Filmkritische Jugend: In ihrem Haus – Prinz-von-Homburg-Schule

Die Kritiken zum Modellprojekt (3): Texte der Brandenburger Schüler zu François Ozons In ihrem Haus.

Kranke Gedanken

In ihrem Haus 07

Wie kaputt ein Mensch sein kann, selbst in jungen Jahren schon, zeigt der Film In ihrem Haus von François Ozon. Der 16-jährige Schüler Claude (Ernst Umhauer) weiß, wie man mit Menschen umgehen muss, um eine Geschichte zu schreiben. Er dringt in die Welt von anderen ein, manipuliert sie, zerstört sie, nur um für einen kurzen Moment zu erleben, wie es sich anfühlt, eine glückliche Familie zu haben – oder Menschen, die einen begehren. Der Lehrer Germain Germain (Fabrice Luchini) ist einer derjenigen, die sein hinterhältiges Spiel nicht durchschauen. Er wird zwar des Öfteren vor Claudes Spiel gewarnt, jedoch fesseln ihn Claudes Geschichten und die Begabung des Jungen zu stark.

Der Zuschauer wird in diesem Film zum Nachdenken angeregt, indem eine Geschichte in der Geschichte dargestellt wird. Die erste handelt von der Situation zwischen Claude und Germain in der Schule, die zweite von der Handlung in Claudes Geschichte. Diese ist wiederum in zwei Ebenen eingeteilt, in die Realität und in die Fantasie des Jungen. Bei manchen Szenen erkennt man erst im Nachhinein, in welcher Ebene sie gespielt haben. Es gibt jedoch nur wenige Szenen aus Claudes Fantasie, da der Junge selbst meint, mit bloßer Fantasie nicht schreiben zu können. Für ihn muss es real sein. Er muss es selbst miterleben, damit seine Geschichten gut werden und man seine Begabung zum Autor erkennt. Claude hofft, dass Rapha Artole jr. (Bastien Ughetto) wegen dem Kuss zwischen dessen Mutter und Claude Selbstmord begeht, um endlich seinen Platz in der Familie einnehmen zu können. Diese Szene wäre in dieser Situation aber zu voraussehbar gewesen, sodass Germain es nicht durchgehen lässt. Sie ist auch ein gutes Beispiel für die Szenen, in denen nicht von Anfang an erkennbar ist, ob sie nun in der Realität oder in der Fantasie spielen. Dieser ständige Wechsel zwischen den Ebenen wirkt auf den Zuschauer verwirrend, sodass dieser gezwungen wird, aufmerksam zuzuschauen.

Der Film ist eine Mischung aus Tragödie und Drama, bei der jedoch auch einige nicht von Anfang an erkennbare Romanzen enthalten sind. Das Tragische an diesem Film ist, dass Claudes Mutter abgehauen und sein Vater zum Pflegefall geworden ist, als Claude gerade neun Jahre alt war. Er hat wahrscheinlich nie zu spüren bekommen, wie es ist, geliebt zu werden und kann dementsprechend diese Liebe auch nicht auf andere Menschen übertragen. Dadurch nimmt er bei seinen Handlungen auch keine Rücksicht auf seine Mitmenschen, egal ob diese ihn lieben. Das spiegelt sich auch darin wider, dass er zwar ältere Frauen begehrenswert findet, aber eigentlich nur einen Mutterersatz sucht. Sein Ziel ist es von Anfang an, Rapha jr. und Rapha sr. loszuwerden, damit er ein neues Leben mit seinem „Mutterersatz“ beginnen kann.

Claude schafft es, durch stilles Beobachten und Analysieren seiner „Figuren“ an diese heranzutreten und so zu manipulieren, dass sie ihr Leben selbst zerstören. In jeder Situation findet er die richtigen Worte und bleibt ganz ruhig. Durch diese beiden Eigenschaften fangen die Menschen an, ihm zu vertrauen.

Im Endeffekt denke ich, dass der Film und seine Handlung gut gelungen sind. Er ist nicht für Leute gemacht, die diesen Film zur Unterhaltung sehen wollen, jedoch wäre er etwas für kranke Menschen.

Jule Zessing

Verdrehte Realität

In ihrem Haus 13

Ein ständiger Wechsel zwischen Surrealität und Wirklichkeit. Zwischen Gedankenspiel und trockener Realität. Ein verwirrter Zuschauer wird zurückgelassen. Eine Frage bleibt: Kann der unscheinbare Schüler Claude das komplette Leben seines Lehrers zerstören?

Der Film In ihrem Haus von François Ozon ist nicht klar einem Genre zuordenbar. Er bedient die Klischees eines Psychodramas, aber auch die einer Tragikomödie und eines Psychothrillers. Er irritiert gekonnt die Zuschauer, indem er die Figuren anscheinend in zwei Welten agieren lässt. Eine dieser Welten ist die Realität, in der der 16- jährige Schüler Claude Garcia (Ernst Umhauer) sowie sein Lehrer Germain (Fabrice Luchini) an einem Aufsatz arbeiten. Eine Form von Parallelwelt findet in Claudes Kopf statt, wobei nicht immer ganz eindeutig wird, in welcher dieser Welten man sich gerade befindet.

Germain ermutigt seinen Schüler, weiter über die Familie Raphas zu schreiben. Nach und nach überschreitet Claude dabei deren gesellschaftliche und private Grenzen. Es hat den Anschein, als würde er sie bei allem beobachten. Er spielt Zuschauer in einer Familie, die er nie haben konnte, da seine Mutter ihn früh verließ. Jedoch kann er mehr als ein Zuschauer: Er manipuliert die Figuren und ihre Handlungen. Ob diese manipulierten Handlungen nur in seinen Gedanken oder in der Realität stattfinden, ist hier nicht ganz durchsichtig. Insbesondere die Mutter Esther (Emmanuelle Seigner) hat seine Begierde erregt. So schreibt er beispielsweise von einem leidenschaftlichen Kuss zwischen ihm und der Mutter.

Jedes Mal, wenn man denken könnte, dass man weiß, in welcher Ebene man sich befindet, zieht Ozon den Betrachter noch tiefer in den Sog des Films und der Fiktion des Aufsatzes. Er lässt den ruhigen, unscheinbaren Claude zu einem brillanten, aber auch auf eine Art perversen, literarisch begabten Schüler werden. Er macht deutlich, dass unsere Mitmenschen oftmals längst nicht das sind, wofür wir sie halten.

Sabine Knake

***

In ihrem Haus 03

Ein ständiger Wechsel zwischen zwei Welten, um den Zuschauer zu verwirren. Eine Geschichte in einer Geschichte. Am Anfang stark verwirrend, aber meiner Meinung nach eine schöne Idee. Auch durch den schnellen Schnitt zwischen zwei vollkommen verschiedenen Orten wird die Verwirrung noch einmal deutlich unterstrichen. Der Trailer gleicht dem eines Thrillers, den Film würde ich dennoch in die Richtung von Drama und Psycho-Romanze schieben. Auch weil man nie genau weiß, ob die Handlung wirklich geschieht oder nur in der Fantasie des Schreiberlings Claude, gespielt von Ernst Umhauer.

Die Geschichte um eine Familie. Eine normale Familie: Mutter, Vater und Sohn. Danach sehnt sich Claude und beobachtet die Familie Artole durch die Fenster ihres Einfamilienhauses seit einiger Zeit von der Bank im Park aus. Sein Klassenkamerad Rapha Artole, gespielt von Bastien Ughetto, benötigt Mathe-Nachhilfe, die Chance für Claude, in das Haus seiner Begierde zu kommen. Das Drama beginnt. Claude schreibt darüber, wie er das erste Mal das Haus der Artoles betritt und gibt diese Geschichte als Aufsatz ab. Somit zieht er seinen Lehrer Germain Germain (Fabrice Luchini) mit hinein, der sich so stark in die Geschichte vertieft, dass er glatt vergisst, dass die Hauptfiguren real sind.

Immer wieder kommt es zu Komplikationen, und umso länger der Film geht, desto mehr zieht es einen hinein. In einigen Momenten denkt man sich: „Er hat doch nicht… Er wird doch nicht…“ Dann kommt der Moment zum Aufatmen: „Er hat es nicht getan.“ Und am Ende weiß man selten genau: Hat er, oder hat er nicht?

Der Film In ihrem Haus ist nicht sonderlich für Kinder geeignet, allein schon wegen einiger eindeutiger Szenen und der verwirrenden Geschichte. In diesem Film gibt es nicht das klischeehafte Happy End, auch das Ende ist eher verwirrend als klar.

Dennoch finde ich den Film sehr gelungen, nur nicht für jedermann.

Maya Rühseler

Eine kuriose Lehrer-Schüler-Beziehung

In ihrem Haus 02

Wir alle kennen es: das ganz normale Lehrer-Schüler-Verhältnis. Doch kann man die Beziehung, die in dem Film gezeigt wird, noch als normal bezeichnen? Der frustrierte Literaturlehrer Germain Germain (Fabrice Lunchini) entdeckt eines Tages das unglaubliche Talent seines unscheinbaren und sehr zurückhaltenden Schülers Claude Garcia (Ernst Umhauer), Aufsätze zu schreiben. In dem Aufsatz, den er als Hausaufgabe bekommen hat, geht es um „mein letztes Wochenende“. Claude schreibt darüber, wie er gezielt das Vertrauen seines Mitschülers Rapha und dessen Eltern gewinnt und daraufhin in ihr Haus und somit auch in ihr Leben eindringt. Seine Aufsätze enden stets mit „Fortsetzung folgt...“, und so wird der Wille nach mehr immer stärker.

Noch nie zuvor ließ sich Germain von einer Geschichte so sehr fesseln. Seine Neugier macht ihn beinahe süchtig, sodass er schon bald beschließt, seinem Schüler privat Nachhilfe zu geben, um die einzigartigen Aufsätze zu fördern – und natürlich, um ihn dazu zu bringen weiterzuschreiben.

Für fast jeden von uns ist ein Familienalltag nichts besonderes, doch für Claude ist er das durchaus. Über Claude sind eher wenige Informationen vorhanden. Im Laufe des Films bekommt man jedoch mit, dass er nie ein Familienleben kannte. Bis jetzt...

Lea Maslaton

Durchtrieben

In ihrem Haus 09

Rapha, der Freund von Claude, erhängt sich aus Eifersucht. Doch stimmt das wirklich? Oder ist es nur eines der vielen Hirngespinste von Claude?

In In ihrem Haus spielt Fabrice Luchini den Lehrer Germain Germain, der sich abmüht, seinen halbwüchsigen Schülern die Literatur näher zu bringen.

Wieder liegt ein Stapel Aufsätze auf seinem Schreibtisch und wieder erwartet Germain das ewig gleiche Gekritzel. Doch plötzlich fällt ihm der Aufsatz seines Schülers Claude Garcia (Ernst Umhauer) in die Hände. Mit viel Detail beschreibt dieser, wie er sich das Vertrauen seines Mitschülers erschleicht. Germain ist fasziniert von dieser Mischung aus Intelligenz und literarischem Talent. Er ermutigt seinen Schüler immer wieder, weitere Aufsätze zu schreiben und wird, so scheint es, süchtig nach der Fortsetzung der Geschichte. Seine Frau Jeanne Germain (Kristin Scott Thomas), die heimliche Mitwisserin der Aufsätze, ist der Sache gegenüber eher misstrauisch.

Germain beginnt, Claude zu beraten und sein Talent zu fördern. Aber Claude hat wohl nur ein Ziel: Esther, die Mutter seines Schulkameraden, zu verführen. Doch man weiß nicht immer, aus wessen Sicht die Bilder aufgenommen sind, ob sie die Wirklichkeit darstellen, die Erzählung Claudes oder die Sicht des Lehrers Germain, der sich zunehmend in die Aufsätze einmischt.

In ihrem Haus ist ein eher durchtriebener Film, bei dem man am Ende nicht mehr weiß, ob man dem Erzählten trauen kann. Ein Spiel aus Schein und Realität.

Johanna Kersten

Selbstfindungstexte

In ihrem Haus 16

Nicht nur das ständige Wechseln der Erzählperspektiven verwirrt den Zuschauer, sondern auch die undurchsichtige Handlung, was die Aufmerksamkeit nur noch mehr auf den Film lenkt. Der Zuschauer wird besonders zum selbständigen Denken angeregt, als Rapha vermeintlich Selbstmord begeht, was sich im Nachhinein jedoch als fiktives Hirngespinst Claudes herausstellt.

Der unscheinbare Schüler Claude stellt sich beim Schreiben eines Aufsatzes als begabter Schriftsteller heraus. Sein Lehrer, ein gescheiterter Autor, wird auf den fragwürdigen Text aufmerksam und nimmt sich der Veranlagung seines Schülers an.

Gemeinsam verbessern sie die Texte, und Claude schleust sich immer weiter in die Familie ein, indem er dem Sohn Rapha Mathe-Nachilfe gibt.

Die Psychospielchen Claudes verschärfen sich, als er eine Affäre mit Esther, Raphas Mutter, eingeht, die er als eine gelangweilte und vernachlässigte „Mittelklassefrau“ bezeichnet.

Der Film In ihrem Haus zeigt ein spannendes Psychodrama, in dem die Selbstfindungsgeschichte eines Außenseiters auf Kosten einer Familie geschildert wird, und in der der Lehrer als Mentor eine bedeutende Rolle spielt.

Mirjam Fitzthum

Eine kuriose Lehrer-Schüler-Beziehung

In ihrem Haus 15

Ist es rechtens, die Mathearbeit eines Schülers zu manipulieren?

Der Film In ihrem Haus ist ein Drama. Es geht um einen Schüler, der außergewöhnlich gute Texte schreiben kann. Er beschreibt in diesen Texten die Familie seines Freundes. Dabei wird er von seinem Lehrer gefördert. Diese Rolle ist sehr gut von Fabrice Luchini gespielt. Es ist interessant, wie der Lehrer die Schriftstücke bewertet und mit der Situation umgeht. Er manipuliert sogar eine Mathearbeit, damit der Schüler weiterschreiben kann.

François Ozon macht es in diesem Film möglich, in das Privatleben der Schüler und Lehrer einzublicken. Als der Lehrer merkt, dass das alles zu weit führt, fordert er den Schüler auf, keine Texte mehr zu schreiben. Das kann Claude Garcia allerdings nicht mehr. Damit regt der Regisseur die Zuschauer zum Nachdenken an.

Lukas Burmeister

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