„Es ist alles Fantasie“

Interview mit Chen Kaige zu seinem Film Wu-Ji - Die Reiter der Winde

Im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale war außer Konkurrenz Chen Kaiges neuer Film Wu-Ji - Die Reiter der Winde (Wu ji - The Promise, 2005) zu sehen. Das Martial-Arts-Spektakel setzt sich deutlich von den vorherigen Arbeiten des Regisseurs ab. Der mit digitalen Spezialeffekten überfrachtete Wu-Ji - Die Reiter der Winde stieß beim Festivalpublikum auf wenig Gegenliebe, war in China jedoch ein Kassenschlager. Wir sprachen mit Chen Kaige, der in den Achtziger Jahren mitgeholfen hatte, den chinesischen Film im Ausland bekannt zu machen.

critic.de: Der Film Wu-Ji - Die Reiter der Winde erscheint wie der Beginn einer neuen Ära in China. Hat es davor bereits Filme gegeben, die derart viele digitale Spezialeffekte eingesetzt haben? Gibt es viele Spezialisten auf diesem Gebiet?
Chen Kaige: Dies ist der erste chinesische Film, der derart viele visuelle Effekte einsetzt, die am Computer entstanden sind. Ich denke, in der Zukunft werden andere Regisseure Ähnliches versuchen, aber ich glaube, vorher gab es noch keinen Film dieser Art.

Glauben Sie, Filme wie Wu-Ji können langfristig in kommerzieller Hinsicht amerikanischen Blockbustern wie King Kong Konkurrenz machen?
Ich weiß nicht. Es ist zwar der höchstbudgetierte chinesischsprachige Film aller Zeiten, aber im Vergleich mit amerikanischen Standards ist er immer noch sehr billig. Ein amerikanischer Film in dieser Größenordnung kostet vielleicht 150 Millionen Dollar. Unser Budget war viel kleiner, um die 35 Millionen Dollar.

Hatten Sie eine spezielle Epoche der chinesischen Geschichte, an der sie sich orientiert haben, was Ausstattung und Ähnliches angeht?
Nein, es ist alles Fantasie. Es ist nicht wichtig, in welchem Jahr oder in welcher Epoche die Handlung stattfindet. Die Kostüme sehen sehr modisch aus. Ich glaube, es gibt die Tendenz, verschiedene Stilarten zu kombinieren, so dass das Ergebnis gleichzeitig sehr alt und sehr neu aussieht. Auch in Shakespeare in Love beispielsweise sind die Figuren nicht gekleidet wie in der Vergangenheit, sondern wie in einer modernen Modenschau.

Ist die Geschichte ein Kommentar zur aktuellen politischen Situation in China?
Es geht nicht um Politik, aber um Gesellschaft. Ich möchte nicht über die Bezüge zur aktuellen politischen Situation reden. Die Charaktere im Film sind anfangs in spiritueller Hinsicht Gefangene, wie es viele Menschen heutzutage sind, gefangen durch Geld, Erfolg, schöne Frauen und so weiter. Aber das ist nicht nur in China ein Problem. Doch obwohl jeder in dem Film weiß, dass er unter dem Schicksal zu leiden hat, hört niemand auf zu kämpfen. Das ist sehr wichtig in Wu ji. Ich möchte in jedem meiner Werke eine tiefere Bedeutung einbetten. Aber es macht mir nichts aus, wenn ein westliches Publikum diesen Film nur als Unterhaltung betrachtet.

Die Martial-Arts-Filme sind in den letzten Jahren, im Gefolge von Tiger & Dragon (Wo hu cang long, 2000) und Hero (Ying xiong, 2002), immer extravaganter und wilder geworden. Wie, glauben Sie, wird sich das Genre in der Zukunft entwickeln? Kann man noch weiter gehen als Wu ji?
Ich weiß es nicht. Martial-Arts ist Teil der chinesischen kulturellen Tradition. Deshalb glaube ich, es werden auch in Zukunft Martial-Arts-Filme gedreht werden. Vielleicht werde ich eines Tages einen echten Martial-Arts-Film drehen, aber Wu ji ist, glaube ich, keiner. Er vereinigt mehrere Aspekte, eine Liebesgeschichte, Action und Fantasy.

Wie war es für sie, die Martial-Arts-Szenen zu drehen?
Es war sehr schwierig. Es dauert sehr lange, eine Einstellung fertig zu stellen. Man muss sehr geduldig sein. Alles muss perfekt sein, das macht mich verrückt. Es hängt nicht nur von dir ab, sondern auch vom Stuntkoordinator und dem Kameramann. Meine Aufgabe ist es, vor einem Monitor zu stehen und zu sagen: „Ich bin nicht zufrieden mit dieser Einstellung“. Natürlich muss ich das begründen. Aber ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, ich kann ihnen nicht vorschreiben, wie sie es zu tun haben. Ich kann nur Vorschläge machen.

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