Wo ist Fred?

Auf der Suche nach einem handsignierten Basketball respektive Ehering setzt sich Fred (Til Schweiger) in einen Rollstuhl und schlittert damit in allerlei Verstrickungen hinein - und eine Treppe hinunter.

Wo ist Fred?

Momentan gibt es mehrere Filmkomödien, die versuchen, mit der „PC“, der „political correctness“, die sich nicht nur im Umgang mit Minderheiten eingebürgert hat, wieder aufzuräumen. Borat, bestes Beispiel dafür, ziert nicht mehr nur die Kinos und Litfasssäulen sondern sein Konterfei ist schon von der Streetart aufgenommen und klebt als ikonenhaftes Papiergraffiti an Häuserwänden. Es ist inzwischen schwierig zu unterscheiden, was noch zur Werbekampagne für den Film gehört, und wo die Gunst der Kunstbegeisterten anfängt. In einem ähnlichen Kontext bewegt sich auch die neueste deutsche Filmkomödie mit Til Schweiger. Während entsprechende Betroffenenforen noch den Begriff „Behinderte“ bekämpfen und dazu auffordern, Menschen mit Behinderung eben so und nicht anders zu bezeichnen, strotzt Wo ist Fred? vor Griffen ins politisch-inkorrekte Fettnäpfchen. Hier wimmelt es nur so von „No-go“-Wörtern wie „Krüppel“ und „Spasti“, und der Freund von Fred erfindet mal eben spontan einen Pflegedienst namens „Behindi-Service“.

Die Geschichte lässt sich wie folgt zusammenfassen: Fred Krüppers (Til Schweiger) ist Bauarbeiter und träumt von einem trauten Familienleben. Als angebetete Verlobte hat er sich die Tochter seines Chefs auserkoren (Anja Kling), die allerdings einen überernährten, verzogenen Sohn hat (Ramon Julia König), den es zuallererst von der Verbindung zu überzeugen gilt. Mit erpresserischen Methoden fordert dieser einen handsignierten Ball des Basketballstars Mercurio. Fred ist ratlos, bis er gemeinsam mit seinem Freund Alex (Jürgen Vogel) auf die Idee verfällt, sich als Rollstuhlfahrer einen Zugang zur Behindertentribüne zu verschaffen. Dorthin wird nämlich am Ende der Play-offs regelmäßig ein solcher Ball geworfen. Das geht auch alles soweit ganz gut, allerdings zieht Fred sich mit Ronny (Christoph Maria Herbst), der an „Cerebralparese“ leidet, einen Feind zu, mit dem nicht zu spaßen ist, und dann taucht auch noch Denise (Alexandra Maria Lara) auf, die im Auftrag der Marketingfirma für Alba Berlin einen Imagefilm mit behinderten Fans drehen soll.

Wo ist Fred?

Fred kann seiner Rolle als stummer Rollstuhlfahrer von da an nicht mehr entfliehen, was zu immer monströseren Verstrickungen und einem amüsanten Rollentausch im Stil altgedienter Verwechslungskomödien führt.

Der Film lebt von der Situationskomik, die sich aus der Aufrechterhaltung des unbedachten Rollenspiels ergibt. Fred erwartet eine schmerzhafte Probe nach der nächsten, zum Beispiel wenn „Pfleger“ Alex ihn im Rollstuhl die Treppe hinunterbrettern lässt, weil keiner bedacht hat, dass Behinderte selten wie Fred im dritten Stock ohne Aufzug wohnen. Der fassungslosen Denise gegenüber kommentiert Alex: „Das ist sein neuer Rekord! Acht Sekunden!“. Die will Fred helfen und bittet ihren Mitbewohner, einen Medizinstudenten, seine Kenntnisse an dem armen Menschen auszuprobieren, der Fred daraufhin lustvoll Nadeln zwischen die Zehen rammt, um festzustellen, ob die Beine auch wirklich empfindungslos sind. Das absolute Highlight des Films bildet jedoch eine Barszene, die ein bisschen an Der neunzigste Geburtstag (Dinner for one, 1963) und Carlo Goldonis Commedia dell’Arte Der Diener zweier Herren (Il servitore di due padroni, 1745) erinnert. Til Schweiger sprintet beziehungsweise schiebt sich hier zwischen der Rolle des zukünftigen Ehemanns, den er für seine Frau darstellen soll, und des Stummen im Rollstuhl, den er für Denise spielt, behände hin- und her.

Wo ist Fred?

Bis auf den stets erfindungsreichen, herzerfrischenden Alex, den Jürgen Vogel mit überzeugender Leichtigkeit spielt, bleiben die meisten Charaktere jedoch holzschnittartig überzeichnet. Die zukünftige Ehefrau und ihr unausstehlicher Sohn mit Namen Linus wirken wie aus einer Comedyserie entsprungen, so klischeehaft sind sie. Nicht minder einseitig charakterisiert ist die liebenswerte, blonde Denise, die für alles und jeden ach so viel Herz und Verständnis hat, aber in ihrer Naivität nur eins nicht begreift, nämlich, was eigentlich Sache ist.

Spätestens als sich die Eltern der Verlobten angesichts des Ehemanns in spe, der dank der Anwesenheit Denises nun auch ihnen im Rollstuhl gegenüber treten muss, in stereotypen Sprüchen ergehen wie: „Man sagt ja auch, dass Behinderte die besseren Menschen sind“, wird deutlich, dass der Film mit all seiner Überzeichnung die inhaltlosen Phrasen der angeblich „Gesunden“, die besonders oberflächlich „um Verständnis bemüht“ sind, plakativ aufs Korn nimmt. Wenn der Marketingchef Benno Held (Pasquale Aleardi) vor der Kamera ohne vorgehaltene Texttafel nicht sprechen kann, die sogenannten Behinderten aber das Vorgegebene – sehr zum Unwillen der diktatorischen Pflegeheimleiterin Frau Hildegard (Adele Neuhauser) – kreativ umgestalten, hält der Film unserer Gesellschaft einen Spiegel vor. Es wäre schön, wenn das Lachen über ein solches Thema zu einem entkrampfteren Umgang mit behinderten Menschen auf der einen und der political correctness auf der anderen Seite führen könnte.

Wo ist Fred?

Beeinträchtigt wird diese Lesart allerdings gravierend dadurch, dass die Hauptrolle unter den im filmischen Universum „Behinderten“ Christoph Maria Herbst spielt, bei ProSieben als Stromberg, „der schlimmste Chef aller Zeiten“ bekannt – natürlich ohne Rollstuhl. Noch schlimmer ist, dass die Darsteller mit tatsächlichen Handicaps auf der offiziellen Webseite des Films noch nicht einmal namentlich aufgeführt sind – und auch im Film kaum zu Wort kommen. Das hinterlässt dann doch einen schalen Nachgeschmack, bei aller Freude über fröhliche Slapstickszenen. Der Film reicht trotz der parodistisch-gesellschaftskritischen Ansätze nicht an eine echte Satire – beispielsweise über die Lebenssituation in Pflegeheimen – heran, obwohl die Elemente dazu im Ansatz enthalten gewesen wären.

Kommentare


4rtist.com

Die Borat Plakate sind kein 6raffiti, sondern cut outs.
Eine Serie von fotos http://streetart.info/borat

6reetings


Chrischmi

Das klingt ja schonmal besser als in der Kino-Vorschau. Mein erster Eindruck war, dass hier behinderte Menschen nicht gut bei wegkommen. Gut, wenn wirklich eher die Gesellschaft auf den Arm genommen wird. Aber mal wieder schade, dass die behinderten Darsteller nicht mal im Abspann genannt werden. Ich bin gespannt, wie befreundete Rollifahrer auf den Film reagieren werden. Davon werde ich abhängig machen, ob ich ins Kino gehe oder nicht.

Chrischmi


flux

Naja, der Film ist m.E. gut, weil wirklich sehr witzig. Die Behinderten kommen nicht schlecht weg, allerdings sind sie nur scheinbar das Thema des Films, was vermutlich teilweise bei den Zuschauern in Entäuschung endet. (Also der Film ist nicht direkt ein Plädoye für Menschen mit Behinderung, es ist nur eine Satire die wie zufällig in diesem Umfeld spielt)


Anne

Der Film ist wirklich lustig, natürlich nicht sehr tiefgreifend, was ja auch nicht der Sinn einer Komödie ist.Die Behinderungen werden sehr übertrieben gespielt, aber die insgesamte Schauspielerleistung ist wirklich hoch.


MARKUS

Der Beste Film aller Zeiten! Ich habe mir den Streifen im Kino angesehen und als er letzte Woche in die Läden kam, hab ich ihn mir geholt und seitdem schon zweimal geschaut! Ich sitze selber im Rollstuhl und der im Film verbaute Humor ist genau mein Ding! Tränen fließen immer "VOR LACHEN" bei der Treppenszene, denn das hätte auch ein typischer Markus sein können, hehe! Hammerfilm, kann ich nur weiterempfehlen.

MARKUS


Sebastian

Tut mir leid, aber Leute die diesen Film von der ersten bis zur letzten Minute lustig und amüsssant finden finde ich persönlich moralisch völlig unterkühlt! Es kann nicht sein, dass "Spasti" "Behindi-Service" oder Til Schweigers (Freds) Aufforderung an seine Ehefrau in spe, dass ihrem Sohn mal eine kräftige Tracht-Prügel gut tun würde als lustig empfunden wird. Auch die Darstellung der behinderten Menschen scheint als Ziel zu haben die Kinozuschauer zum Lachen zu bringen. Lachen über behinderte oder nicht behinderte Menschen gerne, aber auslachen geht vor allem bei Menschen mit Behinderungen gar nicht und meiner Meinung nach zielt dieser Film genau darauf ab! Ich habe selber längere Zeit mit behinderten Menschen zusammen gearbeitet und wenn ich eines gelernt habe ist es, dass sie geachtet und würdevoll behandelt werden wollen, da sie bereits genug gesellschaftlichen Stigmatisierungen ausgesetzt sind. Aber ein Film, der der breiten Masse dargeboten wird und Behinderte zum Gespött macht (Ich weiß, die Oberschlauen von euch werden mich jetzt belehren und mir sagen: "Die machen sich nicht über die Behinderten, sondern über die Gesellschaft lustig")ist für mich absolut nicht vertretbar! Sehr gerne würde ich dies mal meinen ehemaligen Patienten im Behindertenheim zukommen lassen und daraufhin sie entscheiden lassen ob dieser Film moralisch vertretbar ist oder nicht, da sie es am besten von allen entscheiden können. Aber ich komme nicht von der Vermutung los, dass ein Großteil der Leute, die in diesem Gästebuch den Film in höchsten Tönen lobten die Meinung vertreten, dass "Behinderte den Film ja sowieso nicht raffen, sind ja behindert..."
Geschmacklos, billig und vor allem kopiert (siehe Mrs. Douptfire die Szene im Lokal und vergleiche sie mit der Szene bei "Wo ist Fred!?" im Restaurant)


@Sebastian vom POLOHUNTER

Ich bin selber Rollstuhlfahrer und trotzdem find ich den Film nur scharf :-) Hab ihn seit meinem letzten Eintrag weitere 2x geschaut, hehe! Das mit dem Kopieren von Mrs. Doubtfire ist allerdings wahr und was ich als einziges nicht toll finde, ist die Tatsache, dass die Behinderten noch nicht mal im Abspann namentlich genannt werden!
MARKUS


Skyline

Das ist mit Abstand der beste Comedy-Film den ich bisher gesehen hab! Richtig geil und witzig :)






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