Senna

Mit einer dramatisch stark verdichteten Dokumentation leistet Asif Kapadia seinen Beitrag zur Legendenbildung um den 1994 verunglückten Posterboy der Formel 1.

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Der brasilianische Rennfahrer Ayrton Senna wurde von Medien und Fans schon zu Lebzeiten zum Mythos stilisiert. Sein als riskant kritisierter Fahrstil, seine Fähigkeit, bei ungünstigen Wetterbedingungen zu Höchstformen aufzulaufen, und nicht zuletzt sein tragischer Unfalltod beim Großen Preis von San Marino sorgten dafür, dass er weltweit, insbesondere aber in seinem Heimatland, wie ein Heiliger verehrt wurde. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis seine gleichermaßen von Höhepunkten und Rückschlägen geprägte Karriere den Weg auf die Leinwand finden würde.

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Senna ist ein Dokumentarfilm, der die Karriere des Rennfahrers – das Privatleben wird weitgehend ausgespart – in chronologischer Weise noch einmal nacherzählt. Regie führte der englische Filmemacher Asif Kapadia, der bisher mit Abenteuerfilmen (The Warrior, 2001) und Mystery-Thrillern (The Return, 2006) weder bei der Kritik noch an der Kinokasse aufgefallen ist. Senna verfügt jedoch über einen Clou: Es handelt sich hier zumindest auf den ersten Blick um keine mit Interviews vollgepackte Sportlerdoku, sondern einen ausschließlich aus Archivmaterial bestehenden Film. Aus Formel-1-Übertragungen, Interviewaufzeichnungen, Fernsehshows und Heimvideos wird eine typische Heldenerzählung von Aufstieg und Fall erzählt, wie man sie ansonsten eher in Spielfilmen aus Hollywood zu sehen bekommt.

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Anders als vor kurzem Andrei Ujica mit seiner bemerkenswerten Autobiographie des Nicolae Ceausescu (Autobiografia lui Nicolae Ceausescu, 2010), die den rumänischen Diktator so zeigt, wie er sich im Staatsfernsehen präsentierte, und die Archivbilder dabei ganz für sich sprechen lässt, wird in Senna nicht nur Material ausgewählt und angeordnet, sondern auch manipuliert. Die Videoschnipsel werden nach streng dramaturgischen Gesichtspunkten verwendet und äußerst dynamisch montiert. So wird das von gegenseitigem Respekt geprägte, erste Aufeinandertreffen zwischen Senna und dem berühmten Alain Prost deshalb so ausführlich gezeigt, weil der erbitterte Konkurrenzkampf zwischen den beiden das Herzstück des Films ist. Später findet sich eine fast identische Szene, in der ein bereits weltberühmter Senna seinem jungen, sichtlich nervösen Landsmann und Kollegen Rubens Barrichello gegenübersteht.

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Zugunsten dramatischer Verdichtung werden durch den Schnitt räumliche und zeitliche Bezüge konstruiert. Als sich Prost in einem Interview auf der Rennstrecke etwa kritisch über seinen Teamkollegen äußert, wird ein misstrauisch dreinblickender Senna dagegen geschnitten, dessen Reaktion sich wohl auf etwas ganz anderes bezog. Doch auch neben der Montage bezieht der Film sämtliche Mittel mit ein, um ein möglichst kurzweiliges, auch für Sportmuffel interessantes Seherlebnis zu schaffen. Dabei trägt Kapadia streckenweise auch sehr dick auf. Besondere Augenblicke wie Siege oder Niederlagen werden durch Zeitlupe oder Standbilder betont, und der intensive Einsatz von Musik (Antonio Pinto) lenkt die Emotionen des Zuschauers in die gewünschte Richtung. Der Verzicht auf die in Dokumentationen üblichen talking heads erfolgt letztlich nur vordergründig. Erinnerungen von Kollegen und Familienmitgliedern, die den Mythos von Senna als einsamen Wolf und Perfektionisten weiterspinnen, werden immer wieder aus dem Off eingeblendet.

Letztlich erzählt Senna eine reichlich konventionelle Aufstiegsgeschichte mit den üblichen Zutaten einer Dokumentation. Dabei muss man dem Film aber zugestehen, dass er innerhalb seiner eng gesetzten Grenzen durchaus auf hohem Niveau funktioniert.

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Kommentare


Wohli

Leider weiß ich noch nicht wie und wo ich diesen Film sehen kann, aber glaubt mir kein A.Prost oder Spitzkinn Sch. haben jemals an das Können dieses Genies herangereicht.leider läuft solch Film nur in Spartenkinos, schade eigentlich


steffen

Freue mich sehr auf den Film und bin super gespannt, weil ich mit Senna 3 Jahre zusammengearbeitet habe. Nur echt schade, dass ich diesen Film, der nur um 20:15h läuft, nicht meinem 9-jährigen Sohn zeigen kann - da ist dann schon bald "Betti-gehen-Zeit". Vielleicht sollten die Kinos mal überlegen dies auch ins Nachmittags-Programm zu setzen.


TheSixthBeatle

Ayrton würde jetzt sagen:

"Gott erschuf die Welt auch nicht an einem Tag!!!"

Es gibt nur noch ein STAR, ein Rap: "Das ist meine Zeit, ich hab Jahre gereimt und werd von KEINEM GEHYPT !!!

Der Sechste Beatle kommt zu "UNS"






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