Zweimal Buñuel

Tristana

Die im November erschienene Luis Buñuel Edition bietet vor allem einen groben Querschnitt durch den Schaffensreichtum des spanischen Regisseurs. Vielleicht ein wenig zu kurz kommt dabei die mexikanische Phase des Regisseurs. Auch die beiden aktuellen Auskopplungen sind dem europäischen Spätwerk des Meisters entnommen. Sie decken zwei für Buñuel zentrale Themen ab: Religion und Aristokratie.
In Die Milchstraße (La voie lactée, 1969) begegnen Jean und Pierre auf ihrem Pilgerweg nach Santiago de Compostela allerlei merkwürdige Gestalten. Die Grenzen von Raum und Zeit heben sich auf, die beiden werden Zeuge wichtiger Stationen katholischer Glaubensgeschichte.
Während Buñuel hier mit surrealer Leichtigkeit agiert, atmet sein nächster Film Tristana (1970) absolute Strenge. Der Regisseur arbeitet nach Belle de Jour (1967) ein weiteres Mal mit Catherine Deneuve zusammen, die sich allerdings weitaus keuscher als in ihrer Paraderolle zeigt. Sie spielt die Titelheldin, eine Waise, die bei Don Lope (Fernando Rey) unterkommt. Zwischen beiden entspinnt sich ein ungesundes Netz aus Begehren und Abhängigkeit.
Wer Buñuel ein wenig kennt – und ihn nicht uneingeschränkt liebt –, wird sich des Gefühls nicht erwehren können, vielen Motiven in seinen früheren Filmen wie Er (El, 1952), Das verbrecherische Leben des Archibaldo de La Cruz (Ensayo de un crimen, 1955) und Viridiana (1961) schon einmal intensiver begegnet zu sein. Darüber hinaus tut der nicht einwandfreie Print dem Sehvergnügen einen kleinen Abbruch.

Tristana (Frankreich, Italien, Spanien 1970)
Arthaus
DVD-Verkauf ab: 21.01.2010

Die Milchstraße (La voie lactée, Deutschland, Frankreich, Italien 1969)
Arthaus
DVD-Verkauf ab: 02.02.2010

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