Zaïna – Königin der Pferde

Nach dem Tod ihrer Mutter flieht ein junges Mädchen vor ihrem eifersüchtigen Stiefvater. Zusammen mit ihrem leiblichen Vater macht sie sich auf den Weg zum berühmtesten Pferderennen Marokkos.

Zaïna – Königin der Pferde

Zaïna - Königin der Pferde lässt sich als eine Mischung aus Western und Geschichten aus 1001 Nacht beschreiben. Angesiedelt im Atlasgebirge, welches sich über Marokko, Algerien und Tunesien erstreckt, entlehnt der Film dem Western das Frontier-Motiv. Karge CinemaScope-Wüstenlandschaften, die lediglich von vereinzelten Reitern durchquert werden, und gnadenlose Pferdediebe lassen den Atlas als eine Grenzregion wie den amerikanischen mittleren Westen in den klassischen Western John Fords oder Howard Hawks’ erscheinen.

„Es war einmal...“ ist am Anfang des Films zu lesen: Regisseur Bourlem Guerdjou und Drehbuchautorin Juliette Sales verweisen in Zaïna nicht ausschließlich auf den Western, sondern gleichzeitig auch auf orientalische Märchen. Auf der Reise der Protagonisten quer durch den Atlas werden Geschichten über Geister und Berggöttinnen erzählt, und aufrichtige Reiter stehen rachsüchtigen gegenüber.

Zaïna – Königin der Pferde

Der Film beginnt mit einem kurzen Vorgriff auf das Pferderennen. Eine Erzählstimme weist darauf hin, dass Frauen die Teilnahme am Wettkampf untersagt ist und identifiziert die vermummte Person inmitten der männlichen Reiter als Zaïna (Aziza Nadir). Damit wird die Frage, ob das Mädchen die gefährliche Reise quer durch die Berge schafft, bereits am Anfang beantwortet. Folglich versucht der Film, aus der Frage nach dem „Wie“ Spannung zu erzeugen – jedoch erfolglos. Der Durchquerung der Berge fehlt es an Dramatik. Die Bedrohung durch Pferdediebe, welche sich letztendlich als ziemliche Schwächlinge entpuppen und sich mit ein bisschen Feuer und Geschrei vertreiben lassen, vermag keine Spannung zu erzeugen. Auch die ständige Angst vor Zaïnas Stiefvater Omar (Simon Abkarian) vermag die Geschichte nicht voranzutreiben. Schnell wird klar, dass es zu einem Showdown beim Pferderennen kommen muss, dessen Ausgang wohl niemanden überraschen wird.

Neben dem mageren Plot stört besonders die Erzählstimme, welche den ganzen Film begleitet. In den meisten Fällen ist diese redundant und überflüssig. Sieht man beispielsweise Zaïna eines Morgens am Grab ihrer Mutter knien, so erläutert der Kommentar, dass sie die ganze Nacht dort verbracht hat. Als Zuschauer fühlt man sich so unweigerlich bevormundet und gewinnt den Eindruck, dass der Regisseur darauf bedacht ist, möglichst keine Unklarheiten entstehen zu lassen. Die interessante Ausgangslage des Films – wann sah man schon einen arabischen Western? – wird durch die spannungsarm inszenierte vorhersehbare Geschichte geschmälert.

 

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