Team Kino 2013: Schüler kuratieren Kurzfilme

Wenn Jugendliche mit Filmen interagieren, dann folgt das stets sehr ähnlichen Ritualen: Über Werbung davon erfahren, dann als Ware im Netz oder in Multiplexen konsumieren. Was anschließend in der Auseinandersetzung mit dem Kino passiert, bleibt oft dieser Produktlogik verhaftet. Das Projekt Team Kino hat sich in einem Feldversuch daran gemacht, die Strukturen des Filmerlebnisses aufzubrechen.

Team-Kino Artikel

Die Initiative Team Kino, an der critic.de inhaltlich beteiligt war, lud im Herbst Schüler dazu ein, Kurzfilme des Festivals KuKi zu sichten, um ihr eigenes Programm zu kuratieren und Filmkritiken zu verfassen. Die Idee dahinter: Jugendlichen eine Alternative zur schulischen Begegnung mit Filmen sowie der passiven Rezipientenhaltung zu bieten. Als Programmgestalter und Kritiker tauschten sie an zwei Nachmittagen Meinungen und Argumente aus, stets mit dem Ziel, sich gegenseitig zu überzeugen, bestimmte Filme auszuwählen oder auszuschließen. Das dabei entstandene Programm wurde in einer Sondervorstellung drei Klassen unterschiedlicher Berliner Schulen gezeigt. Von den knapp 30 Teilnehmern haben uns 20 ihre für den Workshop verfassten Kritiken überlassen. Wir veröffentlichen sie in der Reihenfolge der kuratierten Filmreihe.
 

      
 

Möglich gemacht wurde Team Kino durch das Projekt KidsFilm – Kinder ins Kino der AG Kino, das im Rahmen der Bündnisse für Bildung vom Bundesbildungsministerium gefördert wird. Getragen wurde Team Kino durch ein institutionelles Bündnis von Down Under Berlin – Australian Film Festival, Interfilm Berlin und dem Landesverband Kinder- & Jugendfilm Berlin.

Frédéric Jaeger

9 Meter

Ein Sprung fürs Leben?

9 Meter 01

Familie: Sie ist das Wichtigste im Leben und man würde einfach alles für sie tun. Aber auch in schwindelerregender Höhe von Dach zu Dach springen, wenn man dabei sein eigenes Leben riskiert? Der dänische Kurzfilm 9 Meter überrascht mit den riskanten Themen Tod, Leben und Liebe, wobei die Spannung nicht auf der Strecke bleibt. Das 2012 erschienene Drama, welches für einen Oscar in der Kategorie Bester Kurzfilm nominiert war, handelt von einem Jugendlichen namens Daniel. Der ist überzeugt davon, seine im Koma liegende Mutter mithilfe seines Weitsprungtalentes zu retten – indem er waghalsige Rekorde aufstellt.

„...sechs, sieben, acht, neun.“ Das Adrenalin steigt und steigt. Das ist das Endziel. Der Weltrekord. Eine kurze Ruhephase folgt, er nimmt Anlauf, wird schneller und schneller und springt anschließend mit aller Kraft und Hoffnung ab. Die Schauspieler vermitteln eine glaubwürdige und authentische Mimik sowie Gestik. Der Film berührt den Zuschauer auf sämtlichen Ebenen, besonders durch die herausragenden schauspielerischen Leistungen. Er befasst sich nicht nur mit dem sehr heiklen Thema Tod, sondern auch mit den Kontrastthemen Leben und Liebe. Die Verbindungen zwischen diesen Themen sind klar dargestellt und für den Zuschauer leicht zu erfassen. Der Handlungsort sowie die Kostümwahl sind stimmig und bringen die Atmosphäre glaubwürdig rüber.

17 Minuten lang steht man unter Strom. Die Kameraführung sowie die Musik passen sich den Situationen der Handlung perfekt an und lassen den Zuschauer am Geschehen teilhaben. Das offene Ende regt mächtig zum Nachdenken an. Man erhält genügend Spielraum, um auch später noch über den Film nachzudenken, da die relativ realistische Story an eigene Lebenssituationen erinnert. Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass 9 Meter sehr sehenswert und jedem zu empfehlen ist, wobei man die Altersgrenze aufgrund der Konfrontation mit schwierigen Themen noch einmal überdenken sollte.
 

Ich gebe die Hoffnung nicht auf

9 Meter 02

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch wie weit würdest du gehen, wenn es nur noch wenig Hoffnung gibt? Der Film 9 Meter handelt von einem sportlichen Jungen namens Daniel. Daniels Mutter erlitt eine Hirnblutung und liegt seitdem im Koma. Die behandelnden Ärzte und sein Vater haben die Hoffnung bereits aufgegeben, dass sie jemals wieder aufwachen könnte. Daniel jedoch glaubt fest daran, dass es noch Chancen für seine Mutter gibt, wenn er einen Rekord im Weitsprung aufstellt. Er wagt immer gefährlichere Sprünge, springt immer weiter. Doch wird er die erhofften 9 Meter auch springen können?

Der Regisseur Anders Walter behandelt in diesem Film die Konfrontation mit dem Tod und die Schwierigkeit, Menschen, die man liebt, gehen zu lassen. In der Hoffnung, seine Mutter noch retten zu können, riskiert Daniel sogar sein eigenes Leben. Er will und kann sie einfach noch nicht aufgeben. Walter hat es geschafft, diesen Film – auch durch ein offenes Ende – spannend und ansprechend zu gestalten. Des Weiteren hat er sehr ernste Themen verarbeitet, die von den Schauspielern sehr realistisch und authentisch rübergebracht werden. Daniels waghalsige Sprünge geben dem ganzen Film dann die Würze.
 

Eine Entscheidung über Leben oder Tod

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Mit konzentriertem Blick fixiert Daniel sein Ziel. Er atmet ein letztes Mal tief durch, versucht so seinen wummernden Herzschlag unter Kontrolle zu bringen, beginnt zu rennen, schneller, noch schneller… und springt ab!

Daniel ist der jugendliche Protagonist des 17-minütigen Kurzfilms 9 Meter (Regisseur Anders Walter, Dänemark), der sich zu einem waghalsigen Versuch entschließt, um seine Mutter aus dem Koma zu wecken. Fest davon überzeugt, den sich verschlechternden Gesundheitszustand seiner Mutter verbessern zu können, versucht der Sohn, Rekorde im Weitsprung aufzustellen, bei denen er immer größere Risiken eingeht.

Es ist ein ergreifendes Drama, das den Zuschauer unwillkürlich mitfiebern lässt, wenn etwa Daniel sein Auge präzise auf den Betrachter richtet. Der Regisseur hat eine sehr persönliche Kameraeinstellung gewählt, die die Handlung gut in Szene setzt und dem Zuschauer gestattet, direkt mit ins Geschehen einzutauchen. Auch der Herzschlag vor jedem Sprung, akustisch nachvollziehbar durch den Off-Ton einer hämmernden Basslinie, hilft die Spannung zu halten. Daniels authentische schauspielerische Leistung unterstützt dies noch zusätzlich. Obwohl er ständig seine Sportsachen trägt, was auf Manchen durchaus irritierend wirken kann, vermag sich der Zuschauer sehr gut in Daniels Gefühlswelt hineinzuversetzen und spürt förmlich selbst die Verzweiflung bei jedem Weitsprung. Daniels Gesicht spiegelt diese Empfindung sehr deutlich wider. Verstärkt wird dieses Gefühl außerdem durch die Betonung des Gegensatzpaares Vater und Sohn: auf der einen Seite der Vater, der kühl wirkt, als hätte er sich mit der ausweglosen Situation bereits abgefunden, und ihm gegenüber Daniel, der Sohn, der seine Mutter über alles liebt und nicht loslassen kann und möchte.

9 Meter setzt sich mit ernsten allgegenwärtigen Themen – Leben, Abschied, Tod, Sport und Liebe – auseinander und lässt dem Zuschauer durch das gelungene offene Ende viel Interpretationsspielraum. Es ist ein Kurzfilm, der einen auch noch Stunden und Tage später zum Nachdenken anregt. 9 Meter widmet sich einer schmerzhaften Realität, die den Zuschauer Anteil am Geschehen nehmen sowie Verständnis für die Situation, Reaktionen und Emotionen des jungen Daniel aufbringen lässt.

Wie weit würden sie springen, um einen Menschen, den sie lieben, zu retten?

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Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.
Hermann Hesse

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Es scheint, als wäre es ein ganz normaler sonniger Tag, bis die Kamera auf einen Jugendlichen schwenkt, der sich auf dem Dach eines Hochhauses befindet. Er setzt sich in Bewegung, wird immer schneller, konzentriert sich und springt. Mit diesem Blick in die Zukunft beginnt der Film 9 Meter, in dem es um den 16-jährigen Daniel geht, der ein besonderes Talent im Weitsprung besitzt. Er versucht, durch das Brechen seiner eigenen Rekorde seine im Koma liegende Mutter dazu zu bringen aufzuwachen. Sein letztes Ziel ist es, die neun Meter zu schaffen, doch wird er so weit springen können?

Beim Betrachten des Films bekomme ich den Eindruck, dass der Regisseur nicht sehr viel Wert auf die Handlung legt. Er schafft es jedoch, im Film eine besonders emotionale und liebenswürdige Atmosphäre aufzubauen und zu vermitteln. Die Kameraarbeit ist sehr gelungen, und es gibt sehr schön fotografierte Bilder. Die Musik ist zu jeder Stelle des Films passend gewählt worden. Die Ausstattung ist jedoch eher zurückhaltend. Der Protagonist besticht durch eine sehr gute schauspielerische Leistung. Durch die reduzierte Handlung wird der Spannungsbogen flach gehalten, steigert sich dann durch das offene Ende jedoch dramatisch und regt zum Nachdenken an. Meiner Meinung nach ist 9 Meter ein guter und spannender Kurzfilm.
 

Ein Sprung aus dem Koma?

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Diesen Augenblick, wenn der Körper nur aus Adrenalin zu bestehen scheint, kennt jeder. Aber was ist, wenn es dabei auf wirklich alles ankommt? Der 2012 produzierte Kurzfilm 9 Meter sorgt mit den Themen Leben und Tod, aber auch Liebe für Spannung ganz besonderer Art auf der Leinwand. Nicht umsonst war er für einen Oscar in der Kategorie Bester Kurzfilm nominiert.

Daniel atmet tief durch. Den Blick konzentriert auf sein Ziel gerichtet, beginnt er zu laufen, zu rennen, wird immer schneller und springt ab. Der Junge ist ein Talent im Weitsprung. Überzeugt davon, seine im Koma liegende Mutter durch neue Weitsprungrekorde am Leben erhalten zu können, entschließt er sich zu riskanten Versuchen. Der Kurzfilm 9 Meter des dänischen Regisseurs Anders Walter beschäftigt sich mit dem Abschiednehmen von einem geliebten Menschen, aber auch mit dem verzweifelten Kampf, diesen Abschied nicht zuzulassen. Schmerzlich, aus der Perspektive eines betroffenen Jugendlichen, wird diese erschütternde Situation erzählt. Durch die großartige schauspielerische Leistung des jungen Hauptdarstellers Benjamin Gabrielsen wirkt 9 Meter authentisch und gewährt dem Zuschauer einen Einblick in die Gefühlswelt des Jungen.

Der Regisseur Anders Walter bedient sich eines starken emotionalen Kontrasts zwischen Daniel, welcher den warmherzigen und emotionsgeleiteten Sohn darstellt, und seinem Vater, einem nach außen kühl wirkenden Realisten, der seinen Sohn nicht recht zu verstehen scheint. Dieses unausgesprochene Verhältnis sowie andere ungeklärte Bestandteile des Dramas lassen großen Interpretationsfreiraum für den Betrachter.

Die Musik wird als starkes gestalterisches Mittel im Film eingesetzt. Sphärische Klänge lassen Szenen wie Traumsequenzen erscheinen, eine markante Basslinie überträgt den Herzschlag des Sportlers beim Anlauf zum Sprung auf den Zuschauer. Dem Thema angemessen spielt der Film überwiegend in dunklen, farblosen Szenen. Eine ruhige Kameraführung, der Verzicht auf schnelle Schnitte sowie zurückhaltende Dialoge sind die Basis für das emotionale Spiel des Darstellers.

9 Meter ist ein äußerst gelungenes Werk, welches mit packenden Bildern ein sehr dramatisches Thema aufgreift. Der Film regt zum Nachdenken über sein eigenes Glück an und berührt somit jeden Zuschauer persönlich auf sehr intensive Art: Wie weit würden Sie gehen, um einen Menschen, den Sie lieben, zu retten?

Lena Cyrol
 

Der Sprung seines Lebens!

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Was würden Sie tun, wenn einer Ihrer Angehörigen im Koma liegt? Was macht Daniel im dänischen Film 9 Meter? Er versucht, durch sportliche Bestleistungen seine Mutter aus dem Zustand zu erwecken. Wird er es schaffen?

Der Film 9 Meter, der aus Dänemark kommt und 2012 produziert wurde, handelt von einem Jungen, der versucht, seine Mutter aus dem Koma zu holen, und sich dabei selbst in Gefahr begibt. Er versetzt sich selbst in einen tranceähnlichen Zustand, da er gar nicht merkt, dass es mit seiner Mutter zuende geht. Zum Schluss hängt es nur noch an Daniel. Die Ärzte wollen die Geräte abschalten und warten nur noch darauf, dass er sich von ihr verabschiedet, aber er kann es nicht.

Die Idee der Geschichte ist im Film gut umgesetzt. Das Einzige, das nicht in den Film passt, ist der Mann der Frau. Es wirkt so, als hätte er keine Bindung zu ihr. Daniel dagegen, der Hauptcharakter, wird klasse rübergebracht. Durch die emotionale Kameraführung wird das das Mitfühlen beim Zuschauer extrem verstärkt. Die Musik spielt in diesem Kurzfilm eine ganz bedeutende Rolle. Sie hinterlegt passend das Szenario. Der Handlungsort hat nicht zur Geschichte gepasst, da die Wohnung der Familie sehr hochwertig eingerichtet war. Doch spielt der Film draußen, sieht man nur Plattenbau.

Meiner Meinung nach ist es ein sehr gelungener Film, dessen Geschichte nachvollziehbar ist, da sie aus dem Leben gegriffen ist. Dazu wird das Geschehen sehr authentisch vom Hauptdarsteller rübergebracht. Man sollte sich diesen Film unbedingt angucken.
 

9 Meter – Der Sprung in den Tod?

9 Meter 07

Dieser Moment, wenn dein Körper nur aus Adrenalin zu bestehen scheint, wenn es auf alles ankommt, diese Situation kennen die meisten Menschen, doch nie kommt es wirklich auf alles an. Regisseur Anders Walter zeigt in seinem 2012 produzierten Kurzfilm die Geschichte des dänischen Jungen Daniel, dem es wirklich um alles geht. Der talentierte Weitspringer glaubt, seiner im Koma liegenden Mutter helfen zu können, indem er seinen Weitsprungrekord wieder und wieder verbessert. Als seine Mutter kurz vor dem Tod steht und es mit dem Rekorde brechen nicht mehr vorangeht, beschließt er, an sehr gefährlichen Orten weiterzuspringen, damit er durch den erhöhten Adrenalinspiegel bessere Leistungen erzielen kann. Der Höhepunkt ist ein Neun-Meter-Sprung von einem Hochhausdach zum anderen.

Die Schauspieler arbeiten professionell, was die Ernsthaftigkeit des 17-minütigen Filmes unterstützt. Die passende, aber unauffällige Filmmusik und andere Soundeffekte – zum Beispiel das bassuntermalte Herzklopfen des Protagonisten – sowie das Herunterschrauben der Farbkontraste verpassen dem Film eine authentische und sehr beeindruckende Wirkung. Die Story ist herzergreifend und spannend, denn auch wenn wohl noch keiner der Zuschauer in der erzählten Situation war, kann sich jeder sehr gut in die Hauptfigur hineinfühlen und ist interessiert am Fortlauf der Geschichte. Insgesamt hat die schockierende Wirkung den Film zu einem sehr guten Film gemacht, es war eines der besten Kinoerlebnisse, die ich hatte.

Marlene Hunger
 

Nashorn im Galopp

Das Flüstern der Stadt

Nashorn im Galopp 01

Das Einzige, was Menschen zusammenführt, ist das Teilen von Interessen. Im Kurzfilm Nashorn im Galopp wird beschrieben, wie zwei Menschen als einzige die Seele der Stadt begreifen und sich dadurch immer näher kommen.

Im 15-minütigen Kurzfilm Nashorn im Galopp scheint Bruno der einzige Mensch der Gesellschaft zu sein, der die Stadt versteht, bis er eines Tages von der Seele dieser Stadt zu einer besonderen Frau geleitet wird. Vicky ist eine Weltreisende, die die Welt genauso sieht wie Bruno. Überall, wo sie hinreist, macht sie Fotos, die ihrem persönlichen Motto – und dem des Films – folgen: „I am here“.

Das Interessante an diesem Kurzfilm ist, dass hier die Stop-Motion-Technik verwendet wird. Zudem gibt es viele weiche und wenig harte Schnitte. Meiner Meinung nach hat der Kurzfilm viele aufwändige und gute Animationen, die den Ausdruck des Films verstärken. Zudem hat mich der Kurzfilm sehr bewegt, selbst beim eisernsten Menschen werden bei diesem Film die Tränen fließen.

 

Nashörner trampeln durch die Seele Berlins

Nashorn im Galopp 02

Was versteckt sich wohl hinter dem Titel des Kurzfilms Nashorn im Galopp? Geht es wirklich um graue Tiere, die sich galoppierend durch die Stadt bewegen? Bruno kommt es zumindest so vor, weil niemand die Seele der Stadt zu begreifen scheint.

Erik Schmitt setzt mit grandios gewählten Stilmitteln der Montage eine herrlich leichte Liebesgeschichte über filmischen Ausdruck um. Bruno, der Hauptdarsteller, fühlt sich allein an diesem Ort voller Anonymität, dieser großen Stadt voll blinder, stumpfsinniger Menschen,  vor denen er sich mit all seinen Theorien über Römer, Schlangen und trampelnder Menschenherden bewusst verschließt. Doch dann kommt der Tag, an dem die freche Weltenbummlerin Vicky in sein Leben tritt und ihm ihre Art zu leben zeigt. Zusammen laufen sie durch Berlin und genießen die gemeinsame Zeit. Vicky ist ein sehr kontaktfreudiger Mensch und schnell verspürt Bruno ein Gefühl der Eifersucht. Wut staut sich in ihm an, und er wirft Vicky in einem hitzigen Streit verletzende Worte an den Kopf – obwohl er weiß, dass sie die Stadt schon bald wieder verlässt. Mit sich im Unreinen überlegt er, was er tun kann, damit Vicky und er nicht im Streit auseinandergehen. Bruno hat bereits eine großartige Idee.

Mit zahlreichen Stop-Motion-Animationen, die von ihrer Einfachheit leben und von den durch Tino Mewes und Marleen Lohse hervorragend gespielten Emotionen, ist Nashorn im Galopp ein Kurzfilm, der jedem Zuschauer ein gutes Gefühl geben muss und Einblicke in die Seele der Stadt gewährt.
 

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Nashorn im Galopp 03

Die meisten Menschen leben zwar in ihrer Stadt, nehmen jedoch die Seele der Stadt überhaupt nicht wahr. Sie trampeln wie eine Horde Nashörner durch ihren Lebensraum. Bruno geht es anders. Für ihn ist Berlin mehr als nur Häuser, Straßen und der Himmel. Er nimmt die Zeichen, die seine Stadt ihm gibt, auch wahr. So führt sie ihn eines Tages zu Vicky, einer echten Seelenverwandten, denn sie ist genauso fasziniert von Berlin wie er.

Erik Schmitt und Stephan Müller, zusammen bekannt unter dem Pseudonym Kamerapferd, stellen mit Nashorn im Galopp eine fast schon klischeehafte Liebesgeschichte dar, die jedoch durch den Bezug auf den Genius Loci – die Seele der Stadt  – keineswegs wie eine gewöhnliche Romanze wirkt. Die Schauspieler Tino Mewes und Marleen Lohse spielen ihre Rollen sehr emotional, wodurch der Film genauso faszinierend wie mitreißend ist und den Zuschauer sowohl zum Lachen als auch zum Heulen bringen kann. Mithilfe sehr einfacher Papp- und Kartonkonstruktionen schafft die Regie effektvolle Animationen, die Brunos Gedanken visuell veranschaulichen und Berlin von einer Perspektive beleuchten, die die meisten Menschen im Alltag überhaupt nicht wahrnehmen. Dies wird durch die äußerst gelungene Stop-Motion-Technik und einer passend ausgewählten Filmmusik noch besser verdeutlicht. Nicht umsonst wurde der Film im Rahmen der Berlinale gezeigt.

Dennoch finde ich, dass der Film ein wenig zu lange dauert. 14 Minuten sind für einen Kurzfilm zwar keine Überlänge, aber ich bin der Meinung, dass man an einer früheren Stelle ein offeneres Ende hätte finden sollen. Alles in allem ist Nashorn im Galopp ein sehr gelungener Kurzfilm, der das Thema Sinn des Lebens mitreißend darstellt und bis auf das Ende in allen Punkten überzeugen kann.
 

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Nashorn im Galopp 04

Was hat eine Stadt wie Berlin bloß mit galoppierenden Nashörnern zu tun? Geht es wirklich um graue Tiere, die sich galoppierend durch die Stadt bewegen? Bruno zumindest kommt es so vor, weil niemand die Seele der Stadt zu begreifen scheint.

Der Kurzfilm von Erik Schmitt erzählt eine süße Geschichte von Liebe und Freundschaft mit fantastisch in Szene gesetzten Stop-Motion-Animationen. Nashorn im Galopp erinnert vom Gestaltungskonzept zwar erschreckend an Nikon-Werbung, allerdings macht der philosophische Unterklang dies wieder wett. Der Protagonist Bruno stellt sich nämlich die Frage, warum die Bürger die Seele ihrer Stadt nicht spüren, warum sie also wie Nashörner im Galopp durch ihr Leben hetzen, ohne sich der vielen Organismen um sie herum gänzlich bewusst zu sein. Als Bruno der frechen Weltenbummlerin Vicky begegnet, findet er in ihr eine Seelenverwandte, die ihren Lebensraum ebenso intensiv wahrnimmt wie er. Das einzige Problem: Vicky verlässt Berlin bereits in einer Woche wieder.

Bruno nutzt diese Tage aus und erlebt mit ihr eine wundervolle Zeit. Es kommt, wie es kommen muss: Er verliebt sich in sie. Vicky ist ein sehr offener und kontaktfreudiger Mensch, vor allem im Umgang mit Männern, was wiederum Bruno ziemlich kränkt. Am vorletzten Tag, als er ihr eigentlich seine Liebe gestehen wollte, platzt stattdessen sein ganzer Frust aus ihm heraus, und die Beziehung geht im Streit auseinander. Allerdings hat er da schon eine Idee, um es wieder gutzumachen …
 

Eating Lunch (Äta Lunch)

Essen, essen, essen

Aeta Lunch 01

Ein Kurzfilm zu einer bekannten Krankheit einmal anders.

Im Gegensatz zu den vielen Dokumentationen zum Thema Essstörung ist Äta Lunch eine angenehme Abwechslung, weil der Schwerpunkt auf das Miteinander und nicht das Gegeneinander gelegt wird.

Klara, die Hauptfigur, ist eine Essgestörte und geht wie üblich zu ihrer Selbsthilfegruppe, wo sie, trotz langer Mitgliedschaft, immer wieder an ihre Grenzen stößt. So auch an dem Tag, als eine Neue, Christina, hinzukommt. Klara hält dem Druck des fettigen Essens nicht mehr stand und muss sich übergeben. Doch anstatt hieraus ein Drama zu machen, entscheidet sich die schwedische Regisseurin Sanna Lenken dazu, Hilfsbereitschaft und Unterstützung in den Mittelpunkt zu stellen: Eine weitere Essgestörte hilft Klara. All dies wird gut durch den Zoom der Kamera auf das Essen und die unappetitlichen Kaugeräusche veranschaulicht. Man kann sich leicht in Klara hineinversetzen.

Äta Lunch bringt Probleme von Essgestörten auch für Unbetroffene gezielt auf den Punkt und macht sie verständlich. Der Kurzfilm ist in seinem Genre, vor allem durch die schauspielerischen Leistungen, sehr gelungen umgesetzt und somit weiterzuempfehlen.
 

Wenn das Essen mal wieder zum Kotzen lecker ist!

Aeta Lunch 02

Jeder hat seine eigene Vorstellung von der perfekten Figur. Heutzutage besteht das Schönheitsideal einer jungen Frau darin, die Maße 90-60-90 zu besitzen und schlanke lange Beine zu haben. Es gibt viele verschiedene Wege, wie man zu diesem perfekten Körper gelangt. Sie können sowohl gesund als auch schädlich für unser Wohlbefinden sein.

Bei Menschen, die unter einer Essstörung leiden, ist es ein wenig anders. Um ihre Vorstellungen zu verwirklichen, verunstalten sie ihr Wesen und gefährden somit ihre Gesundheit, indem sie nichts oder zu viel essen oder alles, was sie gegessen haben, wieder herausbrechen. Man möchte ihnen beim Anblick, wie sie das Essen beobachten, am liebsten helfen und sagen: Iss es doch einfach! Aber ist es wirklich so einfach?

Äta Lunch, ein Kurzfilm aus Schweden, gewährt uns Eintritt in die Köpfe von Jugendlichen, die sich über das Essen zu viele Gedanken machen und unter dieser Krankheit leiden.

Die Hauptfigur Klara, von der Schauspielerin Elina Sandberg verkörpert, besucht jeden Tag eine Klinik für Essgestörte. Sie selbst leidet auch unter der Krankheit, jedoch scheint es so, als würden ihre Probleme, die sie mit Kalorien, Zucker und Kohlenhydraten hat, durch die Behandlung allmählich verschwinden, und sie wieder, wie andere auch, normal essen können. An jenem Tag aber erleidet sie einen Rückfall und fällt wieder in ihr altes Essensmuster zurück. Dies hat zur Folge, dass sie ihr ganzes Essen wieder herausbricht. Der Grund für diesen Rückfall ist ein Neuankömmling. Dieses Mädchen äußert sich, während alle essen, obwohl es unerwünscht ist, Kommentare über den Zuckergehalt und Kalorienwert, der im Gericht enthalten ist, mitzuteilen. Klara aber fasst sich wieder und fängt an, mithilfe einer Freundin von einem neuen Teller zu essen.

Sanna Lenken, die in diesem Kurzfilm die Regie führt, hat volle Arbeit geleistet. Sie verwendet gezoomte Kameraperspektiven, überzogene Essenstöne und spart an Gesprächen. Durch den Zoom auf das Essen, begleitet durch die Kautöne der Jugendlichen und den verschiedenen Schärfeeinstellungen, überträgt Klara ihre Ekelempfindungen auf die Zuschauer. So kann man sich sehr gut in die Lage des armen Mädchens hineinversetzen und man fühlt ihre Abneigung gegenüber dem Essen. Die Schauspielerin hätte besser nicht ausgewählt sein können. Sie kann auch ohne Worte ihre Empfindungen vermitteln, vor allem durch ihren Gesichtsausdruck wie auch durch ihre Körperhaltung.

Äta Lunch ist ein rundum gelungenes Werk, das die Rahmenhandlung eines essgestörten Mädchens erzählt. Der Film lehrt, wie man mit solch einer Krankheit umgehen kann. Man sollte Verständnis besitzen und helfen, denn Zusammenhalt und das Gefühl von Geborgenheit heilen alle Wunden jeglichen Ausmaßes.
 

Ist so genießbares Essen?

Aeta Lunch 03

Was würden Sie machen, wenn Sie an einer Essstörung leiden und gegenüber von Ihnen jemand das Fett aus den Fleischklößchen drückt, die Sie gerade im Mund haben? Diese Frage muss sich auch Klara stellen, die Hauptperson in dem schwedischen Kurzfilm Äta Lunch von der Regisseurin Sanna Lenken. In dieser dramatischen Momentaufnahme geht es um eine Gruppe von Mädchen, die an Essstörungen leiden und sich jeden Mittag versammeln, um genügend zu essen und sich gegenseitig dabei zu unterstützen.

Die Regie hat in diesem Film eine spezielle, nahe Kameraperspektive gewählt, deren Fokussierung auf dem Essen und der Art und Weise, wie die Personen es zu sich nehmen, liegt. Durch diese Darstellungsweise werden der emotionale sowie körperliche Zustand und die Denkweise der Mädchen extrem sichtbar, was jedoch auf eine sehr unappetitliche Art, die nicht für jeden gemacht ist, ausgedrückt wird. Der komplette Film ist sehr authentisch und ich würde ihn einem jugendlichen Publikum empfehlen, da er ein sehr ernstes Thema behandelt und von jüngeren Kindern nicht vollständig verstanden werden kann.
 

By the Pool

Aussehen oder Charakter?

By the Pool 01

Diese Frage stellt sich für ein Mädchen in dem dreiminütigen Kurzfilm By the Pool von Ivan Almeida Rodrigues. Doch für was wird sie sich wohl entscheiden?

Jeder Junge kennt das vielleicht: Man will ein Mädchen ansprechen, ist aber zu nervös, um einen vollständigen, sinnvollen Satz hervorzubringen. Doch dieser Junge nicht. Er nimmt seinen ganzen Mut zusammen und spricht sie trotz seiner Hemmungen an.

Es ist ein ganz normaler Sommertag. Ein attraktives Mädchen genießt alleine das traumhafte Wetter an einem Pool. Etwas weiter hinter ihr auf einer Bank sitzt ein Junge, der sich nach langem Zögern und Überlegen entschließt, das einsame Mädchen anzusprechen. Doch es gibt ein Problem: Nach einigen Sekunden des einseitig verlaufenden Gesprächs taucht ihr durchtrainierter Freund aus dem Wasser auf. Wie wird das Mädchen darauf reagieren?

By the Pool ist ein hervorragender Kurzfilm, der eine Reihe an Klischees bedient, die direkte Kameraführung bevorzugt und darüber hinaus den sehr knappen Inhalt sehr gut widerspiegelt. Somit erfüllt es alle Kriterien eines Kurzfilms und bietet ein erheiterndes, kurzweiliges Filmvergnügen für die ganze Familie.
 

Der Nerd wird zum Aufreißer

Ein hübsches Mädchen sitzt am Pool. Da ist sie, meine große Liebe. Soll ich sie ansprechen?

By the Pool ist ein dreiminütiger Kurzfilm von Ivan Almeida Rodrigues.

Ihre große Liebe sitzt direkt vor Ihnen und Sie müssen sie nur noch ansprechen. Haben Sie den Mut dazu, Ihre Angst und Nervosität zu überwinden? By the Pool ist ein Kurzfilm über die erste Begegnung mit der großen Liebe. Der Hauptcharakter, ein kleiner, schlicht aussehender Junge, entschließt sich, seinen Mut zusammenzunehmen und das Mädchen anzusprechen. Es ergibt sich eine komische, aber zugleich auch lustige Art und Weise der Dialogführung. Er ist sehr nervös und redet und redet, ohne auf den Punkt zu kommen. Dann taucht plötzlich ihr gut aussehender Freund aus dem Pool auf.

Die Umsetzung des Films ist ziemlich gut, da alles – bis auf das Geplappere des Nerds – in Kürze auf den Punkt gebracht wird. Zudem ist die Kameraführung und Musik schlicht und einfach gehalten, was für die Wahrnehmung angenehm ist und die Aufmerksamkeit des Zuschauers mehr auf das Klischeemäßige richtet. Die Handlung spielt in den Sommerferien, nachmittags an einem Pool. Die Schauspieler in diesem Kurzfilm sind gut gewählt, weil sie genau das typische Aussehen und Verhalten heutiger Teenagers erfassen.

By the Pool ist eine Romanze, zugleich auch eine Komödie mit einer Reihe von Klischees, die alle kurz und knapp auf den Punkt gebracht werden. Zwar ist die Geschichte dünn, aber meiner Meinung nach geht es nur um die Umsetzung eines Bereichs aus dem alltäglichen Leben eines Jugendlichen, und der ist hier ziemlich gut dargestellt. Außerdem erfüllt der Sketch alle Kriterien für einen Kurzfilm.
 

Unverhofft kommt oft

By the Pool 02

Jeder kennt diesen Moment: Man traut sich einfach nicht, jemanden anzusprechen. Der Junge in By the Pool, einem dreiminütigen Kurzfilm von Ivan Almeida Rodrigues, macht es trotzdem.

Ein hübsches Mädchen sitzt allein am Pool, ein Junge wartet hinter einem Holzzaun, wo er überlegt, wie er das Mädchen ansprechen soll. Nachdem er sich ihr relativ unentschlossen genähert hat, entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden, das sehr einseitig ausfällt,  jedoch mit einer unerwarteten Wendung überrascht.

Insgesamt ist der Kurzfilm storytechnisch zwar sehr flach, unterhält jedoch innerhalb seiner drei Minuten gut und ist deshalb zu empfehlen.
 

Charakter besiegt Adonis
 
Kennen Sie das? Sie sehen ständig die Person Ihrer Träume, in die Sie sich seit dem ersten Augenblick verguckt haben. Jetzt sitzt sie direkt vor Ihnen, ganz allein. Mit dieser problematischen Situation darf sich auch ein kleiner Junge aus dem dreiminütigem Kurzfilm By the Pool auseinandersetzen.

By the Pool wurde von Ivan Almeida Rodrigues ausgedacht und umgesetzt und in den USA gedreht. Nicht nur, dass der Film von einer oft vorkommenden Liebesproblematik handelt –ob man das Traummädchen jetzt anspricht oder nicht, und wie man das tun will –, er stellt außerdem eine nette kleine Komödie dar. Im weiteren kurzen Verlauf des Films wird dieser Junge sich überwinden müssen, das Mädchen anzusprechen, um es dann mit seinem Charme von sich zu überzeugen.

Der Film ist gefüllt von Klischees, und ein großer Aufwand beim Führen der Kamera ist bewusst vermieden worden: Er ist fast dauerhaft aus der gleichen Perspektive aufgenommen. Was aber nicht unbedingt eine negative Auswirkung auf den eher als Clip zu bezeichnenden Film darstellt. In dieser Perspektive sind jeweils beide Figuren zu erkennen, welche trotz ihres nicht sehr fortgeschrittenen Alters ihre Rollen sehr gut bedienen, die in ihnen vorgehenden Gefühle sind gut zu erkennen. Gegen Ende erwartet Sie noch eine Szene, die Sie vielleicht nicht unbedingt erwartet hätten, aber Ihr Gemüt erheitern wird.

By the Pool ist ein erfrischender, kurzweiliger gespielter Witz, der jedoch keinen herausragenden Film verkörpert. Er eignet sich jedoch gut für ein kleines Schmunzeln zwischendurch.

Maxim Wittwer
 

First Fall (Premier Automne)

„Der erste Herbst“ – Tiefsinniger Blätterfall im Animationsstil

Premier Automne 01

Junge und Mädchen, Winter und Sommer, Angst und Vertrauen, Freundschaft und Abneigung – das sind Dinge, die unterschiedlicher nicht sein können und doch so nah beisammen liegen. Der Kurzfilm Premier Automne bedient sich dieser Kontraste und schafft durch seine kindlichen, stillen Protagonisten eine mystisch-dunkle Märchenwelt.

Premier Automne erzählt eine stille, bezaubernde Geschichte, die sich durch ihren tieferen Sinn und ihre Vielfältigkeit deutlich von anderen abhebt und durch wichtige Elemente wie Fantasie und Freundschaft viel Raum für Interpretation lässt. Mithilfe aufwändiger Animationen und neuester Technik inszenieren die Regisseure Aude Danset und Carlos de Carvalho eine traumhafte Umgebung, in der ein Junge und ein Mädchen mitsamt ihrer Gefährten ein Zuhause finden. Die unschuldige Mimik und Gestik sowie die unterstützende Musik schaffen es, auch ganz ohne Sprache den beiden Kindern Leben einzuhauchen.

Das Zusammenspiel zwischen Kontrasten und Gemeinsamkeiten fügt sich zu einem riesigen Netz aus kleinen Details zusammen, das beim näheren Betrachten immer facettenreicher wird. Dabei bleibt den Zuschauern beim Thema des Kurzfilms jede Menge Interpretationsfreiheit. Das Aufeinandertreffen, das gegenseitige Beäugen sowie die Ergänzung beider Fronten schneiden die alltäglichsten Geschehnisse an, die sich je nach Belieben entdecken und in den Vordergrund schieben lassen.

Doch nicht nur die Protagonisten, sondern auch ihre ständigen Begleiter sowie die abwechslungsreiche Landschaft weisen viel Liebe zum Detail auf. Ob es nun die Skeletthunde und die weißen, reinen Welpen sind oder auch nur die Pollen des Frühlings und die Schneeflocken des Winters, sie alle wirken doch wie einzelne Unikate und der Realität näher als so mancher Spielfilm. Der Kreislauf des Lebens hätte nicht besser dargestellt werden können.
 

Der erste Herbst – mal ohne Worte

Premier Automne 03

Düster und märchenhaft wirkt Premier Automne mit seinen hervorstechenden Kontrasten und der liebevollen Animation, von denen der Film lebt. Denn auf Sprache hat man hier verzichtet.

Winter und Sommer sind genauso zwei Kontraste wie Mädchen und Junge. Und in dem Animationskurzfilm von Aude Danset und Carlos de Carvalho stellen diese die Hauptgrundlage für die Handlung dar. Sommer und Winter werden sich niemals begegnen, doch die kindliche Neugierde bringt den Jungen dazu, in die Welt des Mädchens einzudringen. Die musikalische Untermalung durch Geigen und andere mystisch anmutende Instrumente sowie ein paar sphärische Geräusche übermitteln die Atmosphäre und Gefühle sehr genau – es braucht keine Worte dafür.

Premier Automne lebt nicht nur von den zwei schon erwähnten Kontrasten, sondern scheint auch die Grenze zwischen Leben und Tod, Zuneigung und Hass sowie zwischen Freundschaft und Feindschaft erörtern zu wollen. Doch der entscheidende Hinweis fehlt. Denn so sehr dieser Film von den Interpretationen der Szenen lebt, so ist er auch davon abhängig. Wer ungern in Filme hineininterpretiert und sich selten Gedanken um den Grund bestimmter szenischer Mittel oder Gegenstände macht, wird nach dem Film auf dem Stuhl oder dem Sofa sitzen und sich fragen, was der Film ihm sagen wollte. Trotz diesem, zugegeben, großen Kritikpunkt ist Premier Automne für mich ein bildlich sehr ansprechender Film mit einer ganz besonderen musikalischen Atmosphäre.

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