehen, haben die Tiere kleine Identitätsmarker im Gesicht, für Menschenaugen sehen sie austauschbar aus –, daneben aber auch viel, was in anderer Form in den letzten 30 Jahren besser funktioniert hatte.
Das bisschen Wahnwitz

Wie der Trailer andeutet, bringt Mabel mit ihrem Engagement und ihren humanistischen Ideen das Tierreich gehörig durcheinander. Alles ist selbstverständlich auf eine große Botschaft ausgerichtet. Der Raubbau an der Natur – das Verschwinden der Lebensräume für Tiere und der egoistische menschliche Eingriff in ein austariertes Ökosystem – wird sich bitter rächen, wenn nicht endlich etwas geändert wird. Womit wir bei dem im Trailer Vorenthaltenen angekommen sind. Die aus dem Tritt gekommene Natur wird keinesfalls in ein realistisches Gewand gekleidet, sondern in Irrwitz. Zuweilen kann man sich fragen, was die Macher geraucht haben. Ein unvermittelt zerquetschter Schmetterling ist atemraubend, ein von Möwen zum Luftangriff getragener Hai ist fast schon dadaistisch und die Die-Vögel- und Körperfresserzitate sind markerschütternd.
Warum aber nicht im Vorfeld andeuten, dass Mabel im gefallsüchtigen, skrupellosen Bürgermeister einen Erzfeind hat, mit dem sie sich eine immer abgründigere Schlacht bietet? Warum nichts im Trailer über die Tierkönige, die gegen eine Menschheit zu Felde ziehen, weil diese sich nicht mehr als Teil der Natur versteht? In gewisser Weise ist die Vorsicht tatsächlich angebracht. Das Bisschen Wahnwitz erscheint möglicherweise nur wahnwitzig, wenn es überrumpelt. Solange es noch nicht Teil eines Fischens nach Gefälligkeit ist. Bei wiederholtem Kontakt tritt nämlich womöglich nur noch mehr hervor, dass die irrwitzigen Spitzen auch nur routiniert ironisch sind, Teil eines audiovisuellen Gemischtwarenladen: Auf der einen Seite der große erzählerische Bogen, auf der anderen kurze Clips, die wir kopfschüttelnd mit unseren Freunden teilen, weil sie uns kurz vom Hocker gehauen haben.

Hoppers verhebt sich an etwas arg vielen emotionalen, gesellschaftlichen Problemlagen und ist dabei zu fahrig, fade und uninspiriert. Mit wiederholtem Kontakt wird er sicherlich nicht gewinnen. Aber womöglich ist das nur die Meinung eines alten, überstimulierten Filmkritikers, der enttäuscht ist, dass dieser rasante, witzige Snack ihn nicht daran erinnert, wieso er sich einst ins Medium Film verliebte. Das zehnjährige Mädchen neben ihm war hingegen hin und weg und vergaß über Hoppers sogar ihren Slush zu trinken – und das heißt schon etwas.
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